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Heftige Explosion in Ankara Wer steckt hinter dem Terroranschlag im Stadtzentrum?

Der Terroranschlag im Zentrum der türkischen Hauptstadt richtete sich womöglich gegen dort postierte Polizisten. Noch sind die Hintergründe unklar. Die US-Botschaft hatte vor Anschlägen gewarnt.

Mindestens 34 Menschen wurden beim Terroranschlag am Sonntagabend in Ankara getötet, 125 wurden verletzt. Zu der Tat bekannt hat sich noch niemand. Allerdings wurde bekannt, dass die US-amerikanische Botschaft am Freitag auf ihrer Website US-Bürger vor möglichen Anschlägen in der türkischen Hauptstadt gewarnt hat. US-Bürger, so hieß es in der nur auf Englisch verbreiteten Warnung, sollten die Nähe von Regierungsgebäuden sowie den Stadtteil Bahcelievler meiden.

Die türkischen Sicherheitsbehörden müssen sich unterdessen die Frage gefallen lassen, warum sie diesen Anschlag nicht verhindert haben. Wieder nicht. Nach dem Anschlag auf eine Kundgebung von Linken und Kurden Anfang Oktober mit 107 Todesopfern, zu dem sich bis heute niemand bekannt hat, und dem Anschlag auf Mitarbeiter des Militärs Mitte Februar mit 28 Toten, für den eine kurdische Splittergruppe mit unklaren Verbindungen zur PKK die Verantwortung übernahm, ist dies der dritte Terroranschlag, der innerhalb eines halben Jahres die türkische Hauptstadt heimsucht.

Mehr zum Thema: Dutzende Tote und Verletzte in der Türkei

Drei Anschläge, zusammen über 150 Tote und niemand, der dafür die politische Verantwortung übernommen hätte. Nicht der oberste Polizeichef Mehmet Celalettin Lekesiz, nicht Geheimdienstchef Hakan Fidan, nicht Innenminister Efkan Ala und schon gar nicht Ministerpräsident Ahmet Davutoglu.

Protestzentrum und Herz der Hauptstadt

Diesmal traf es den zentralen Kizilay-Platz. Genauer: den Güven-Park, der direkt an den Platz angrenzt. Im Frühjahr 2013, während der Gezi-Proteste, waren der Platz und der Park das Protestzentrum der Hauptstadt. Wochenlang lieferten sich hier Polizisten und Demonstranten schwere Auseinandersetzungen, im Güven-Park wurde der Demonstrant Ethem Sarisülük von einem Polizisten erschossen.

Ansonsten ist der Kizilay-Platz das Herz der türkischen Hauptstadt. Im Süden schließt sich das Regierungsviertel an, drei Kilometer sind es von hier bis zum Sitz des Parlaments. In den anderen Richtungen ist der Platz umringt von Geschäften, Einkaufszentren und Büros. Seit den Gezi-Protesten bewacht ein starkes Polizeiaufgebot rund um die Uhr die Gegend – vor allem, um Demonstranten vom Platz fernzuhalten. Ähnlich wie am Taksim-Platz in Istanbul werden am Kizilay-Platz keinerlei Proteste zugelassen.

Anders als zunächst verlautet, ist es offenbar noch nicht klar, ob es sich um eine Autobombe oder um einen oder mehrere Selbstmordattentäter handelte. Jedenfalls erfolgte die Explosion in unmittelbarer Nähe zu Stellen, an denen die Polizei Wache steht. So meldet die Tageszeitung "Hürriyet" unter Berufung auf Polizeikreise, dass man dort davon ausgehe, die Polizei sei das eigentliche Ziel des Anschlags gewesen. Ob und wie viele Polizisten sich unter den Toten und Verletzten befinden, ist noch nicht bekannt. Allerdings ist gleich neben dieser Sammelstelle der Polizei eine Bushaltestelle sowie der Eingang einer U-Bahn-Station.

Prokurdische HDP verurteilt "brutalen Angriff" auf Zivilisten

Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte einen nicht namentlich genannten Polizeiverantwortlichen, der sagte, nach den ersten Eindrücken sei davon auszugehen, dass die "PKK oder eine linke Gruppe im Namen der PKK" den Anschlag verübt haben könne. Dies sei noch kein abschließender Befund.

Nach dem Anschlag im Februar hatte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu die syrisch-kurdische YPG beschuldigt und war von dieser Behauptung auch nicht abgerückt, als sich eine Splittergruppe namens "Freiheitsfalken Kurdistans" zu der Tat bekannt hatten.

Die prokurdische HDP verurteilte in einer schriftlichen Stellungnahme diesen "brutalen Angriff" auf Zivilisten. Devlet Bahceli, Chef der nationalistischen MHP, sagte für die nationale Sicherheit des Landes würden "rote Alarmglocken läuten". Am Abend traf berief Ministerpräsident Davuoglu Minister und leitende Beamte des Sicherheitsapparates zu einer Sondersitzung zusammen.

Erdogan will "Terrorismus in die Knie zwingen"

"Die Bürger sollen sich nicht sorgen", sagte am späten Abend Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Infolge der "Instabilität in der Region" sei die Türkei in jüngster Zeit terroristischen Angriffen ausgesetzt. In dem Maße, in dem die Terrororganisationen und die Kräfte, die sich ihrer als Handlanger bedienten, den Kampf gegen die Sicherheitskräfte verlören, würden sie zu den "unmoralischsten und gewissenlosensten" Mitteln greifen.

Dennoch werde man "den Terrorismus in die Knie zwingen". Zugleich korrigierte Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoglu die Zahl der Toten von 27 auf 34. Darunter könnten, so der Minister im Anschluss an das Treffen bei Davutoglu, auch ein oder zwei Selbstmordattentäter sein.

Dafür verhängte ein Gericht so wie bei ähnlichen Anlässen in der Vergangenheit eine Nachrichtensperre. Zeitungen und Fernsehsender wurde untersagt, über Täter und Details zum Tathergang zu berichten. Am späten Abend wurde zudem für einige Stunden der Zugriff auf die sozialen Netzwerke Twitter und Facebook gesperrt.

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