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Legida-Demo in Leipzig "Deutschland schläft nicht mehr!"

Pegida zu Besuch bei ihrer aggressiven kleinen Schwester in Leipzig: Was sich unter den Islamgegnern abspielt, ist zum Teil lupenreiner Nationalsozialismus. Bis hin zu "Heil Hitler!"-Rufen.

Es war wieder eine dieser Wochen, nach denen sich rechte Aggressoren die Finger lecken. Die 15-Jährige, die einem Bundespolizisten ein Messer in den Hals stach, hatte fleißig mit Hauptsalafist Pierre Vogel den Koran auswendig gelernt, wie die sonst gerne als "Lügenpresse" titulierten Medien recherchierten. Mal wieder wurde ein Innenpolitiker, also einer, der für Recht und Ordnung zuständig ist, mit Drogen (offenbar der Teufelsdroge Chrystal Meth) erwischt und bekam aus dem Kanzleramt Applaus getwittert, weil er umgehend seine Fraktionsämter (nicht etwa sein Bundestagsmandat) abgab.

Schließlich wählten die Hessen alles Rechte, was sie auf den Kommunalwahlzetteln finden konnten. Wo die AfD nicht antrat, flogen den Vintage-Nationalisten der Republikaner die Stimmen zu, oder der in den letzten Zuckungen liegenden NPD.

"Die Hessen fangen an zu denken, Heil Hitler!", goutiert dies am Montagabend ein Ordner direkt am Eingang zum Richard-Wagner-Platz, wo die gemeinsame Kundgebung von Pegida und ihrer kleinen Schwester Legida stattfand. "Ohoho", "Moahoahoa", ahnden die Umstehenden nur halb verlegen den deutschen Tabubruch schlechthin. Niemand kritisiert den unauffälligen Mittfünfziger mit weißem Ordnerarmband.

Die Lehre aus der Hessen-Wahl

Auch Pegida-Frontmann Lutz Bachmann bejubelt in seiner Rede das Wahlergebnis: "Deutschland schläft nicht mehr, die Wahlen in Hessen haben das gezeigt." Man sehe nun deutlich, dass neben der Pegida "eine zweite konservative Kraft" entstanden sei. Man könne hoffen, dass die beiden Kräfte sich zu gegebener Zeit vereinen, sagt Bachman. Eine erneutes Angebot an die AfD. Bereits als Bachmann am vergangenen Montag nach wochenlanger Abwesenheit wieder aufgetaucht war, tat er, als stünde Pegida kurz vor dem Sprung zur Volkspartei, die dann mit der AfD gemeinsame Sache machen könnte. Die ist bisher wenig begeistert davon.

Danach fordert Bachmann, den von der "Raute des Grauens" eingeladenen "Invasorenzustrom" einzudämmen. Schließlich liest er die von Ausländern in Dresden am Wochenende verübten Straftaten vor und schließt mit "Meine Fresse, Angie, verpiss dich."

Mehr zum Thema: Kommentar - Der Fluch der Alternativlosigkeit

Dazu wehen über den Köpfen die Deutschlandfahnen neben jenen der fremdenfeindlichen "Identitären Bewegung". Alte Ehepaare halten selbstbedruckte Schilder in die Höhe: "Deutschland, sie weben dein Leichentuch", umrandet von den Passfotos des Bundeskabinetts, "Größenwahn kennt keine Obergrenze", "Chrystel (sic!), Merkel, Maas, Roth, wer noch?"

Das Publikum ist deutlich aggressiver als bei der Dresdner Pegida. Darunter auch Nazis in Bomberjacken. "Damals hammse drei Großmächte gegen uns gebraucht, dann können die uns hier schonmal gar nicht aufhalten.", sagt einer von ihnen mit aus dem Jackenkragen ragendem Tribal-Tattoo, als die Polizei den Demonstranten vor Beginn der Veranstaltung den Weg aus dem Bahnhof versperrt. Dort hatte man sich zwecks sicherer Anreise getroffen, um nicht den berüchtigten Leipziger Linksradikalen in die Hände zu fallen. Unter den verhinderten Demonstranten steht auch Lutz Bachmann, mit dem die meist jungen, bulligen Männer in der halben Stunde Wartezeit abwechselnd Arm-in-Arm-Selfies machen.

Friedrich Fröbel im langen braunen Mantel

Als die Polizei den Weg frei macht, setzt sich der Zug an demonstrierenden Grüppchen vorbei Richtung Richard-Wagner-Platz in Bewegung. Linke Teenager mit weißen Gesichtern, lustigen Sonnenbrillen und hageren Körperchen schreien wüste Drohungen in Richtung des fremdenfeindlichen Zuges, wohlwissend, dass Hunderte Polizisten in voller Montur sie vor der Reaktion der Legida/Pegida schützen. Es kommt zwar nicht zum Kampf zwischen ihnen, doch dass mit den Rechten nicht zu spaßen ist, zeigt gleich ein aggressiver Glatzkopf direkt nach dem Einlass zum Platz. Er rennt mehrmals auf die zwischen ihm und einem weiteren Gegendemonstrantengrüppchen postierten Polizisten zu, bis sie ihn in den Schwitzkasten nehmen und in den Einsatzbus stoßen.

Auf der Bühne in der typischen Bratwurstverkaufswagenoptik, wie man sie von der Pegida in Dresden kennt, spricht zuerst Friedrich Fröbel, der schon zehnmal bei Legida auftrat. Er redet davon, dass die "Lügenpresse" bestimmt wieder nur von seinem langen braunen Mantel schreiben werde. So sei es. Friedrich Fröbel trug einen langen braunen Mantel.

Nach ihm und dem mehrfach wegen Einbruchs- und Rauschgiftdelikten verurteilten Pegida-Gründer Bachmann, der von dem "verchrystalten Oberhassprediger Beck" und der Invasion der Moslems sprach, spricht Siegfried Däbritz, der zum zehnköpfigen Organisationsteam von Pegida gehört.

Heute beschimpft er Muslime nicht als "mohammedanische Kamelwämser" sondern als "Krankheit, die sich ausbreitet" und wütet gegen die Scharia-Partei Deutschland, SPD, und die bewusstseinserweiternden Grünen, die Westdeutschland schon ungleich stärker als den Osten mit "muslimischen Invasoren bereichert" hätten als den Osten. Die Gegendemonstranten seien übrigens "Steigbügelhalter des Vergewaltigungsdschihad" und "Genderfaschisten, die dafür kämpfen, dass künftig Homosexuelle von Kulturfremden mit Gürteln durch den Park gepeitscht werden".

Zum Abschluss sang noch eine im Erzgebirge siedelnde Tschechin ein Lied zur Flüchtlingskrise: "Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld, wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt?" Da legte sich der Hass in den etwa zweitausend Gesichtern und viele mussten – nicht zynisch sondern wirklich belustigt – lachen. Doch das war nur ein Augenblick. Bald ist wieder Montag.

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