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Marsch nach Mazedonien Polit-Aktivisten bringen Flüchtlinge in Lebensgefahr

Helfer haben in Idomeni offenbar Flüchtlinge dazu verleitet, einen reißenden Fluss zu überqueren - und ihr Leben zu riskieren. Es ist nicht die erste Aktion dieser Art von westlichen Aktivisten.

"Fuck your racist borders" – "f**kt eure rassistischen Grenzen", steht in Sprühfarbe auf diversen Wohncontainern im Flüchtlingslager Idomeni. "Das haben nicht die Flüchtlinge geschrieben", sagen Bewohner des Lagers. Sondern Helfer, junge Leute aus westlichen Ländern, die freiwillig den langen Weg hierhergekommen sind, um sich nützlich zu machen.

Die meisten von ihnen leisten bitter nötige Hilfe, die staatliche Stellen nur unzureichend gewähren. Aber manchen geht es um mehr. Da geht es um Grundsätze wie "No borders", keine Grenzen, denn die seien immer schlecht. Man will die Welt verbessern.

Am Montag riskierten solche Aktivisten das Leben Hunderter Menschen. In einem auf Arabisch geschriebenen Flugblatt teilten sie den Flüchtlingen mit, dass sie bald in die Türkei abgeschoben würden. Ein massenhafter Grenzdurchbruch über einen eiskalten, reißenden Fluss könne aber erfolgreich sein. Und so marschierten mehr als 2000 Flüchtlinge zum Wasser. Auf Fotos sah man später europäische Jugendliche angsterfüllten syrischen Müttern und schreienden Kindern durchs Wasser helfen. Abgesehen vom Gesundheitsrisiko für die Kinder im eisigen Wasser, drohte gegebenenfalls Tod durch Ertrinken.

Drei afghanische Migranten waren zuvor bei einer ähnlichen Überquerung ums Leben gekommen. 23 andere schafften es, nur um danach von mazedonischen Grenzern gefasst zu werden. Ihnen wie den rund 2400 Flüchtlingen, die den Aktivisten durch den Fluss folgten, nutzte das Wagnis nichts. Die Regierung in Skopje hat angekündigt, dass sie nach Griechenland deportiert werden.

Mit Fehlinformationen Menschen manipuliert

Auf perfide Weise nutzten die Verfasser des Flugblatts tatsächliche Informationen, um die verzweifelten Flüchtlinge zu manipulieren. Es gibt nämlich wirklich einen Plan, die Menschen aus Idomeni in die Türkei zu bringen. Der Vorschlag kommt vom Thinktank European Stability Initiative, ist aber längst nicht entschieden. Was das Flugblatt verschwieg: Die Flüchtlinge sollen in Wirklichkeit in die EU gebracht werden, allerdings auf dem Umweg über die Türkei. So soll Griechenland für Flüchtlinge unattraktiv gemacht werden.

Die Botschaft: Aus Griechenland führt kein Weg mehr nach Deutschland, für niemanden. Nur noch aus türkischen Flüchtlingslagern kann man künftig in die EU gelangen – wenn die EU und Ankara sich auf einem Gipfeltreffen in wenigen Tagen darauf einigen können.

Auch eine weitere tatsächliche Gegebenheit nutzten die Flüchtlingshelfer aus. Kurz davor war der deutsche Ex-Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm (CDU) im Lager gewesen. Das hatte Aufsehen erregt, und dies nutzten die Aktivisten aus: Sie unterschrieben ihre Botschaft mit "Kommando Norbert Blüm". Blüm hatte mit der Aktion allerdings nichts zu tun. In den sozialen Medien schlachteten die Helfer die Aktion medial aus, mit Fotos und Hashtags auf Twitter vom "Marsch der Hoffnung", den sie selbst angestoßen hatten.

Es ist nicht das erste Mal, dass scheinbare Verzweiflungsaktionen der Flüchtlinge in Wirklichkeit von selbst ernannten Menschenrechtlern angezettelt werden. Im Grunde führte eine solche Aktion Anfang September zur Öffnung der österreichischen und deutschen Grenzen, mit den bekannten, bis heute andauernden Folgen. Auch da hatten Weltverbesserer einen "Marsch der Hoffnung" von Budapest nach Wien über die Autobahn initiiert und wollten mit einem "Konvoi der Hoffnung" Flüchtlinge illegal über die Grenze bringen. Sie spekulierten offenbar regelrecht darauf, dabei verhaftet zu werden. Ein paar Stunden später waren die Grenzen offen.

Aktivisten erzeugen Druck auf Politik

Vielfach hatten Aktivisten Menschen auf der Flucht bei der Medienarbeit unterstützt. Etwa als in Idomeni parallel zum letzten Brüsseler EU-Gipfel demonstriert wurde und plötzlich deutsche Fahnen entfaltet wurden mit Rufen nach "Mama Merkel". Als im vergangenen Herbst Flüchtlinge an der slowenischen Grenze mit Tränengas zurückgetrieben werden mussten, da waren es vor allem westliche Aktivisten gewesen, die die Polizei attackiert hatten.

Und auch als im Sommer Flüchtlinge die ungarische Grenze bei Röszke zu stürmen versuchten, war der Anfang davon eine von protesterfahrenen westlichen Aktivisten gestartete Aktion gewesen. Immer wieder berieten sie Flüchtlinge im vergangenen Jahr, wie sie am besten Kartons mit einschlägigen Protestparolen beschriften und damit demonstrieren könnten. Die Bilder waren perfekt für die Kameras, illustrierten Reportagen und Abendnachrichten im Fernsehen. Das erzeugte Druck auf die Politik.

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