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Phänomen bei Pegida-Demos Die seltsame Hassliebe der Sachsen zu Russland

Es lebe die Sächsisch-Russische Freundschaft: Pegida ist auch der versöhnliche Neuanfang einer schwierigen Beziehung zweier stolzer Völker. Eine Polemik.

Es ist nicht alles schlimm in Dresden bei den Montagsmärschen. Menschen tragen nicht nur sächsische und deutsche Fahnen um die Frauenkirche, sondern auch die russische, die Flagge ihrer neuen Freunde aus der alten Fremde. Manche haben Schautafeln gebastelt, auf denen sie Wünsche wie "Frieden mit Russland – nie wieder Krieg in Europa" oder "1945: Die Russen kommen – 2015: Russen bitte kommen" äußern.

Seit August der Starke sich erst mit dem Zaren und dann gegen ihn verbündet hatte, stand es mit dem sächsisch-russischen Verhältnis nicht zum Besten. In der DDR war man im Sächsischen auf die sowjetische Besatzungsmacht besonders schlecht zu sprechen. 1979 schrieb ein Dresdner anonym ans Ostfernsehen: "Aus uns macht man keine Russen. Deutschland bleibt deutsch!"

In anderen Zuschriften aus der Region, die von der Stasi emsig abgeheftet wurden und der Welt dadurch erhalten blieben, wird der Russe als Kolonialist und Untermensch beschimpft und die Regierung in Berlin als dessen Arschkriecher. Die Wende kam mit Gorbatschow. Auf einmal saß ein Held im Kreml, und die Sachsen freuten sich über Parolen wie "Von der Sowjetunion lernen heißt Siegen lernen" und "Ewige Freundschaft mit den Völkern der Sowjetunion".

Wo Ausländer noch Ausländer bleiben

Heute darf man dem Sorgenbürger auf der Straße auch verzeihen, wenn er Wahlwerbung für Putin macht und ihn um Beistand anfleht: "Gospodin Putin! Hilf uns, rette uns vor dem korrupten, volksfeindlichen BRD-Regime sowie vor Amerika und Israel!" Oder wenn er "Merkel nach Sibirien, Putin nach Berlin!" fordert. Es geht ihm um Versöhnung. Gern erinnert er daran, dass Putin für den KGB zur selben Zeit in Dresden tätig war und fließend Sächsisch lernte, als die spätere Bundeskanzlerin in Donezk einen Russischlehrgang absolvierte und als Beste abschloss. Warum sollte er sie nach Sibirien schicken wollen, wo Helene Fischer herkommt?

Heimlich träumt der eine oder andere besorgte Sachse schon von seiner Flucht nach Moskau. Wenn ihm wieder einmal ein Chaot auf seiner Montagsrunde von links "Geh doch rüber! In den Osten! Zu den Russen!" zuruft, lächelt er in sich hinein und sehnt sich nach dem Land, wo sonst kein Flüchtling hinwill: Ausländer bleiben dort, wo sie überhaupt vorkommen, Ausländer.

Ein Präsident für Berlin: Pegida macht Wahlwerbung. (Foto: imago/IPON)

Wo zusammenwächst, was zusammengehört

Niemand im Kreml käme auch nur auf den albernen Gedanken, der Islam gehöre irgendwie zu Russland. Dafür dürfen Juden ungehindert ausreisen, was sie, als die Sowjetunion verschwunden war, auch mehrheitlich sofort erledigt hatten. Alles, was die heimische Kultur verwässern könnte, wird staatlich verdammt. Vor allem gibt es keine Lügenpresse dort, wer glaubt, er müsse schreiben, was er meine, wird von Patrioten mit dem Motorrad besucht.

Nach Osten also in die neuen deutsch-russischen Kolonien! Spätaussiedler halten, bis das Land wieder zur Ruhe und die Volksverräter zur Vernunft kommen, die Stellung in der Heimat. Bei Pegida wehen bereits Fahnen, die zur Hälfte russisch und zur Hälfte deutsch sind. Im Andenken an die DSF, die Deutsch-Sowjetische Freundschaft, die im Frühjahr 1990 sechs Millionen kollektiv verlassen hatten. 1992 war die Gesellschaft als gemeinnütziger Verein mit dem schönen Namen "Brücken nach dem Osten" aufgelöst worden.

In Sachsen wächst nun wieder zusammen, was zusammengehört: Es lebe die Sächsisch-Russische Freundschaft!

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