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Flüchtlingslager Nea Kavala Wo der Traum von Europa derzeit endet

An der Grenze zu Mazedonien stauen sich Zehntausende Flüchtlinge. Sie hoffen auf die Weiterreise, doch die Grenze ist dicht. Die griechischen Behörden sind mit der Versorgung überfordert.

Nea Kavala hat Zuwachs bekommen. Auf dem Gelände des alten Militärflughafens gleich außerhalb des beschaulichen Örtchens im Norden Griechenlands sind in den vergangenen Tagen Hunderte weiße Zelte aufgebaut worden. Rund 3500 Flüchtlinge, fast ausschließlich aus Syrien und dem Irak, haben hier Zuflucht gefunden. Und die Behörden wie die Hilfsorganisationen sind froh über jeden Einzelnen, der hier bleibt und die Situation im Lager bei Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze nicht noch verschärft.

Unweit vom Eingang stehen eine Hand voll Taxifahrer – und warten auf die neue Kundschaft. Für sieben Euro geht es in die nächste Stadt, 30 Euro würde die Fahrt bis zur Grenze eigentlich kosten, erzählt Yannis, "aber wir können nicht ganz nach Idomeni fahren wegen der Polizei". Immerhin verdiene die lokale Wirtschaft an den Flüchtlingen, sagt er und nickt zu seinem Kumpel hinüber, der in einem Eiswagen Snacks, Kaffee und Süßigkeiten für die Flüchtlingskinder verkauft. "Aber wenn ihnen das Geld ausgeht, müssen wir uns wahrscheinlich besser Waffen besorgen", sagt Yannis. "Wie soll das nur weitergehen?"

Aus dem Boden gestampft: ein Zeltlager für die Flüchtlinge in Nea Kavala. (Foto: Paul Nehf)

Wie soll es weitergehen?

Es ist die Frage, die im Moment ganz Europa umtreibt. Die Balkanstaaten und Österreich erhöhen mit jedem Tag der Grenzschließung den Druck auf Griechenland, die Flüchtlinge gewissenhaft zu registrieren und nicht einfach durchzuwinken. EU-Ratspräsident Donald Tusk appelliert an "alle potenziellen illegalen Wirtschaftsmigranten", nicht mehr nach Europa zu kommen – doch wie wenig erfolgreich solche Mahnungen sind, haben die vergangenen Monate gezeigt. Und der griechische Premierminister Alexis Tsipras fordert die Öffnung der Grenzen, um die Flüchtlinge weiterschicken zu können. "Griechenland wird auf keinen Fall ein Lager für verlorene Seelen werden", sagte er.

Einige Lager für vorerst gestrandete Seelen stehen aber bereits. Um dem Flüchtlingsstau Herr zu werden, zog das Militär im Norden auf die Schnelle drei Zeltstädte hoch. Nea Kavala, das bislang größte, kann zunächst 6000 Menschen beherbergen, ist also gut zur Hälfte gefüllt. Journalisten dürfen allerdings nicht hinein – auf Anweisung der griechischen Regierung. Durch den Zaun, stellenweise aus Stacheldraht, sieht man Soldaten bei der Essensausgabe, Baufahrzeuge, die die Wiese platt walzen, sowie Arbeiter, die Wasserleitungen legen. Und jede Menge Flüchtlinge – darunter, wie auch an der Grenze in Idomeni, sehr viele Familien.

Taxis vor dem Flüchtlingslager Nea Kavala. (Foto: DW)

Das UN-Flüchtlingshilfswerk fordert "mehr Solidarität" von der EU

Basil, ein Syrer, kommt mit seinen beiden kleinen Kindern gerade zurück aus der Ortschaft. "Wir sind seit vier Tagen hier", sagt er, "die Kinder frieren nachts, und waschen können wir uns auch nicht richtig." Die Erschöpfung ist dem Vater, dessen Frau sich noch in Athen um Papiere bemüht, anzusehen. "Hoffentlich machen sie bald die Grenze wieder auf", sagt er und schiebt ein "Inschallah" nach. So Gott will. Dabei müsste es eigentlich heißen: So Europa guten Willen zeigt.

"Solidarität", fordert unterdessen das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR von der EU. "Griechenland strengt sich an", sagt ein Sprecher, "aber die Ressourcen sind begrenzt. Es braucht viel mehr Hilfe von den anderen Mitgliedsstaaten." 24.000 Flüchtlinge säßen in Griechenland derzeit fest, am Mittwoch seien 2000 hinzugekommen. "Die Griechen können mit ihnen nicht alleingelassen werden."

In Cherso hat sich der Syrer Ismail auf eine längere Wartezeit eingestellt. Die Situation hier ist ähnlich der in Nea Kavala, das eine halbe Stunde Autofahrt entfernt liegt. Nur dass Cherso ein wenig größer ist. Der zentrale Platz des Ortes ist in der Mittagssonne von Syrern und Irakern bevölkert. Die Café- und Kioskbesitzer freut es. 4100 Flüchtlinge leben seit einigen Tagen einen kurzen Fußmarsch entfernt in einem Camp, das, umgeben von Bäumen, von außen kaum einsehbar ist.

Ismail glaubt nicht an Frieden

Am Mittwoch war Ismail nach Idomeni an die Grenze gefahren, um sich die erforderlichen Papiere für eine Weiterreise und eine Wartenummer zu besorgen. Die teure Taxifahrt hat wehgetan. Jetzt heißt es abwarten. "Es bringt nichts, sich zu ärgern, die Soldaten behandeln uns gut. Ich sage den anderen Bewohnern, sie sollen spazieren gehen oder sich nützlich machen." Weil Ismail Englisch spricht, hilft er den Ärzten als Übersetzer.

Der 35-Jährige hatte es bis vor 20 Tagen im zerbombten Aleppo ausgehalten. Fünf Jahre Bürgerkrieg – und Ismail mittendrin. Doch dann, als die ganze Welt langsam zu der Einsicht gekommen schien, dass das Töten in Syrien ein Ende haben muss, schafften es die Bomben von Diktator Assad und seinen russischen Verbündeten, Ismail doch noch zu vertreiben. "Hätte jeder die finanziellen Möglichkeiten, würden alle fliehen", sagt Ismail. An einen baldigen Frieden glaubt er nicht.

Selbst wenn die verschärfte Krise auf dem Balkan und die Bilder von der griechisch-mazedonischen Grenze Menschen aus anderen Ecken der Welt also davon abhalten sollten, nach Europa zu fliehen. Der Strom an Kriegsflüchtlingen aus Syrien und dem Irak wird so schnell nicht abreißen.

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