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Verbotsverfahren gegen NPD Rechtsextremisten sollen endgültig ausgeschaltet werden

Befürchtet werden drei Tage Kampf und Emotionen. Das NPD-Verbotsverfahren ist für alle Beteiligten ein Kraftakt mit hohen Risiken. Das Fiasko von 2003 wirkt nach. 

Auf dem Spiel stehen die Existenz einer Partei und die Glaubwürdigkeit der Politik - das Bundesverfassungsgericht verhandelt von diesem Dienstag an über ein Verbot der rechtsextremen NPD. Drei Tage lang (1. bis 3. März) prüfen die Karlsruher Richter auf Antrag des Bundesrats, ob die rund 5200 Mitglieder starke Partei nach den strengen Maßgaben des Grundgesetzes verfassungswidrig ist. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sieht allerdings auch für den Fall eines NPD-Verbots den Rechtsextremismus in Deutschland weiter als Gefahr. "Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, egal wie es ausfällt, wird uns die Aufgabe des Kampfes gegen rechts nicht abnehmen", sagte Maas den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montag). Der Erfolgsdruck für die Bundesländer ist groß: Ein erster Verbotsanlauf war 2003 in einem Fiasko geendet, weil im Verfahren ans Licht kam, dass der Verfassungsschutz bis in die Parteispitze hinein Informanten hatte.

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Die Frage der sogenannten V-Leute wird auch diesmal eine zentrale Rolle spielen. Dem 250-seitigen Verbotsantrag von Dezember 2013 hatte der Bundesrat im vergangenen Mai noch einmal vier Aktenordner mit Belegen folgen lassen. Die internen Vermerke, Gesprächsprotokolle und E-Mails sollen untermauern, dass die Sicherheitsbehörden diesmal rechtzeitig alle V-Leute in der NPD "abgeschaltet" haben. Die elf Namen sind geschwärzt. Die NPD selbst hatte die Gelegenheit zur inhaltlichen Stellungnahme bis kurz vor Verhandlungsbeginn nicht genutzt. Auch deshalb ist völlig ungewiss, was die Richter und Prozessbeobachter in Karlsruhe erwartet.

Droht der Terror von Rechts?

Der NPD-Anwalt Peter Richter hat im "Tagesspiegel" bereits "den einen oder anderen Knaller" angekündigt. Experten halten es für denkbar, dass die Partei vorhat, einzelne V-Leute zu enttarnen. Am Gericht erwartet man in jedem Fall ein emotionales Verfahren, in dem mit harten Bandagen gekämpft wird.

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In einem Interview mit zwei "Report Mainz" hat sich der frühere Parteivorsitzende Holger Apfel erstmals seit seinem Ausscheiden aus der Partei in einem TV-Interview geäußert. Apfel, der bis Ende 2013 Bundesvorsitzender der NPD war, warnte im dem Interview vor einer drohenden Radikalisierung von NPD-Mitgliedern. Denn um dem Ruf der Partei nicht zu schaden, hätten sich einige radikale Mitglieder bislang mit Gewalttaten zurückgehalten. Dies könne sich nach einem Verbot ändern: "Allein die Existenz der NPD sorgte dafür, dass eine gewisse Selbstdisziplinierung in Partei und Szene existierte. Wird die NPD verboten, wird das zum Abbau von Hemmschwellen führen. Dann besteht tatsächlich die Gefahr, dass nicht nur eine Radikalisierung des Denkens, sondern auch des Handelns stattfindet."

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Es sei also nicht auszuschließen, dass ein Verbot zu mehr Gewalt führe. Holger Apfel ist im NPD-Verbotsverfahren als Auskunftsperson geladen. Er hat nach eigenen Angaben seit seinem Austritt mit der Partei gebrochen. Auch einer der Hauptgutachter im NPD-Verbotsverfahren, Prof. Dierk Borstel, warnt im ARD-Interview vor den Gefahren eines möglichen Verbots. "Wir müssen überlegen: Was kommt denn nach einem Verbot? Da sind mehrere Wege möglich. Zum Beispiel, dass sich ein Teil derer, die sich jetzt noch in dieser Partei engagieren, radikalisieren. Radikalisierung im Rechtsextremismus heißt meistens mehr Gewalt, heißt eventuell auch Hinwendung zum Terrorismus.

Hürden für ein Parteiverbot sind sehr hoch

Die Richter des zuständige Zweite Senat unter Gerichtspräsident Andreas Voßkuhle haben außergewöhnlich arbeitsintensive Vorbereitungen hinter sich. Denn wie in einem Strafverfahren müssen sie selbst alle Beweise zusammentragen. Die Hürden für das Verbot einer Partei sind in Deutschland hoch. Das Verbreiten verfassungsfeindlicher Ideen allein reicht dafür nicht aus. Vor 60 Jahren, als das Bundesverfassungsgericht mit der kommunistischen KPD zum zweiten und bislang letzten Mal eine Partei verbot, formulierte es eine aktiv kämpferische, aggressive Haltung gegenüber der demokratischen Grundordnung als zentrales Kriterium. Inzwischen müsste ein Verbot aber auch der Überprüfung durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte standhalten. Nach dessen Rechtsprechung muss ein derart drastischer Eingriff zum Schutz der demokratischen Ordnung auch wirklich notwendig sein. Das Risiko, ein zweites Mal zu scheitern, ist also nicht eben klein. Bundesregierung und Bundestag haben sich dem neuen Verbotsantrag nicht angeschlossen. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zeigte sich am Montag in Mainz dennoch "überzeugt, dass wir ausreichende Argumente haben".

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Zum Auftakt in Karlsruhe erwartet wurden Bundesratspräsident Stanislaw Tillich aus Sachsen (CDU) und der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), außerdem etliche Innenminister und -senatoren. NRW-Regierungschefin Hannelore Kraft (SPD) musste wegen einer Lungenentzündung kurzfristig alle Termine absagen, auch CSU-Chef Horst Seehofer kommt nun doch nicht. Am Gericht schließt man nicht aus, dass vor einem Urteil womöglich weitere Verhandlungstage angesetzt werden müssen. 

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