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Aufschlussreiche Biografie Als die Trumps Stundenzimmer vermieteten

Donald Trump blickt auf eine interessante Familienhistorie zurück. Nicht alles davon hängt der Präsidentschaftsbewerber gern an die große Glocke - etwa die Geschäfte seines Großvaters.

Sind Sie manchmal sauer auf das bayerische Innenministerium, weil es 1904 den Rückbürgerungsantrag des in die USA ausgewanderten Frederick Trump ablehnte und dadurch die Voraussetzung schuf für die aktuelle Präsidentschaftskandidatur des Enkels?

Gwenda Blair: Lustige Frage. Aber ich würde sagen, es ist über 110 Jahre zu spät, um sauer zu sein. Der Grund, dass Bayern die Rücksiedlung verweigerte, war ja der Verdacht, dass sich Frederick Trump 1885 nach Amerika abgesetzt hatte, um der Wehrpflicht zu entgehen. Diese Episode zeugt von einer bemerkenswerten Ironie, wenn man bedenkt, wie sehr der Enkel Donald Trump das Thema Immigration heute zum zentralen Punkt seines Wahlkampfs gemacht hat.

Fred Trump, der Vater von Donald Trump und Sohn des Einwanderers Frederick, hat später seine deutschen Wurzeln verleugnet und behauptet, die Familie stamme aus Schweden.

Blair: Ja, die Familie erlebte während und nach den Weltkriegen, dass Deutsche nicht sonderlich gelitten waren, und darum erklärten sie sich zu Schweden. Es ist schon ein Fall von Heuchelei, wenn man in der eigenen Familie eine derartige ethnische Stigmatisierung erlebt hat und nun selbst Einwanderer aus Mittelamerika oder muslimischen Ländern stigmatisiert.

Sie haben intensiv über drei Generationen Trump recherchiert. Hat Donald Trump Ihnen Familienbücher oder Briefe zur Verfügung gestellt?

Blair: Nein. Von ihm habe ich keinerlei Material bekommen. Die gesamte Dokumentation habe ich in Archiven recherchiert, unter anderem im pfälzischen Kallstadt, wo die Familie herkommt, oder am Yukon, wo der Einwanderer sein erstes Geld machte. Ich bin nach Atlantic City gegangen, nach Florida, an die Schulen der Trumps.

Gwenda Blair, amerikanische Autorin und Journalismus-Dozentin. (Foto: Matthew W. Stolper)

Im Vorwort schreiben Sie, dass Sie Donald Trump Dankbarkeit schulden. Für was?

Blair: Nun, er gab mir mehrere Termine in seinem Büro, er sprach wiederholt mit mir, ich traf ihn unter anderem in Florida, in Atlantic City, bei einem Gerichtsverfahren in Trenton, der Hauptstadt von New Jersey, wo es um seine Casino-Geschäfte ging. Er war bei all diesen Gelegenheiten herzlich, und dafür bin ich ihm dankbar.

Änderte sich das nach Erscheinen des Buches?

Blair: Ich traf ihn nach der Veröffentlichung bei verschiedenen Anlässen für weitere Artikel, und er nahm sich erneut Zeit, mit mir zu reden. Auch dafür bin ich dankbar. Er sagte mal so etwas wie: "Ich habe gesehen, Ihr Buch ist erschienen." Aber ich bin nicht sicher, ob er es je gelesen hat. Vielleicht hat er es überflogen. Ich bin aber ziemlich sicher, dass einer seiner Juristen es gelesen hat.

Trump hat das Buch nicht gelobt?

Blair: Er hat es nicht gelobt, er hat aber andererseits auch nicht gesagt, dass er mich verklagen würde. Viele Leute, die über ihn geschrieben haben, bekommen Schreiben auf dickem Briefpapier mit einem goldenen T, in dem seine Anwälte erklären, man möge gewarnt sein, dass man im Falle falscher Tatsachenbehauptungen eine Klage zu erwarten habe. Ich habe auch einige dieser Formbriefe bekommen. Aber ich wurde nie verklagt – was andererseits ja möglicherweise die Auflage gesteigert hätte.

Vielleicht hätten Sie seinen Großvater einen Zuhälter nennen müssen. In Ihrem Buch beschreiben Sie, dass Frederick Trump, ein gelernter Barbier aus der Pfalz, beim großen Goldrausch am Klondike verdiente, indem er nicht selbst Gold suchte, aber Restaurants für die Goldgräber baute – auch solche, in denen Zimmer für Prostituierte vermietet wurden.

Blair: Eines der Restaurants namens "Poodledog" (Pudelhund), das er in Seattle kaufte, warb in Anzeigen mit "Privaträumen für Ladys", und jeder wusste, dass damit Prostituierte gemeint waren, die sich dort mit Männern treffen konnten. Aber ich glaube, es wäre ein Fehler, ihn als Zuhälter zu bezeichnen. Das würde die Fakten nicht treffen. Er war ein Geschäftsmann in einer sehr rauen, wilden Umgebung, in der es viele alleinstehende Männer gab. Er sah darin eine Geschäftsidee. Er war keineswegs der einzige Gastronom, der Zimmer an Frauen vermietete, und wir haben keine Hinweise, dass er je mehr als das tat.

Gibt es ein Geheimrezept, mit dem Donald Trump im TV-Entertainment, in der Geschäftswelt und neuerdings in der Politik punktet?

Blair: Donald Trump hat immer darauf geachtet, in jeder Situation gewisse Druckmittel zur Hand zu haben. Ein Beispiel: Sein erstes Projekt in den 70er-Jahren war der Bau eines "Grand Hyatt"-Hotels in Manhattan in einer Zeit, als es der Stadt finanziell ausgesprochen schlecht ging. Da war jedes Bauprojekt höchst willkommen. Trump nutzte das, um von der Stadt umfangreiche Zugeständnisse und Steuererleichterungen zu bekommen. Das war schon sehr bemerkenswert.

Und zugleich begann er, seinen Namen zu einem Markenzeichen zu machen und mit Projekten so zu verbinden, dass eine eigene Pleite auch andere Beteiligte in tiefe Probleme gestürzt hätte. Weil das keiner wollte, konnte er viel Entgegenkommen erzwingen. Und Gleiches gilt heute für die Republikanische Partei: Sie würde ihn gern loswerden, käme dabei aber selbst zu schaden.

Drei Generationen Trump: Wer wäre der beste Präsident?

Blair: Wenn ich jemand mit dem Geburtsnamen Trump wählen müsste, würde ich mich für Donalds Schwester Marryanne Barry entscheiden, eine Bundesrichterin in New Jersey.

Gwenda Blair: "The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate" (Simon & Schuster, 592 Seiten, $18)

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