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Säbelrasseln von Nordkorea Warum Kim niemals die Atombombe zünden wird

Als Reaktion auf neue UN-Sanktionen setzt Kim Jong-un mit markigen Worten seine Atomwaffen in Bereitschaft. Doch es gibt gute Gründe dafür, dass die Drohungen des Diktators leer sind.

Wenn es ihm an den Kragen geht, dann reagiert Kim Jong-un wie ein aggressiver Straßenköter: er bellt, so laut er kann und fletscht die Zähne. Gerade hat der UN-Sicherheitsrat neue strenge Sanktionen gegen Nordkorea verhängt, und er reagiert wie üblich trotzig und laut, mit seiner erprobten finsteren Kriegsrhetorik: "Die Situation hat eine sehr gefährliche Phase erreicht", tönte er drohend bei der Inspektion einer Maschinenfabrik, in der wohl Raketensysteme hergestellt werden. Die Zeit der militärischen Gegenreaktionen sei vorbei, man sei reif für einen "Präventivschlag".

"Der einzige Weg, unter der gegenwärtigen Extremsituation die Souveränität unserer Nation und ihr Existenzrecht zu verteidigen, liegt in der Stärkung unserer Nuklearkraft, sowohl in der Qualität, als auch in der Quantität", donnert der Diktator. Die "Atomsprengköpfe zur nationalen Verteidigung müssen immer in Bereitschaft stehen, damit sie jeden Augenblick abgefeuert werden können".

Die internationale Gemeinschaft zieht nach Nordkoreas jüngsten Nuklear- und Raketentests die Daumenschrauben an, um Kim seine Atomambitionen auszutreiben. Sanktionen sollen Finanzströme nach Pjöngjang blockieren und Exporte unterbinden. Kurz, der Geldhahn soll zugedreht werden, durch den Kims Devisen für sein teures Nuklearprogramm fließen.

"Kim ist ja nicht selbstmordgefährdet"

Und wenn Kims sonst engste Verbündete China und Russland diesmal tatsächlich mitziehen, wie angekündigt, dann muss Kim den Gürtel enger schnallen – oder besser gesagt sein sowieso schon hungerndes Volk. Denn an seiner Militärkraft zu sparen, das fällt dem nordkoreanischen Diktator als allerletztes ein. Braucht er sie doch, um sein Image daheim zu wahren: der unerschrockene Führer einer gefürchteten Nation.

Wird Kim Jong-un also schießen? Wird er seine Atomwaffen wirklich gegen den "Feind", der Nordkoreas "Operationen enthaupten" will und "den Kollaps seines Sozialsystems sucht" einsetzen? Sprich: schickt er wirklich irgendwann Atombomben in Richtung USA, Südkorea oder Japan?

"Kim ist ja nicht selbstmordgefährdet", meint Verteidigungsexperte Michael Raska von der S. Rajaratnam School of International Studies in Singapur. "Jede Form der Attacke würde sofort einen Gegenschlag auslösen, und das wäre das Ende von Nordkorea".

Doch der junge Diktator wird trotzdem immer weiter drohen – für sein eigenes Volk. "Er braucht einen Feind. Er muss die externe Gefahr für seine Heimat heraufbeschwören. Das ist die Essenz", erklärt Raska. "Sie stecken dort in Pjöngjang in einem ständigen Zustand der Krise". Und deshalb muss das Regime seinem Volk stets eindringlich und plastisch vor Augen führen, warum sie all dieses Geld in das Militär stecken.

An allem die USA sind schuld

Nordkoreas bisher sechs Raketen- und vier Atomtests haben, so schätzen Experten, rund vier Milliarden US-Dollar gekostet. Um das ansatzweise vor seinem armen Volk rechtfertigen zu können, braucht Kim also für die Nordkoreaner das Grundgefühl, dass alle Welt ihnen ans Leder will.

Für sämtlichen Unbill macht die Staatspropaganda deshalb die "Feinde" verantwortlich: Die USA sind schuld am Hunger, an der Isolation des Landes, an den Stromausfällen. Also muss man der feindlichen Welt da draußen, so die Logik, immer weiter die Stirn bieten, ergo Kims dröhnende Worte vom Präventivschlag.

Staatsgrüner Kim Il-sung, Jung-uns überlebensgroßer Großvater, hatte mit der Entwicklung des Nuklearwaffenprogramms begonnen, um sein Land abzusichern. Sein Sohn Kim Jong-il nutzte sie, um Hilfsgelder zu erpressen. Aber der derzeitige Mann an der Spitze braucht das Arsenal vor allem für sein Image daheim. Kim Jong-un will die ganze Welt zwingen, sein Land als Nuklearmacht anzuerkennen, er hat dies sogar eigens in einer neuen Verfassung verankert, denn damit wird er zuhause zum starken Mann.

Kim füttert die Eliten mit Waffen und Prestige

Die mächtigen Waffen unter seinem Kommando machen ihn zum würdigen Nachfolger der gottgleichen Kim-Dynastie: ein neuer großer Führer, der in Nordkoreas Geschichtsbücher eingehen wird.

Er ist noch jung und unerfahren, vor seinem Amtsantritt vor fünf Jahren kannte man den pummeligen jüngsten Sohn der Kim-Familie kaum. Er braucht den Respekt der Eliten und die Loyalität der mächtigen Armeeführer. Solange er die mit Waffen und Prestige füttert, und alle anderen, die an ihm zweifeln, brutal aus dem Weg schafft, hofft, er, seine Macht zu sichern.

Er wird seine Waffen nicht gegen seine Feinde einsetzen. Denn auch Straßenköter, die bellen, beißen nicht. Aber, so sagt Nordkoreaexperte Michael Raska voraus, nach den Schüssen ins Meer wird sicher noch irgendetwas passieren – als Reaktion auf die Sanktionen. "Nordkorea wird bald einen fünften Atombombentest zünden oder einen anderen Paukenschlag aus seiner Waffenschmiede". Alles andere würde vor seinem Volk und seinen Kadern schwach wirken.

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