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Afghanistan Taliban beginnen Frühjahrsoffensive in Helmand

Einen Bezirk nach dem nächsten nehmen die Taliban sich in Helmand vor. Nach Sangin ist nun Gereschk dran. Nach dem Sturm auf den Gouverneurspalast und eine Polizeiwache gibt es heftige Gefechte. 

Am frühen Mittwochmorgen hätten sie aus drei Richtungen das Zentrum des Gereschk-Bezirks angegriffen, sagte der Sprecher des Gouverneurs der Provinz, Amar Zwak. Nach Angaben des Provinzratsmitglieds Rasia Balutsch sind mindestens 18 Polizisten getötet worden. Die Gefechte in der umkämpften südafghanischen Provinz Helmand hätten mehr als acht Stunden gedauert. Der Sprecher des Gouverneurspalasts, Amar Zwak, wollte die Opferzahl nicht bestätigen. Es seien "drei, vier" Polizisten verletzt worden, sagte Zwak.

Der Polizeikommandeur Esmatullah Daulatsai sagte: "Zwei Orte sind nun wieder frei von Taliban, aber an einem widersetzen sich die Angreifer noch." Er sprach von einem verletzten Polizisten.  Bisher hatten sich Kämpfe vor allem auf den Bezirk Sangin konzentriert. Auch US-Spezialkräfte waren dort eingesetzt worden. 

Schwere Gefechte im Gange

Ein Talibankommandeur in Helmand sagte der Deutschen Presse-Agentur, es seien zehn Gruppen von 40 bis 50 Kämpfern unterwegs. Es sei nicht geplant, Verstärkung zu schicken. "Diese Kämpfer werden entweder den Distrikt erobern oder kämpfen, bis sie sterben."

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Talibanssprecher Kari Jusuf Ahamdi twitterte, die Kämpfer hätten das Büro des Bezirksgouverneurs, die Polizeistation und "mehrere andere Posten" angegriffen. Ein Mitglied des Provinzrats, der derzeit in Gereschk ist, Rasia Balutsch, sagte, "mindestens drei Selbstmordattentäter" hätten sich in die Luft gesprengt. Armee-Helikopter brächten Truppen. Es seien schwere Gefechte im Gang.

Im Dezember 2015 hatte der damalige stellvertretende Gouverneur der Provinz öffentlich und dramatisch um Hilfe für die fallende Provinz gerufen. Daraufhin hatte der Nationale Sicherheitsrat Beamten verboten, schlecht über die Sicherheitslage zu sprechen. 

Die Taliban wollen in Helmand einen Staat im Staat für sich erkämpfen, sagen Experten. Sie bekämen dann die Kontrolle über die ertragreichsten Mohnfelder des Landes und damit Zugang zu Milliardeneinnahmen. Obwohl die Gefechte seit Monaten andauern, konnten die Taliban bisher nicht zurückgeschlagen werden. Mindestens zehn der 14 Bezirke der Provinz sind entweder umkämpft oder in den Händen der Taliban. Obwohl die Gefechte seit Monaten andauern, konnten sie bisher nicht zurückgeschlagen werden. Vor zwei Wochen hatten sich die schwer strapazierten afghanischen Streitkräfte aus den letzten Stellungen in den seit längerem von Taliban kontrollierten Bezirken Musa Kala und Nausad zurückziehen müssen. Der Plan ist, vor der Frühjahrsoffensive der Taliban Kräfte besser zu bündeln. Laut Nato-Sprecher Wilson Shoffner fehlen im Kampf gegen die Extremisten etwa 25 000 Mann.  

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Eigentlich war der afghanische Präsident Aschraf Ghani mit dem Versprechen angetreten, die wildgewordenen Milizen des Landes abzuschaffen. Doch seine Armee ist zu schwach - also wirft er seine Bedenken über Bord und macht kehrt. 

Afghanistan bewaffnet Zivilisten für Kampf gegen Extremisten

Die afghanische Regierung bewaffnet in der Provinz Nangarhar Zivilisten für die Bekämpfung der radikalsunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Das sagte der Kommandeur eines in Nangarhar stationierten Armeekorps, General Nasim Sangi, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Zivilisten würden in Dörfern rekrutiert, die während einer großen Offensive jüngst aus der Hand des IS befreit worden seien. Die neuen, "Aufstandskräfte" genannten Bürgerwehren sollten aber nicht nur gegen den IS, sondern auch gegen die Taliban Schutz bieten. Bisher habe der Nationale Sicherheitsrat etwa 650 Mann für 18 neue Sicherheitsposten in vier Dörfern bewaffnet: in Deh Sarak, Schadal und Chas Atschin im Bezirk Atschin sowie in Abdul Chel im Bezirk Nasian. Es könnten aber mehr werden, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums, Mohammad Radmanisch. Sie hätten Kalaschnikow-Sturmgewehre, Panzerfäuste und russische Maschinengewehre des Typs Dechtjarow Schpagin erhalten und seien kurz an den Waffen eingewiesen worden.

Alle Männer seien Bewohner des jeweiligen Dorfes, das sie beschützen sollten. Derzeit würden sie von der örtlichen Polizei kontrolliert. Bisher habe es keine Probleme gegeben. Später sollten sie in die Polizeitruppe ALP integriert werden. Die ALP (Afghan Local Police) werden in Dörfern als letzte Verteidigungslinie gegen die Taliban eingesetzt. Sie sind oftmals Milizen, die unter dem Kommando lokaler Kriegsherren stehen.

Afghanische Armee blutet aus - immer mehr Desertationen

Weil ihre Ausbildung oberflächlich ist und sie nur schwach kontrolliert werden, gab es in der Vergangenheit massive Probleme. Die UN warf ihnen schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Der afghanische Präsident Aschraf Gani war mit dem Versprechen angetreten, die Milizen zu disziplinieren und nach Möglichkeit abzuschaffen. Nach dem scharfen Anstieg der Taliban-Gewalt 2015 machte er eine Kehrtwende. Im vergangenen Jahr war bereits die Rede davon gewesen, dass die 30 000 Mann starke ALP um mindestens 15 000 Mann aufgestockt werden müsse.

Die Maßnahme soll den konstanten Schwund der Kampfkraft durch Desertationen, Tod und Verletzung helfen. Die Quote liege mittlerweile bei monatlich acht bis zehn Prozent, heißt es aus Sicherheitskreisen.  

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