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Amerikanischer IS-Aussteiger verrät neue Details So war es im Innern des Kalifats

Der Amerikaner Mohamad Khweis schließt sich dem IS an. Mit dem Leben im "Kalifat" kommt er aber nicht zurecht. Er flieht. Die Geheimdienste feiern einen Coup. Denn seine Aussagen sind unbezahlbar.

Zu Beginn dieser Woche haben kurdische Truppen einen 26-jährigen US-Amerikaner im Irak gefangen genommen. In einem Interview mit dem kurdischen Fernsehsender "Kurdistan 24" berichtet Mohamad Jamal Khweis, er sei gekommen, um sich der Terrormiliz Islamischer Staat anzuschließen – hätte sich jedoch nach kurzer Zeit bei den Dschihadisten zur Flucht entschieden.

Am Montag hatte sich der Mann zwei kurdischen Milizionären in Golat, einem Dorf im Nordirak, ergeben. Neben einer großen Summe Bargeld, soll Khweis drei Handys und drei offizielle Ausweise bei sich getragen haben. Darunter auch ein Führerschein aus dem US-Bundesstaat Virginia. Gegenüber den Peschmerga bestätigte er, dass er amerikanischer Staatsbürger palästinensischer Herkunft sei.

Eine Fundgrube voller Informationen

Laut "Daily Mail" sind vor allem US-Behörden daran interessiert den 26-Jährigen zu befragen. Sie gehen davon aus, dass er der erste Amerikaner ist, der sich dem Kampf der Terrorgruppe angeschlossen hatte und schließlich übergelaufen war. Seamus Hughes, ein ehemaliger Angestellter der US-Anti-Terror-Zentrale, sagte gegenüber "NBC News", Khweis könne sich als eine Art "Geheimdienst-Goldmine" erweisen. "Er könnte Einblick in die IS-Kommandostruktur geben. Wem musste er berichten? Wie sah sein Alltag aus? Und das Wichtigste: Wie ist er dort hingekommen?"

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Einige dieser Fragen beantwortete er in dem Fernsehinterview - spricht dabei ruhig und lächelt sogar gelegentlich. Khweis berichtet von seiner Reise aus den USA über London und Amsterdam in die Türkei im Dezember vergangenen Jahres. Dort habe er eine junge Frau getroffen, die ihm half, in die IS-Hochburg Mossul zu gelangen. "Wir lernten uns gut kennen", so Khweis. "Schließlich sagte sie mir, sie kenne jemanden, der uns nach Syrien und von da aus nach Mossul bringen kann."

IS-Kämpfer in Rakka im Sommer 2014. Inzwischen ist die Terrormiliz unter massiven Druck geraten. (Foto: AP)

Beten, Essen und täglicher Schariaunterricht

Mehrere lange Autofahrten später, gingen die beiden getrennte Wege. Er setzte seine Reise mit zwei IS-Kämpfern fort – bis nach Mossul. Dort angekommen musste er seinen Pass abgeben und wurde in einem Haus mit etwa 70 Menschen untergebracht. Darunter auch viele ausländische Rekrutierte, unter anderem aus Russland, Usbekistan, Ägypten, Pakistan und Marokko. Khweis verrät, er sei der einzige Amerikaner dort gewesen und hätte auch in seiner ganzen Zeit, keinen anderen getroffen.

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Dort angekommen begann umgehend die Ausbildung. "Unser Alltag bestand aus beten, essen und Schariaunterricht – etwa acht Stunden am Tag", sagt er. "Es war sehr schwer für mich, dort zu leben. Es ist nun mal nicht wie in westlichen Ländern. Es gibt sehr strenge Regeln: Man darf nicht rauchen und grundsätzlich ist es hart für alle dort. Die ganze Lebensart ist einfach schwierig – nicht nur für mich, sondern für alle dort."

IS-Kämpfer marschieren Anfang 2014 durch Rakka in Syrien. (Foto: AP)

"Ich habe eine schlechte Entscheidung getroffen"

Nach etwa einem Monat entschließt sich der 26-Jährige, die Islamisten verlassen zu wollen. "Ich merkte, dass ich mit ihrer Ideologie nicht viel anfangen konnte", sagt Khweis. "Das war der Punkt, an dem ich mich entschied zu fliehen." Für sein gewagtes Unterfangen kontaktierte er einen Freund. Der brachte ihn möglichst nah an die türkische Grenze, wo er versuchte, einen Kontakt mit den Peschmerga herzustellen. "Ich wollte zu den Kurden gelangen, weil ich wusste, dass sie Amerikanern gegenüber wohlgesonnen sind", so Khweis.

"Ich habe eine schlechte Entscheidung getroffen, als ich dem Mädchen gefolgt und nach Mossul gegangen bin", sagt er. "Ich konnte nicht klar denken und hatte es schon auf dem Weg dorthin bereut. Ich will einfach nur zurück in die USA."

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