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15-jährige Islamistin "Sie saß oft alleine auf der Treppe und sagte nichts"

Die Motive einer 15-Jährigen aus Hannover für den Messerangriff auf einen Polizisten sind unklar. Mitschüler fanden sie introvertiert. Das Mädchen hatte Kontakt zu Salafistenprediger Pierre Vogel.

Die Indizien scheinen erdrückend, aber die Ermittler sind sich alles andere als sicher. Im Fall der 15-jährigen Messerstecherin aus dem hannoverschen Stadtteil Vahrenwald ist die niedersächsische Staatsanwaltschaft weiter im Unklaren darüber, ob es sich bei deren Angriff auf einen Bundespolizisten tatsächlich um einen Terrorakt gehandelt hat.

Man suche weiter "verzweifelt nach einem Motiv" für die Attacke, gestand der zuständige Oberstaatsanwalt Thomas Klinge im NDR ein. Seine Behörde "gehe nicht davon aus, dass ein religiöser oder politischer Hintergrund besteht". Man prüfe diese Möglichkeit aber ebenso wie die Thesen, dass die Täterin spontan gehandelt habe oder unter einer psychischen Krankheit leide.

Die 15-Jährige hatte am vergangenen Freitag im Hauptbahnhof von Hannover einem Bundespolizisten während einer Personenkontrolle ein Messer in den Hals gestochen. Der Mann überlebte nach einer Notoperation. Die Täterin versuchte nach dem Angriff zu fliehen, wurde aber von einem Kollegen des Opfers gestellt. Sie befindet sich derzeit in Untersuchungshaft.

Während die Staatsanwaltschaft mit Blick auf das Jugendstrafrecht mit Informationen über den Fall sehr zurückhaltend agiert, heißt es in Polizeikreisen: Es gebe deutliche Hinweise darauf, dass die 15-jährige Schülerin Deutschland Anfang des Jahres verlassen habe, um sich in Syrien der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen. Sie sei dann aber von ihrer verängstigten Mutter aus der Türkei zurück nach Deutschland gebracht worden.

In ihrem Facebook-Profil zeigt das Mädchen neben zahlreichen Selfies auch Bilder einer Paris-Reise. Radikale Bemerkungen finden sich dagegen nicht.

In den beiden Schulen, die das Mädchen in Hannover besucht hat, schildern Mitschüler die 15-Jährige als sehr zurückhaltendes, unauffälliges Mädchen, das höchstens dadurch aufgefallen sei, dass es sich so abgeschottet habe. "Sie war nie im Pausenraum zu sehen, saß oft ganz still, alleine auf der Treppe und sagte nichts", zitiert die "Hannoversche Allgemeine" die Klassenkameraden der Täterin.

Pierre Vogel schiebt Verfassungsschutz Schuld zu

Unstrittig ist, dass sie bereits als Kind Kontakt zu dem salafistischen Prediger Pierre Vogel hatte. Im Internet zeugen zahlreiche Videos von gemeinsamen Auftritten der beiden in einer hannoverschen Moschee.

Screenshot aus einem Überwachungsvideo vom 26. Februar, in dem die Messerstecherin zu sehen ist. (Foto: Polizeidirektion Hannover/presseportal.de)

Darin liest das Mädchen Suren aus dem Koran in arabischer Sprache. Die Aufnahmen datieren aus den Jahren 2008 bis 2011. Vogel – der sehr freundlich auftritt und sie oft lobt – bestärkt sie immer wieder darin, ein Kopftuch zu tragen.

Der Islamist kommentierte die Tat seiner ehemaligen Koran-Schülerin auf Anfrage der "Hannoverschen Allgemeinen" auf ganz eigene Art und Weise: "Wenn man einen Schuldigen für die Radikalisierung vieler junger Muslime suchen möchte", schrieb Vogel in einer E-Mail an die Redaktion des Blattes, "sollte man sich bei den Behörden wie dem Verfassungsschutz bedanken."

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