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Scheinriese Nordkorea Kim Jong-uns gigantische Streitmacht mit Schwächen

Das Ritual ist bekannt: Kaum veranstalten Südkorea und die USA ein Manöver wird Vergeltung angedroht. Pjöngjang protzt mit seiner gigantischen Streitmacht. Doch was ist sie wert?

Die Warnungen aus Pjöngjang könnten nicht deutlicher sein: Nordkorea werde jede Verletzung seines Territoriums gnadenlos vergelten, sogar Angriffe auf Seoul und US-Gebiete seien möglich. Anlass der schrillen Rhetorik ist das jährliche gemeinsame Manöver der Vereinigten Staaten und Südkoreas, das am 7. März beginnt. In diesem Jahr sind die Spannungen besonders groß, nach einem mutmaßlichen nordkoreanischen Atomtest im Januar und einem Raketenstart vor zwei Wochen. Aber ist Nordkorea militärisch überhaupt in der Lage, seine Drohungen wahr zu machen?

Bei den Bodentruppen sprechen die Zahlen für sich: Über 950.000 Mann unter Waffen, 4200 Panzer, 2200 gepanzerte Fahrzeuge, 8600 Artilleriegeschütze und 5500 Mehrfachraketenwerfer verfügt das Land. Das Heer macht den weitaus größten Teil der Koreanischen Volksarmee, kurz KVA, aus. Und während die Androhung eines Raketenangriffs auf US-Territorium doch weit hergeholt erscheint, könnte Pjöngjang wohl die südkoreanische Hauptstadt in ein "Flammenmeer" verwandeln, wie das Regime androhte.

Führungskräfte der nordkoreanischen Armee. (Foto: Reuters)

70 Prozent der Soldaten am Boden sind in der Umgebung der entmilitarisierten Zone stationiert, damit sie im Fall eines militärischen Konflikts mit dem Süden schnell einsetzbar sind. Ihre Waffen stammen aus russischer oder chinesischer Produktion oder gehen auf Baupläne aus diesen Ländern zurück. In den vergangenen Jahren präsentierte Nordkorea aber auch neue Panzer, Artilleriegeschütze und Infanterie. "Trotz einer Ressourcenknappheit und veralteter Ausrüstung kann Nordkorea ohne Vorwarnung einen Angriff auf Südkorea starten", hieß es im jüngsten Bericht des US-Verteidigungsministeriums an den Kongress.

Mehr zum Thema: Kim Jong-un droht mit Militärschlägen gegen USA und Südkorea

Auf See hat Nordkorea rund 60 000 Mann im Einsatz, dazu kommen 430 Patrouillenschiffe, 260 Amphibienfahrzeuge, 20 Minenkampfschiffe, etwa 70 U-Boote und 40 Hilfsschiffe. Die Marine stellt damit den kleinsten Teil der Streitkräfte, kann aber auf einige Stärke verweisen wie Landungsschiffe und eine der größten U-Boot-Flotten der Welt. Derzeit modernisiert das Regime einige Schiffe und entwickelt außerdem ein U-Boot, das auch Raketen abfeuern kann. Die nordkoreanische Luftwaffe verfügt über 110 000 Soldaten, mehr als 800 Kampfflugzeuge, 300 Hubschrauber und mehr als 300 Transportflugzeuge. In der Luft wird besonders deutlich, wie veraltet die Ausrüstung der KVA ist.

Museeumsflieger Rückgrat der Luftwaffe Nordkoreas

Seit Jahrzehnten hat das Land keine neuen Kampfflugzeuge mehr eingekauft. Die leistungsstärksten Jets sind die MiG-29 aus den 80er Jahren, die Nordkorea der Sowjetunion abkaufte, die MiG-23 und die Erdkampfflugzeuge vom Typ SU-25. Für alle Maschinen fehlt es häufig an Treibstoff und die Piloten haben nur wenig Gelegenheit, in der Luft zu trainieren. Auch die Flugabwehrsysteme sind veraltet und bestehen hauptsächlich aus Mehrzweckflugzeugen vom Typ Antonow AN-2, die in den 40er Jahren gebaut wurden und etwa zehn Passagiere aufnehmen können. Sie wären wahrscheinlich geeignet, um Sondereinheiten der Armee hinter feindlichen Linien abzusetzen. Nordkorea verfügt interessanterweise auch über einige Hubschrauber vom Typ MD-500, die in den USA gebaut wurden. Wahrscheinlich wurden sie unter Umgehung der internationalen Sanktionen ins Land gebracht. Die Hubschrauber wurden während einer Parade im Jahr 2013 gezeigt.

Video: USA lassen Atomraketen-Bomber aufsteigen

 

Etwa 180 000 Soldaten gehören Schätzungen zufolge den nordkoreanischen Spezialkräften an. Sie spielen eine wichtige Rolle, denn Nordkorea ist sich seiner militärischen, technischen und logistischen Unterlegenheit durchaus bewusst. Die Militärführung setzt daher auf kostengünstige und effektive Einsätze, die einen hohen Wirkungsgrad erzielen sollen. Und die Spezialkräfte seien gut ausgebildet, gut ausgerüstet, gut ernährt und hochmotiviert, heißt es in dem Bericht des US-Verteidigungsministeriums. Sie könnten zum Beispiel aus der Luft oder über das Meer nach Südkorea gebracht werden, vielleicht auch zu Fuß durch die zahlreichen Tunnel unter der Grenze.

Weibliche Spezialeinheiten der Armee Nordkoreas. (Foto: Reuters)

Bei allem Wissen über Nordkorea ist nicht bekannt, über wie viele Atomwaffen das Land verfügt. Auch in dem Bericht aus Washington wird keine konkrete Zahl genannt. Möglicherweise sind es mehr als ein Dutzend, das besagen zumindest Schätzungen anderer Quellen. Pjöngjang verfügt den Angaben zufolge über 50 Raketen mit einer Reichweite von knapp 1300 Kilometern, sechs Interkontinentalraketen vom Typ KN-08 mit einer Reichweite von mehr als 5500 Kilometern und eine nicht bekannte Anzahl von Taepodong-2-Raketen mit etwa gleicher oder sogar größerer Reichweite. Hinzu kommen weitere Raketen mit kürzerer Reichweite.

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Die Behauptung aus Pjöngjang, man habe am 6. Januar erstmals eine Wasserstoffbombe gezündet, wird international angezweifelt. Allerdings gilt es als sicher, dass Nordkorea über Atomwaffen verfügt und am Ausbau des Arsenals arbeitet. Eine Hürde bildet dabei die Herstellung von Atomsprengköpfen, die klein genug für die Raketen sind. Außerdem müssen Genauigkeit und Verlässlichkeit der Raketen getestet werden.

Parade der Panzertruppen Nordkoreas. (Foto: Reuters)

Über das Arsenal an biologischen und chemischen Waffen Nordkoreas ist wenig bekannt. Das US-Verteidigungsministerium geht davon aus, dass Pjöngjang bereits über einsatzfähige Waffen verfügt, nannte aber in seinem Bericht keine Einzelheiten. Es hieß lediglich, das Regime besitze wahrscheinlich verschiedene chemische Kampfstoffe. Nordkorea hat die internationale Chemiewaffenkonvention nicht unterschrieben und bildet seine Soldaten darin aus, in kontaminierter Umgebung zu kämpfen. 

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