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US-Vorwahlen Ein gemeinsamer Feind, zwei Kandidaten

Empathie hilft Arbeitern wenig bei ihren Problemen: Hillary Clinton verliert im industriellen Herz der USA gegen Bernie Sanders. Der überzeugt die Wähler mit derselben Strategie wie Donald Trump.

Es war wieder einmal ein guter Wahltag für Donald Trump, der am Dienstag Mississippi und Michigan gewann (Hawaii war wegen der Zeitverschiebung noch nicht ausgezählt und Idaho ging an Ted Cruz). Und bei den Demokraten haben sich Hillary Clinton und Bernie Sanders die Beute aufgeteilt. Hillary gewann Mississippi im Süden klar für sich, so wie zuvor andere Staaten im konservativen Süden mit seinem hohen Anteil an schwarzen Wählern bei den Demokraten.

Sanders hingegen hat überraschend Michigan geholt, den Industriestaat im Norden. Und das ist tatsächlich eine Überraschung. Denn damit haben die Außenseiter Trump und Sanders beide im alten industriellen Herzen Amerikas gewonnen. Und das mit der quasi selben Botschaft: Freihandel ist schlecht für Amerika und zerstört Arbeitsplätze.

Der Freihandel war damit der große Verlierer der Vorwahlen am Dienstag. Und das wird die Art verändern, wie über den derzeitigen Aufstand gegen das Establishment geredet wird. Trump appelliert an die niedersten Instinkte, hieß es. Er macht weiße Identitätspolitik und macht sich die Wut zunutze und die Angst in der weißen Unterschicht, bald nur noch Minderheit im eigenen Land zu sein. Auch Sanders' Erfolg wurde vor allem als Rebellion gesehen gegen den Einfluss des großen Geldes in der Politik und als Spätfolge der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Angst vor der Turbo-Globalisierung

Nun wird jedoch immer klarer, dass es ein substanzielles Problem gibt, das die Protestwähler vor allem aus der Arbeiterschaft umtreibt. Sie sehen sich als Verlierer der von beiden Parteien in den vergangenen Jahrzehnten vorangetriebenen Liberalisierung des internationalen Handels. Und sie glauben den Eliten kein Wort mehr, die jahrzehntelang versprochen hatten, dass der forcierte Freihandel nur Gewinner schafft. Tatsächlich wissen die Leute in Detroit und anderswo es besser, die Opfer geworden sind von Fabrikschließungen und von Verlagerungen der Produktion ins Ausland.

In der letzten TV-Debatte der Demokraten im vom Bleiwasser verseuchten Flint hatte Hillary Clinton ganz auf Empathie mit den mehrheitlich schwarzen Bewohnern der gebeutelten Industriestadt gesetzt. Sanders hingegen hat über das gesprochen, was er als die tieferen Ursachen der Depression ansieht, die viele ehemals stolze Industriestädte erfasst hat, nämlich der Druck, dem die einheimische Industrie und Arbeiterschaft durch die Turbo-Globalisierung seit dem Fall des Eisernen Vorhangs ausgesetzt ist.

Und das hat offenbar Wirkung gezeigt. Ähnliches gilt für Trump, der auf seinen Wahlveranstaltungen viel Zeit darauf verwendet über die angeblich unvorteilhaften Handelsabkommen zu reden, die Amerika mit Mexiko, Japan oder China geschlossen hat. Da konnte auch der pragmatische John Kasich, dem in Michigan Chancen eingeräumt wurden, nicht gegen Trump bestehen.

Plan B der Republikaner ist in Gefahr

Es war aber auch ein guter Wahltag für Ted Cruz. Unter anderem, weil seine Konkurrenten als Herausforderer von Trump, John Kasich und Marco Rubio, beide sehr enttäuschend abgeschnitten haben. Cruz gewann Idaho und schnitt auch in anderen Staaten so gut ab, dass er nun als der stärkste Gegenspieler von Trump dasteht. Rubio, der einstige Hoffnungsträger des Establishment, ist hingegen geradezu zusammengebrochen. Er muss am kommenden Wahltag am 15. März seinen Heimatstaat Florida gewinnen, um nicht gänzlich in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.

An jenem kommenden kleinen Super Tuesday werden die Delegiertenstimmen in Florida wie in Ohio bei den Republikanern en bloc vergeben. Wer gewinnt, bekommt alle Delegierten gutgeschrieben. Das ist einerseits eine Chance für Rubio und Kasich, im Rennen zu bleiben. Es stellt aber auch ein Risiko für die republikanische Partei dar. Angesichts der Schwäche von Rubio und Kasich ist es durchaus möglich, dass Trump beide Staaten gewinnen wird. Und dann wird es immer wahrscheinlicher, dass er vor dem Nominierungsparteitag eine Mehrheit an Delegiertenstimmen auf sich vereinen könnte und als Kandidat nicht mehr zu verhindern ist.

Inzwischen ist also auch Plan B der Partei in Gefahr – ein Parteitag, auf dem im ersten Wahlgang kein Kandidat eine Mehrheit erhält und die Delegierten dann ab dem zweiten Wahlgang frei sind, sich für einen anderen Kandidaten als Trump zu entscheiden. Und das liegt unter anderem daran, dass Trump wie kein anderer die Unterschicht und die Arbeiterklasse anspricht, die sich von den Eliten verraten fühlen.

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