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Donald Trump ante portas Sorgen und Ängste in den USA und Europa

Der Erfolg von Donald Trump im Wahlkampf um die US-Präsidentschaft hat in der EU Kopfschütteln ausgelöst. Doch sind die Unterschiede zur Stimmung in der EU wirklich so groß?

Rot-weiß-blaue Fahnen, Country-Songs und eine gehörige Portion Patriotismus: Amerikanischer kann ein Wahlkampf nicht sein. Und doch finden sich einige Parallelen zwischen den US-Vorwahlen und der politischen Stimmung in Europa. Auf beiden Seiten des Atlantiks scheinen sich die Menschen Veränderungen zu wünschen - und sie lehnen immer stärker die politische Elite ab.

Auf der einen Seite vertritt der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump nationalistische Thesen und ähnelt damit auch europäischen Politikern in ihrer Ablehnung von Flüchtlingen. Bei den Demokraten wirbt Bernie Sanders für einen demokratischen Sozialismus. In den Ohren vieler Amerikaner ist das eine radikale Schule, während sie in Europa seit langem zum politischen Mainstream gehört. Hier waren schon wiederholt sozialistische Regierungen an der Macht, ohne dass dies jedes Mal für Aufsehen gesorgt hätte.

Politische Eliten geraten überall in Bedrängnis

Jacek Kucharczyk, Präsident des Instituts für Öffentliche Angelegenheiten in Warschau, hat in den USA und in Europa die gleichen Sorgen und Ängste ausgemacht, die Menschen an die extremen Ränder der Politik treiben, nach rechts und nach links. Er verweist auf die Wahl in Polen im Oktober, aus der die konservative Partei Recht und Gerechtigkeit von Jaroslaw Kaczynski als Sieger hervorging. "Das ist das gleiche Misstrauen gegenüber dem politischen Mainstream", sagt er. "Da ist diese tödliche Kombination aus sozioökonomischer Unsicherheit und einem Kampf um die Identität." Kaczynski hatte gegen Ende des Wahlkampfs gewarnt, Flüchtlinge könnten Krankheiten einschleppen. Trump schürt in den USA ganz ähnliche Ängste. "Wenn wir Trump hören, dann klingt er wirklich wie Kaczynski", erklärt Kucharczyk.

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Anschläge in den Vereinigten Staaten und in Europa haben zudem das Sicherheitsgefühl der Menschen beschädigt und die Angst vor Fremden noch gesteigert. Solche Angriffe waren in Europa häufiger und hatten schwerwiegendere Folgen. Aber auch in den USA wirkte sich der Anschlag in San Bernardino in Kalifornien mit 14 Todesopfern auf die Psyche der Menschen aus. Er trieb möglicherweise Trump mehr Wähler in die Arme, genau wie seit den Anschlägen von Paris offenbar die Zustimmung für rechtspopulistische Politiker in Europa zunahm, so zum Beispiel für den Niederländer Geert Wilders.

Das Ende der politischen Korrektheit

Josef Braml von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Angelegenheiten erklärt, die Attacken im Wahlkampf zielten darauf ab, die Wut auf die politische Klasse auszunutzen, eine politische Klasse, die nicht länger für Sicherheit, Wachstum und Wohlstand garantieren könne. "Sie sagen, zur Hölle mit der politischen Korrektheit, ich sage die Wahrheit", erklärt Braml. "Das sagt mir, dass sie die politische Korrektheit als Code der Elite betrachten." Er beobachtet einen wachsenden Nationalismus, sowohl in den USA als auch in Europa, obwohl der doch als politische Kraft Vergangenheit sein sollte. Trumps abfällige Äußerungen über Mexikaner ähnelten den antisemitischen Einstellungen der rechtsextremen Front National in Frankreich, sagt Braml.

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Der Aufstieg Trumps überrascht viele Menschen in Europa. Das starke Abschneiden von Sanders im Ringen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur wird jedoch nicht als alarmierend wahrgenommen. Warum auch, schließlich ähneln seine Forderungen denen, die linksgerichtete Politiker in Europa schon seit Generationen vertreten. Sanders' Idee eines kostenlosen Studiums für alle ist in vielen europäischen Ländern Realität. Und seine Attacken auf die Wall Street und ihre Banker würden auch in Europa Gehör finden. In Polen hat die neue Regierung den Banken bereits höhere Steuern verordnet und plant Ähnliches für die großen Supermarktketten. Sanders' Erfolge wurden von europäischen Linken begeistert aufgenommen, darunter viele in Skandinavien, wie Mads Duglede erklärt, ein dänischer Historiker und Politik-Experte.

"Sie sehen in den USA einen kapitalistischen Alptraum", sagt er. "Wenn jemand sagt, er will eine Revolution gegen den freien Markt anstoßen, dann unterstützen sie das, also hat er (Sanders) viele Fans." Was sagt das alles über Trump und Sanders? "Die beiden sind wirklich sehr unterschiedlich, aber man kann über sie sagen, dass die Ablehnung der Elite von links und rechts an Boden gewinnt", erklärt Dominique Moisi, Beraterin beim Französischen Institut für Internationale Beziehungen. "Das haben wir bei amerikanischen Wahlen bisher noch nicht gesehen." 

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