Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

König gegen Kronprinz Wie Seehofer Söder als Nachfolger verhindern will

Aus Horst Seehofers Umfeld dringen Pläne, den Turnus zur Wahl des Parteichefs zu ändern. Der CSU-Chef will Markus Söder als Nachfolger verhindern – und hat dafür zwei Strategien im Kopf.

Die Medien, so lautet die liebste Klage von CSU-Chef Horst Seehofer, würden ihm ständig die Worte im Munde verdrehen, mit Fleiß alles falsch verstehen. Gleichwohl hat Seehofer daraus noch nicht den Schluss gezogen, seine Medienarbeit zu beschränken. Interviews mit dem Parteichef gibt es wöchentlich, Pressekonferenzen ebenfalls.

Daneben vertraut er auf das Mittel der Einflüsterung. Gerade wenn es um die Zukunft der Partei geht, weniger um die großen Linien der Politik. Solche Informationen sind für Seehofer ein wichtiges Mittel, um in die Partei hineinzuwirken. Die Medien werden dann gezielt gefüttert, von ihm selbst und seinen wenigen Vertrauten.

Ein Seehofer-Liebling: Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. (Foto: picture alliance / dpa)

Gerade ist wieder Fütterungsphase. Vor einer Woche berichtete die "Süddeutsche Zeitung", dass Seehofer erwäge, den ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl zu machen. Gleichzeitig könnte Guttenberg Parteichef werden und zwar schon 2016.

Nun schreibt der "Spiegel", dass Seehofer über das Jahr 2017 hinaus Parteichef bleiben könnte. Eigentlich wollte er das Amt dann ja abgeben. Nun heißt es, er wolle den Turnus zur Wahl des Vorsitzenden ändern und bereits in diesem Jahr neu wählen lassen. Eben sich selbst.

Wie die "Welt" erfuhr, gibt es noch eine weitere Variante. Seehofer würde demnach den Vorsitz 2016 an einen anderen übergeben, um 2018 noch einmal als Spitzenkandidat in die bayerische Landtagswahl zu ziehen. Das hätte für ihn den Charme, dass er 2017 nicht alleine verantwortlich gemacht werden könnte, wenn die Bundestagswahl unerfreulich ausgeht. Ein weitgehend unbeschädigter Ministerpräsident könnte dann in die für die CSU weit wichtigere Landtagswahl ziehen.

Genervt von Söders Beiträgen zur Flüchtlingskrise

Eigentlich wollte Seehofer seine politische Karriere 2018 beenden. Aber das war, bevor die Flüchtlinge in großer Zahl kamen. Von der Entwicklung in der Asylkrise, so heißt es in der Parteiführung, hänge es ab, ob eine der Varianten am Ende ziehe. Denn an der Flüchtlingsfrage entscheide sich auch Weh und Ach der CSU.

Doch das ist sicher nur die halbe Wahrheit. Die Planspiele verfolgen noch ein anderes Ziel: Markus Söder zu verhindern. Seehofer hält den bayerischen Finanzminister für nicht geeignet, die Partei zu führen und Ministerpräsident zu werden.

Gerade in der Flüchtlingskrise ist Seehofer von Söders Einwürfen genervt. Jüngstes Beispiel: ein Treffen mit Angela Merkel (CDU). Angeblich, so wurde berichtet, bekäme Seehofer keinen Termin bei der Kanzlerin, um sich vor dem EU-Türkei-Gipfel auszutauschen.

Am Freitag vor zehn Tagen forderte deshalb Söder, dass sich die Vorstände von CSU und CDU zu einer "Generalaussprache" treffen müssten. Aus den Schwesterparteien seien "entfernte Verwandte geworden".

Zu dem Zeitpunkt allerdings waren Merkel und Seehofer bereits in intensivem SMS-Austausch bezüglich eines genauen Termins. Er war sogar schon gefunden. Mittwoch vergangener Woche. Seehofer war über Söders Vorpreschen mindestens verärgert.

Was also ist das Ziel des Getuschels von Seehofers Leuten? Es soll die Konkurrenten Söders aus der Reserve locken. Nach Meinung des Parteivorsitzenden sind die viel zu leise, zu unauffällig, zu schüchtern, zu wenig konfrontativ.

Das Gemunkel um die Änderung der Nachfolgepläne müssen sie als Aufforderung verstehen, endlich den Kampf gegen Söder aufzunehmen; sich nicht länger zu verweigern. Vor allem für den Fall, dass es dieses Jahr einen neuen Parteichef geben sollte, der nicht Markus Söder ist, müssten jetzt die Voraussetzungen geschaffen werden.

Wer kommt sonst für Seehofers Nachfolge infrage?

Seehofer hat dabei im Prinzip genügend Leute in Stellung gebracht. Die ehemalige Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat er dafür nach Bayern geholt. Allein, die bayerische Wirtschaftsministerin sucht noch ihre Rolle. Sie dachte, mit Sympathie gegen Söder punkten zu können. Doch das reicht nicht aus.

CSU-Vize Manfred Weber ist Vorsitzender der EVP-Fraktion im Europaparlament. (Foto: picture alliance / dpa)

In der alles dominierenden Flüchtlingskrise hat Aigner Söder das Feld weitgehend überlassen. Einen Punkt machte sie Ende des vergangenen Jahres, als sie der "Welt" ein Interview gab, in dem sie ein Burka-Verbot forderte, auch für Touristinnen aus dem arabischen Raum, die in München viel Geld ausgeben. Doch es blieb bei diesem einmaligen öffentlichkeitswirksamen Aufbäumen.

Neben Aigner ist da der Europa-Abgeordnete Manfred Weber. Er wurde von Seehofer bekniet, sich in die Parteispitze wählen zu lassen. Auch als Gegengewicht zu Söder, der selbst nicht Parteivize ist. Weber wurde im Dezember gewählt – mit dem besten Ergebnis aller Stellvertreter.

Zwar formuliert Weber kaum weniger scharf als Söder, doch kommt das anders rüber. Wo der Landesfinanzminister laut wird und im Stakkato formuliert, nimmt Weber seine Stimme lieber zurück. Zudem gilt Weber als Moderator – eine Rolle, die seinem Amt als Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP) gut ansteht.

An Machtkämpfen hat der Mann aus Niederbayern keine Freude. Dass Weber Söder in Abneigung verbunden ist, weiß die Partei. Gleichwohl halten ihn viele für den besten Kandidaten für das Amt des Parteichefs.

Geeignet wäre auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Es ist unzweifelhaft, dass Bayern die Flüchtlingskrise gut managt. Der Innenminister konnte dafür sorgen, dass alles geordnet abläuft. Seehofer und Herrmann haben dabei nie gegeneinander agiert, der eine hat den anderen nie aufgeputscht. Das käme einer geteilten Verantwortung entgegen.

Söders stärkste Eigenschaft: Selbstvertrauen

Andere scheiden eher aus. Verkehrsminister Alexander Dobrindt hat zu wenig Erfolge vorzuweisen. Auch hat Dobrindt seine Bissigkeit, die ihn als Generalsekretär prägte, weitgehend abgelegt.

Alexander Dobrindt ist als Bundesverkehrsminister ziemlich erfolglos – und hat zudem wenig Bindung zur CSU-Basis. (Foto: dpa)

Zudem ist er dem Parteifußvolk, das einen Vorsitzenden wählen muss, seit seinem Antritt in der Berliner Invalidenstraße merkwürdig entrückt. Keine guten Voraussetzungen für eine Wahl.

Bleibt noch das Phantom: Guttenberg. Der hat der "Süddeutschen Zeitung" bestellen lassen, nicht interessiert zu sein. Dabei wurde mit ihm, nach Darstellung aus der Parteiführung, gar nicht über eine Rückkehr an die Spitze gesprochen.

Die gezielt gestreuten Spekulationen um Guttenberg belegen einmal mehr: In der CSU ist derzeit alles möglich. Seehofer schürt Verunsicherung, damit sich keiner seiner Position zu sicher ist. Seehofer selbst signalisiert: Ich kann abtreten, aber ich muss nicht. Sicher soll sich natürlich auch nicht Söder selbst fühlen.

Ob das allerdings klappt, ist zweifelhaft. Selbstvertrauen ist seine stärkste Eigenschaft. Auf seiner Facebook-Seite präsentiert Söder einen Preis, den er am Samstag in Unterfranken bei einem Starkbierfest erhalten hat. "Gestern in der Rhön die Auszeichnung bekommen: Franke mit Rückgrat", erklärt Söder und beschließt den Beitrag mit: "Stimmt."

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

 
Für diese Seite sind keine Kommentare vorgesehen.
 
Ein Zaun "schützt" Ungarn bereits vor Flüchtlingen, nun soll ein Referendum auch legale Wege dicht machen. "Wir sollten kein Risiko eingehen, stimmt mit Nein", heißt es auf Wahlplakaten.
Flüchtlingsreferendum in Ungarn
"Es ist Hetze, eine Hasskampagne"
Helfer bergen Verletzte nach Luftangriff in Aleppo
Bürgerkrieg in Syrien
Fassbomben treffen Krankenhaus in Aleppo
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).
Merkel widerspricht Rechtsextremen
"Alle sind das Volk"
Seit Februar steht dem Bundeskriminalamt eine speziell entwickelte Software zur Verfügung, um die Kommunikation von Tatverdächtigen auf PC und Laptops auszuspähen. Nun soll diese auch für Smartphones und Tablets anwendbar werden. Foto: Silas Stein/Symbol
Online-Durchsuchungen
Medien: Bundestrojaner auch für Smartphones und Tablets
Der schleswig-holsteinische Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis90/Die Grünen).
Hoffnungsträger der Grünen
"Wenn die Kanzlerin nicht handelt, müssen wir es machen"
Der Marienplatz in der Schweriner Innenstadt.
Kriminalpolizei ermittelt
30 Deutsche greifen zehn Migranten in Schwerin an
Fälschlicherweise für eine Waffe gehalten. In Südkalifornien haben Polizisten einen unbewaffneten psychisch Kranken erschossen, weil sie dessen E-Zigarette für eine Schusswaffe hielten. Foto: San Diego County District Attorn
Nach Tod eines Schwarzen
US-Polizei zeigt Video von Todesschüssen in El Cajon
Die CDU-Abgeordnete Bettina Kudla wurde für die Verwendung eines Nazi-Propagandabegriffs auch in der Union massiv kritisiert.
CDU-Politikerin vor dem Aus
Bettina Kudla hat "keinen Schuss mehr frei"
Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig. Foto: Jens Büttner
Altherrenwitze inakzeptabel
Schwesig ruft Männer zum Kampf gegen Sexismus auf
Für Georgien ist die Papst-Visite ein wichtiges Signal im Streit um die abtrünnigen Gebiete Abchasien und Südossetien. Foto: Zurab Kurtsikidze
Georgien-Reise
Papst Franziskus predigt in Tiflis vor fast leerem Stadion
Peter Tauber.
Besuch bei der Basis
Tauber bricht sein Schweigen - ein ganz kleines bisschen
Die SPD-Generalsekretärin, Katarina Barley spricht sich für Außenminister Frank-Walter Steinmeier aus.
SPD-Kandidat?
Barley schlägt Steinmeier als Bundespräsidenten vor
SPD-Bundesministerin Schwesig: "Sexismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem".
Sexismus-Debatte
Schwesig ruft Männer zu Kampf gegen Altherrenwitze auf
Marode Gebäude, undichte Dächer, schlechte Ausstattung für die Schüler. Der Investitionsbedarf an Schulen ist groß. Foto: Oliver Berg/Archiv
Neun-Milliarden-Programm
SPD fordert Modernisierung maroder Schulen
CSU-Politiker Markus Söder findet, es sei unfair, jemanden, der noch nie in die Sozialkassen eingezahlt habe, alle Leistungen zukommen zu lassen.
Söder will Leistungskürzungen
"Die Flüchtlingskosten können doch nicht so bleiben"
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller. Durch das Ministeriumsprogramm «Cash For Work» sind im Nahen Osten knapp 34 000 neue Stellen entstanden. Foto: Monika Skolimowska
Knapp 34 000 neue Stellen
Bundesregierung schafft Jobs in Krisenregion um Syrien
Präsident Erdogan hat die Schließung von 23 Radio- und Fernsehsendern angeordnet, darunter der Sender IMC. Dessen Chefredakteur Eyüp Burc bezeichnet das Vorgehen Erdogans als Putsch.
Recep Tayyip Erdogan
"Ein autoritäres System wird gerade errichtet"
Außenminister Frank-Walter Steinmeier bei der Gerneraldebatte der UN in New York. Seine Parteichefin hat ihn nun für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen. Foto: Justin Lane
Generalsekretärin der SPD
Barley: Steinmeier wäre hervorragender Bundespräsident
In einem Interview betonte Angela Merkel, ihrer politischen Linie treu zu bleiben.
Merkel zur Flüchtlingskrise
"Habe meine Politik nicht geändert, sondern Politik gemacht"
Die rund zwei Tonnen schweren Blöcke dienen als Barriere zur Sicherheit am Tag der Deutschen Einheit 2016 und sollen nach dem Anschlag in Nizza Ähnliches in Dresden verhindern. Foto: Sebastian Kahnert
Zentraler Festakt in Dresden
Merkel zur deutschen Einheit: "Alle sind das Volk"