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Guido Westerwelle Vom Spaßpolitiker zum Vizekanzler

Guido Westerwelle ist neuer deutscher Außenminister und Vizekanzler. Der FDP-Chef machte im Laufe seiner Karriere diverse Metamorphosen mit, unter anderem die zum Spaßpolitiker.

So schnell sich das Personalkarussell während der Koalitionsverhandlungen auch drehte - an seiner Berufung zum Außenminister herrschte letztlich kaum ein Zweifel. Guido Westerwelle ist jetzt offiziell Außenminister und Vizekanzler im schwarz-gelben Kabinett. Nach drei vergeblichen Anläufen, die Liberalen wieder an die Macht zu bringen, ist der FDP-Parteichef mit 47 Jahren jetzt ans vorläufige Ende seiner Karriereträume gekommen.

Obwohl Westerwelle seine Ambitionen nie öffentlich kundtat - einmal während der knapp dreiwöchigen Koalitionsverhandlungen gönnte er sich einen kleinen Vorgeschmack auf die künftige Aufgabe. Beim Besuch des stellvertretenden chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping in Berlin traf er sich mit diesem zum Tee. Ansonsten beschränkte sich Westerwelle strikt darauf, die Koalitionsverhandlungen zu führen.

Brillanter Redner nur auf Deutsch

Auch die Rufe aus der Wirtschaft, er möge doch lieber Finanzminister werden und so sein lange gehegtes Steckenpferd eines einfachen und fairen Steuersystems mit niedrigen Sätzen durchboxen, ignorierte er. Schließlich geht das Außenamt traditionell an den kleineren Koalitionspartner und bringt eine Menge Prestige sowie hohe Beliebtheitswerte bei den Bürgern. Bei der Vorstellung des Koalitionsvertrags sagte er dazu nur lapidar, jeder erfülle an seiner Stelle in der Regierung die Aufgaben für das Land.

Dabei gab es durchaus leise Zweifel an seiner Eignung für den diplomatischen Dienst, da der anerkanntermaßen brillante Rhetor gerne krawallig formuliert und seine Meinung selten verschleiern kann. Bei seinem ersten Auftritt nach der Wahl fachte er selbst noch Zweifel an seinen Sprachkenntnissen an. Die Bitte eines britischen Journalisten, eine Frage auf Englisch zu beantworten, lehnte er wenig souverän mit den Worten ab: "Das ist Deutschland hier."

Metamorphosen im Laufe der Zeit

Der Berufspolitiker Westerwelle hat im Laufe seiner sieben Jahre als Generalsekretär sowie seiner acht Jahre als Parteichef schon beachtliche Metamorphosen durchgemacht. Die Zeiten, in denen er als Spaßpolitiker im Guidomobil durch die Lande zog, sich eine gelbe 18 auf die Schuhsohle brennen ließ und den Big-Brother-Container besuchte, sind definitiv vorbei. Westerwelle ist im Amt gereift und seriöser geworden. Seit 2006 war er gleichzeitig auch Fraktionschef. Das Amt gibt er nun an Birgit Homburger ab.

Was der FDP-Chef als Außenminister bewegen will, ist bislang noch unklar. Auf seiner Wahlkampfreise durchs Land und bei der Vorstellung des Regierungsprogramms nannte er jeweils als einzigen außenpolitischen Programmpunkt seiner Partei den Abzug der Atomwaffen aus Deutschland. Doch auf seine Agenda mag es nicht so sehr ankommen, denn letztlich werden die großen Linien der deutschen Außenpolitik im Kanzleramt entworfen. Wie zur Untermalung reist Kanzlerin Angela Merkel nur eine Woche nach Amtsantritt nach Washington und wird dort als erstes deutsches Regierungsoberhaupt überhaupt vor dem Kongress reden.

Abgekühlte Freundschaft

Überhaupt - Angela Merkel: Noch bei der Bundestagswahl vor vier Jahren galten die beiden als Freunde, deren gemeinsames Ziel die Ablösung von Rot-Grün war. Zur Vorbereitung auf ihre schwarz-gelbe Wunschkoalition gelang ihnen 2004 der Coup, den damaligen IWF-Präsidenten Horst Köhler als gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten zu präsentieren. Für Union und FDP reichte es dann 2005 doch nicht.

Während der Großen Koalition kühlte beider Verhältnis merklich ab. Als Oppositionsführer griff Westerwelle Merkel oft scharf an. Zu deutlich hatte sie sich seiner Meinung nach von liberalen Positionen verabschiedet und sich in der Koalition mit den Sozialdemokraten bequem eingerichtet. "Vier verlorene Jahre" habe sie zu verantworten, warf er ihr vor. Kurz vor der Bundestagswahl im September beschwichtigte er aber: "Wir können miteinander. Wir können auch gut miteinander." Ihre Differenzen reduzierte er darauf, dass Merkel Artischocken aus der Dose koche, während er frische bevorzuge.

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