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Goldene Morgenröte - Chrysi Avgi "Alle Illegalen ins Gefängnis, dann kommen keine mehr"

Zehntausende Flüchtlinge stranden in Griechenland. Die Lage ist chaotisch. Das müsste der rechtsextremen Goldenen Morgenröte reichlich Zulauf bringen - oder nicht?

Das Hauptquartier der Goldenen Morgenröte kommt weder golden noch rot daher. Es ist ein einfaches Gebäude an einer lauten Straße, aber kaum zu übersehen, weil zwei große Fahnen von den Balkonen der oberen Etagen herunterhängen. Das Viertel ist schmucklos, zwei Häuser weiter ist ein Sexshop. Hier wird also Griechenland verteidigt.

Die Zeiten für die rechtsextreme Partei, deren Aufstieg mit der Euro-Krise begonnen hat und die derzeit mit 18 Abgeordneten im Parlament sitzt, müssten eigentlich ziemlich golden sein. Das zeigen zumindest die Erfahrungen aus anderen Teilen Europas. Mit der Flüchtlingskrise und dem Zustrom von Hunderttausenden Menschen aus Afrika sowie dem Nahen und Mittleren Osten geht in Teilen der europäischen Bevölkerung eine Angst vor Überfremdung und Islamisierung einher, die rechten Parteien Zulauf beschert.

Doch obwohl in Griechenland immer mehr Flüchtlinge stranden, weil die Balkanroute und damit der Weg nach Nordeuropa geschlossen ist, gibt es keine Demonstrationen im Pegida-Stil – und auch die Goldene Morgenröte ist selten Gesprächsthema. Bislang zumindest. Warum ist das so? Zeit, der Partei einen Besuch abzustatten.

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Nachtklubatmosphäre in der Parteizentrale

Wie es der Zufall will, liegt das Hauptquartier der Goldenen Morgenröte praktisch in der Nachbarschaft der Athener Zentrale der griechischen Asylbehörde. Auf halbem Weg liegt die nächste Metrostation. Wenn Neonazis zur Arbeit und Flüchtlinge zum Amt gehen, laufen sie sich zwangsläufig immer wieder über den Weg.

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Die stählerne Eingangstür ist verschlossen. Klingeln. Warten. Dann tritt ein Mann aus einem Seiteneingang auf die Straße: "Der Shop ist noch geschlossen", sagt er.

"Ich will nichts kaufen, sondern mit einem Politiker sprechen."

"Sie wollen zur Partei? Kommen Sie!"

Durch den Seiteneingang tritt man in ein enges Treppenhaus. An einer Art Empfangstresen sitzen dicht gedrängt neben dem Herrn von der Straße noch zwei weitere Männer. Die beiden tragen Glatzen und Bomberjacken. Die Situation ähnelt der am Eingang eines Nachtklubs. Da die Türsteher, einmal bezahlen, Stempel aufgedrückt und ab in den Keller.

"Woher kommen Sie?", fragt einer der Männer.

"Aus Deutschland."

"Deutschland!", ruft der Mann aus und lächelt auf einmal freundlich. "Sind Sie von der NPD?"

Weil scheinbar nur Mitgliedern befreundeter Parteien der Zutritt zur Zentrale erlaubt ist, geht es jetzt doch in den Shop. Eine junge Frau schließt auf und setzt sich an die Kasse. In den Regalen liegen unzählige Bücher. Viel Geschichte, viel Krieg, Biografien von Hitler und Stalin. Dazu T-Shirts, Schmuck und sogar Rotwein, sechs Euro die Flasche. An den Wänden hängen eine Menge Flaggen. Parteifahnen mit dem Mäandersymbol oder eine mit blau-weißem Kreuz und dem Umriss eines Landes in der Mitte: Zypern.

Parteiregel: Interviews nur auf Griechisch

Ein Mann kommt herein, graues Haar, gut gekleidet. "Guten Tag", sagt er auf Deutsch. Nachdem das Anliegen geklärt ist und ein paar Telefonate geführt sind, verspricht der Mann, der einst in West-Berlin studiert hat und deshalb perfekt Deutsch spricht, dass die Partei sich in ein paar Stunden melden werde. Er selbst könne keine Auskunft geben.

Und tatsächlich kommt am späten Nachmittag ein Anruf von Ilias Kasidiaris, dem Sprecher der Partei. Er lädt in sein Büro im Parlamentsgebäude ein. Kasidiaris ist Holocaustleugner und wurde vor allem deshalb bekannt, weil er einmal während einer TV-Sendung auf eine Parlamentarierkollegin einprügelte. Auf seinem linken Oberarm trägt er ein Hakenkreuztattoo. Das Interview dauert sechs Minuten.

Obwohl er gutes Englisch spricht, will Kasidiaris nur auf Griechisch antworten. So seien die Regeln der Partei. Schließlich stimmt er zu, nach jeder seiner kraftvoll intonierten Antworten in der Muttersprache noch eine kurze Zusammenfassung auf Englisch zu geben. Das wiederum würde sich mancher Journalist durchaus als Blaupause für Politikerinterviews wünschen, wenn so alle Floskeln und Umschweife wegfielen.

"Was ist eine Lösung der Flüchtlingskrise aus Sicht der Goldenen Morgenröte?"

"Alle illegalen Migranten ins Gefängnis sperren, dann kommen am nächsten Tag keine mehr."

"Warum scheint die Partei nicht von der Krise zu profitieren wie rechte Parteien in anderen Ländern?"

"Das ist Propaganda, wir wissen, dass viele Leute hinter uns stehen."

Letzte Frage: "In Deutschland hat die AfD …"

"… ist das Pegida?"

"Ein ähnliches Klientel zumindest. Jedenfalls haben AfD-Politiker davon gesprochen, im Notfall an der Grenze auf Flüchtlinge zu schießen, um sie aufzuhalten."

Kasidiaris schaut ungläubig, überlegt. Will man ihm da etwa eine Falle stellen? "Nein, so etwas würden wir nicht tun", sagt er, "ins Gefängnis, das genügt."

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