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Schockierendes Video aus Rakka geschmuggelt Das grausame Leben in der IS-Hölle

Frauen werden zwangsverschleiert, Kirchen umfunktioniert, Menschen öffentlich hingerichtet: Zwei mutige Syrerinnen filmten ihren Alltag in der IS-Hauptstadt Rakka. Die Bilder sind beklemmend.

Willkommen in Rakka. An den Kontrollstellen zur Stadt verstummen die Passagiere in den Kleinbussen, Sammeltaxis und Privatwagen. Sie haben Angst, verhaftet zu werden und auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat eine Herrschaft des Schreckens und der Angst errichtet. Wie es sich unter diesem Regime lebt, darüber dringt wenig nach Außen.

Zwei mutige Frauen, Umm Mohammad und Umm Omran, geben nun einen Einblick, wie dort das Leben, ganz besonders der weiblichen Bewohner, strikt reglementiert ist. Die beiden Frauen haben ihren Alltag mit versteckter Kamera gefilmt. Es ist ein beklemmendes Video, das ihnen den Tod hätte bringen können und das jetzt auf der Website der schwedischen Boulevardzeitung "Expressen" zu sehen ist. Finden die Schergen des IS die Identität der Frauen heraus, sie würden wohl als Verräterinnen hingerichtet werden. Öffentliche Exekutionen sind in der Hauptstadt der Extremisten längst eine Alltäglichkeit.

"Sie erschießen die Opfer zuerst, verhöhnen dann die Leiche, enthaupten sie und stellen den Kopf auf dem Platz zur Schau", erzählt Umm Mohammad in dem knapp 15-minütigem Video. Sie erinnert sich noch deutlich an einen jungen Regimesoldaten, der ganz ruhig am Boden saß und seinen Tod erwartete. "Es war schrecklich, ich konnte nicht hinsehen." Manchmal lassen die Henker die Leichen der Opfer einfach auf der Straße liegen. Der Verkehr rollt dann über sie hinweg, bis mit der Zeit, außer den Kleidern, nichts mehr übrig ist. Das ist die Freiheit, die IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi und sein 2014 ausgerufenes Kalifat gebracht haben. Es ist ein ausgeklügeltes System brutaler Willkür und Unterdrückung, in der jeder noch so kleine Regelverstoß rücksichtslos verfolgt wird.

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Für die Frauen von Rakka ist die Stadt ein großes Freiluftgefängnis. Sie dürfen nicht arbeiten, nicht zur Schule, nicht auf die Universität gehen. Das Haus können sie ohne Begleitung nicht verlassen. Ihre wichtigste Aufgabe: Kinder bekommen. Die Armee der Gläubigen braucht Nachwuchs. Frauen sind Gebärmaschinen, sie haben den Befehlen der Männerwelt zu gehorchen.

In ihren schwarzen Umhängen, von Kopf bis Fuß verschleiert, werden sie zu wandelnden Phantasmen. Alles Weibliche ist aus dem öffentlichen Raum verbannt. Auf den Märkten der Stadt müssen sogar die Gesichter von Frauen auf Verpackungen verschwinden. Deshalb hat ein Verkäufer die Fotos auf einem Haarfärbemittel mit Filzstift übermalt. "Ja, wir mussten das tun", sagt der Ladenbesitzer in dem Video. Das Mädchen auf dem Bild würde eben jetzt einen Niqab, einen Schleier tragen. "Wir haben unsere Weiblichkeit verloren", sagt Umm Mohammad im Interview. "Alle Frauen wollen ihr Gesicht zeigen, aber wir haben diese Möglichkeit verloren."

Islamisten drohten, kleines Mädchen auszupeitschen

Die Anweisungen zum Übermalen der Verpackungen kamen von der Hisbah, der islamischen Polizei. Sie ist der öffentliche Sittenwächter und allgegenwärtig. Polizisten patrouillieren in Rakka rund um die Uhr, um jeden Verstoß gegen die vermeintliche islamische Moral zu ahnden. Ein Taxifahrer erzählt den beiden Frauen von seiner kleinen Tochter, der er unbedingt einen Niqab kaufen musste.

Die Hisbah wollte das junge Mädchen wegen Verletzung der Kleiderordnung auspeitschen lassen. Sie war auf dem Weg zu ihrem Onkel aufgegriffen worden. "Ich bin der Vater und ihr werdet sie nicht schlagen", will der Taxifahrer zur Sittenpolizei gesagt haben. Im Radio läuft eine Hymne, die den IS-Führer al-Baghdadi preist. "Du verbreitest Furcht unter deinen Feinden", heißt es in dem Sprechgesang. "Die Frauen des Paradieses rufen, ich melde mich freiwillig als Märtyrer. Unsere Schwerter glänzen."

Das Video der beiden Frauen zeigt zerstörte Heiligengräber, die der IS in seinem religiösen Wahn in die Luft jagte. Eine Kirche wurde zum Polizeihauptquartier umfunktioniert. Rakka fiel im Sommer 2014 in die Hände der Terrormiliz. Damals war der IS von rivalisierenden Rebellen aus dem Norden Syriens vertrieben worden. Rakka wurde ihr neues Refugium.

Die brutalsten Mitglieder der Dschihadistenorganisation sind Ausländer. Ihnen wurden Wohnungen und Häuser in den wohlhabenden Vierteln zugeteilt. Ausländer, besonders Europäer hätten einen höheren Status als andere IS-Mitglieder, behaupten Umm Mohammad und Umm Omran. "Sie kommen aus Kasachstan, Frankreich, Tunesien, Ägypten, von überall einfach. Aber die große Mehrheit stammt aus Saudi-Arabien."

Die Ausländer wohnen nun in Luxusappartements und Villen. Gewöhnlich fahren sie auch bessere Autos und bekommen mehr Geld als die einheimischen Kämpfer. Dieser Sonderbehandlung führte in der Vergangenheit wiederholt zu internen Querelen. Zumal die Ausländer auch nicht an die vordersten Frontlinien müssen. Wer verheizt wird, das sind in der Regel syrische Kämpfer. Der IS ist ein Zweiklassensystem.

Umm Mohammad und Umm Omran haben längst ihre Flucht aus ihrem Heimatort geplant, den der IS zum Gefängnis machte. Aber sie sind noch geblieben, um eine Freundin vor dem sicheren Tod zu retten. Sie ist unverheiratet und schwanger. In Rakka kann dieser Umstand Steinigung bedeuten. "Der Bürgermeister wirft den ersten Stein", erzählen die Frauen. "Dann folgen die anderen, bis der Tod eintritt." Die Freundinnen haben sich entschlossen, im Geheimen abzutreiben und haben dafür entsprechende Medikamente besorgt. Wenn alles gut geht, steht dann der Weg in die Freiheit offen. Dann könnten sie die Welt des IS für immer hinter sich lassen.

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