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Terrorgeneral stirbt bei Luftschlag Was Omar al-Schischanis Tod über den IS verrät

Die USA haben offenbar einen der engsten Vertrauten von IS-Chef al-Baghdadi getötet. Die Todesumstände sind verräterisch und verdeutlichen die inzwischen desolate Lage der Terrormiliz.

Mit seinem langen roten Ziegenbart, der bis auf die Brust reichte, war er eine imposante Gestalt und einer der bekanntesten Führer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Damit scheint es nun vorbei zu sein. Omar al-Schischani, der Mann aus Tschetschenien, wie er sich nannte, obwohl er ursprünglich aus Georgien stammt, wurde von amerikanischen Kampfflugzeugen ins Visier genommen. Mit zwölf anderen IS-Kämpfern soll der 30-jährige Berufsterrorist am 4. März 2016 in der Nähe von Schaddadi, einer Stadt im Nordosten Syriens, getötet worden sein.

Das gab das Pentagon erst jetzt bekannt, fast eine Woche nach dem Bombenangriff. Das US-Verteidigungsministerium wollte sichergehen. Denn Schischani war schon oft gestorben. Über ein Dutzend Mal wurde sein Tod 2014 und 2015 in verschiedenen Regionen Syriens gemeldet. Diesmal scheint es tatsächlich das letzte Mal gewesen zu sein.

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Lokale syrische Quellen berichteten am Mittwoch, der Terrorführer sei nach dem Luftangriff in ein Krankenhaus von Deir al-Sur eingeliefert worden. Es ist ein neuer, schwerer Schlag für den IS, der seit Monaten immer tiefer in die Krise rutscht.

IS-Chef Baghdadi vertraute ihm blind

Tarkhan Tayumurazovich Batirashvili, wie Schischani mit bürgerlichem Namen hieß, war ein Schwergewicht der Terrorgruppe. Man könnte seine Rolle etwa mit der eines Verteidigungsministers vergleichen. Zudem saß er im Schura-Rat der Terrormiliz, dem obersten Gremium der Extremisten. In Militärfragen soll sich IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi ganz auf den Mann aus Tschetschenien verlassen haben.

Er war der verlängerte Arm des selbst ernannten Kalifen auf dem Schlachtfeld. Normalerweise hat ein Kommandeur von dem Kaliber Schischanis im Gebiet von Schaddadi, unweit der irakischen Grenze, nichts zu suchen. Sein Amtssitz war Rakka, von dem aus er die militärischen Operationen der Terrororganisation leitete. Aber der Oberkommandeur sah sich offenbar gezwungen, die IS-Hochburg zu verlassen. 

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Laut Angaben des US-Verteidigungsministeriums wollte Schischani mit einem persönlichen Frontbesuch die Moral seiner Kämpfer heben. Denn die haben im Norden des Landes eine Niederlage nach der anderen einstecken müssen.

Die Syrischen Demokratischen Einheiten (SDF) konnten dem IS im Laufe des letzten Jahres insgesamt 20.000 Quadratkilometer abnehmen. Und der Vormarsch der kurdisch-sunnitisch-christlichen Militärallianz, die von den USA mit Luftangriffen und Waffen unterstützt wird, geht weiter. Die SDF haben fast alle wichtigen Nachschubrouten des IS zwischen seinen Hauptorten Rakka und Mossul gekappt.

Deserteure und Schießereien

Mit seinem Besuch an der Front wollte Schischani seine Soldaten womöglich animieren, noch Schlimmeres zu verhindern. Für das US-Militär war die lange Reise des IS-Kommandanten eine perfekte Gelegenheit. Auf der über 300 Kilometer langen Strecke von Rakka über Deir al-Sur bis nach Schaddadi musste der Terrorführer irgendwann von der permanenten Überwachung der US-Streitkräfte erfasst werden. Zu deren Spähsystem gehört mittlerweile auch ein Netz von Informanten am Boden.

Die "Ausschaltung" Schischanis, wie es das Pentagon formuliert, habe "negative Folgen für die Rekrutierung ausländischer Kämpfer, besonders aus dem Kaukasus und Tschetschenien". Zudem sei die militärische Handlungsfähigkeit des IS schwer getroffen. Lange werden die Defizite nicht wirken. Der IS weiß sich umzustellen. Trotzdem wiegt der Verlust Schischanis schwer für die Terrormiliz. Als charismatischer Führer war Schischani eine Integrationsfigur, die für Stabilität in der Truppe sorgte.

Führungsfiguren wie er sind in Krisenzeiten unverzichtbar. Und der IS erlebt seine schwerste Krise seit seinem überraschenden Aufstieg ab Sommer 2014. Die Organisation befindet sich in Syrien und im Irak auf dem Rückzug. Ihre Hochburgen Mossul und Rakka werden zunehmend isoliert. Der IS hat nicht mehr die Truppenstärke, um sich feindlichen Offensiven entgegenzustellen. Die Bombenangriffe der von den USA angeführten Koalition hinterließen zu große Lücken unter den Dschihadisten. Wie nie zuvor werden deshalb Kinder und Jugendliche an die Front geschickt und als Selbstmordattentäter eingesetzt. Immer wieder gibt es Berichte über bewaffnete Streitigkeiten unter IS-Kämpfern. Viele Kämpfer wollen desertieren. Einige von ihnen wurden in den letzten Wochen öffentlich hingerichtet. Andere schaffen es zu flüchten, aber nur mithilfe rivalisierender Rebellengruppen.

Der rotbärtige Schischani, schon zu Lebzeiten eine Legende beim IS, war ein Mann, der die Auflösungserscheinungen sicherlich nicht hätte stoppen, aber zumindest verzögern können. Seit seinem Tod wird der Tschetschene aus Georgien von IS-Anhängern noch mehr zum Helden stilisiert. Ob das hilft? Die Terrormiliz hat schon Tausende angeblicher Märtyrer, und es werden täglich mehr.

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