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Wahlgewinner AfD Frauke Petry im Schaltzentrum der Pinocchio-Presse

Am Tag nach der Sensation stellt sich die AfD den von ihr gescholtenen Hauptstadtmedien. Sie präsentiert sich selbstbewusst als neuer Spieler auf dem politischen Parkett, der alle Milieus anspricht.

Es dürfte ihr eine Genugtuung gewesen sein. Ausgerechnet in der Bundespressekonferenz, mitten im Auge der von AfD-Parteigängern gerne als Lügen- oder Pinocchio-Presse gescholtenen Hauptstadtmedien, feierte die Bundesvorsitzende Frauke Petry am Tag nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt die starken Ergebnisse ihrer Partei.

Sie preist die AfD als "Partei des sozialen Friedens", die "trotz der massiven Diffamierungskampagne" den Wahlsonntag zu einem "sehr guten Tag für die Demokratie in Deutschland" gemacht habe, weil sie zuerst auf das "Märchen von den eingewanderten Fachkräften" hingewiesen habe und weil sie konsequent gegen die "Ethnisierung von Gewalt" oder "getrennte Rutschzeiten in Schwimmbädern" kämpfe und laut darauf hinweise, dass es keine Stadtteile mehr geben dürfe, in die die Polizei sich nicht mehr hineinwage.

Die Überzeichnung der Probleme ist typisch für die AfD – doch hat sich die Strategie der Dramatisierung am Sonntag als sehr erfolgreich erwiesen und die Partei aus dem Stand in alle drei Landtage katapultiert, in Sachsen-Anhalt sogar als zweitstärkste Kraft. Die Wahllokale wurden immerhin in allen drei Bundesländern häufiger aufgesucht als bei den vergangenen Landtagswahlen.

Die Mär vom abgehängten AfD-Wähler

Diesen Aspekt hebt auch der Co-Vorsitzende der Bundes-AfD und Spitzenkandidat in Baden-Württemberg, Jörg Meuthen, besonders hervor, als er seine Zufriedenheit mit dem 15,1-Prozent-Ergebnis für seine Partei ausdrückt. Spätestens jetzt müssten die großen Parteien "anerkennen, dass sich eine neue konservative, freiheitliche, bürgerliche und weltoffen patriotische Kraft etabliert" habe, sagt er.

Und tatsächlich zeigt sich auch an den Erfolgen im kraftstrotzenden Baden-Württemberg und bei der hessischen Kommunalwahl in den wohlhabenden Gegenden um Frankfurt am Main, wie wenig die Deutung zutrifft, nach der sich nur die Unterlegenen der Konkurrenzgesellschaft um die Rechten sammelten. Zwar strömen auch die Armen, Schwachen und Abgehängten in die AfD, doch allein optisch manifestiert sich durch die teilnehmenden AfD-Politiker die Vielfalt der von ihnen angesprochenen Milieus.

Neben der angriffslustigen Frauke Petry sitzt der marktliberale und wertkonservative Wirtschaftsprofessor Meuthen mit randloser Brille und professoralem Habitus. Neben ihm der immer leicht verstrubbelte André Poggenburg, der in Sachsen-Anhalt das Überraschungsergebnis von 24,2 Prozent einfuhr. Trotz seiner unternehmerischen Probleme und seines Schulterschlusses mit dem thüringischen Rechtsaußen Björn Höcke – und trotz gemeinsamer Auftritte mit Jürgen Elsässer, dem Herausgeber des demokratiefeindlichen "Compact"-Magazins, der vom nationalistischen Umsturz träumt.

"Wir haben die Grenzen nicht geöffnet"

Einen Stuhl weiter sitzt Oberstleutnant Uwe Junge, der im strukturkonservativen Rheinland-Pfalz 12,6 Prozent der Stimmen gewann. Der Dozent an der Bundeswehr-Führungsakademie punktete mit seinen Forderungen nach direkter Demokratie, mehr Recht und Ordnung und weniger Windkraftanlagen. Wie seine Parteifreunde wehrt er sich gegen den Vorwurf, die AfD setze ausschließlich auf die Migrationskrise. "Die Ursache für die Asyldebatte liegt nicht bei der AfD, wir haben die Grenzen nicht geöffnet", sagt er. In seiner Fraktion in Rheinland-Pfalz werde die Einwanderung nur in landespolitischen Aspekten thematisiert.

Schließlich der Vorsitzende der AfD-Brandenburg, Alexander Gauland, der als Vordenker und Integrationsfigur hinter den faktischen Parteiführern denkt und lenkt. Er verfolgt die Ausführungen seiner Parteifreunde beinahe gelangweilt. Trotzdem ist gerade ihm bewusst, welch rasanten Aufstieg seine Partei genommen hat: "Anfang 2013 gab es uns nicht, und jetzt sitzen wir im großen Saal der Bundespressekonferenz", sagt er und sieht sich in seiner Strategie bestätigt, die AfD als "klare Oppositionspartei" aufzubauen, "klare Kante zu zeigen" und "noch lange Zeit keine Regierungsbeteiligungen anzustreben".

Genau dies war einer der Hauptstreitpunkte mit Parteigründer Bernd Lucke gewesen, der eine etwas wirtschaftsliberalere, wertkonservativere CDU aufbauen wollte, die den Euro samt europäischer Integration reformieren, bei der Zuwanderung stärker auf Leistungsfähigkeit setzen und koalitionsfähig sein sollte.

"Partei der kleinen Leute"

Doch der gemäßigte Lucke ist passé und versucht bisher weitgehend erfolglos, genau dieses Projekt unter dem Namen "Alfa" voranzutreiben. Seine Sukzessoren bekennen sich in der Bundespressekonferenz dazu, sich auf die Rolle in der Opposition vorzubereiten, auch weil ohnehin niemand mit ihnen koalieren wolle. In einem zweiten für ihn wesentlichen Punkt nahm sich Gauland das Wort und stellte noch einmal fest, dass es "kein Zufall sei, dass in Baden-Württemberg ausgerechnet Mannheim-Nord und Pforzheim an die AfD gefallen" seien.

Der Erfolg in den Arbeiterstädten zeige, dass die AfD auch die "Partei der kleinen Leute" sei. Erhebungen von Infratest Dimap stützen diese Aussage: In allen drei Bundesländern hatte die AfD den stärksten Rückhalt unter Arbeitern und Arbeitslosen, besonders wenn sie jung und männlich waren.

Konkrete Initiativen für die Parlamentsarbeit haben die drei AfD-Vertreter indes noch nicht. Jörg Meuthen sagte, zunächst müssten sich die auch für die Partei überraschend großen Fraktionen konstituieren. Selbst zur Flüchtlingspolitik ist zunächst nichts Programmatisches zu erwarten. Meuthen und die übrigen Wahlsieger betonten, dies sei im Kern kein landespolitisches Thema. Bei Fragen zur bundespolitischen Ausrichtung verweist die AfD konsequent auf Ende April. Dann gibt sich die neue Partei ein neues Programm.

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