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Salah Abdeslam in Brüssel gefasst Der Terror-Pate aus Molenbeek

Monatelang foppte der mutmaßliche Paris-Attentäter Sakah Abdeslam die Terrorfahnder aus Belgien und Frankreich. Wer ist dieser Mann, nach dem ganz Europa suchte?  

Am Freitag herrscht in der belgischen Hauptstadt im Ausnahmezustand. Bei einem Polizeieinsatz in Brüssel ist der mutmaßliche Komplize der Attentäter von Paris, Salah Abdeslam, festgenommen worden. Er war der meistgesuchte Mann Europas - nun wurde Salah Abdeslam mitten in Brüssel aufgespürt. Der Einsatz fand im Brüsseler Stadtteil Molenbeek statt, in dem mehrere der Attentäter der Pariser Anschläge vom November gelebt haben sollen. Zuvor waren in einer Wohnung im Brüsseler Vorort Forest Abdeslams Fingerabdrücke gefunden worden. Wer ist dieser mutmaßliche Terrorist?

Wie ein Schatten in der Nacht

Am 13. November 2015 um 21.59 Uhr erreichte ein von Abdeslam gemieteter schwarzer Clio den Norden von Paris. Die französische Polizei ist sich sicher, dass Abdeslam am Steuer saß und drei Selbstmordattentäter am Stade de France absetzte. Er mietete auch den Wagen, der für den Angriff auf die Konzerthalle Bataclan genutzt wurde. Und mit seiner Bankkarte wurden zwei Zimmer in einem Hotel in Alfortville nahe Paris gemietet, in denen einige der Angreifer gewohnt hatten.

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Einiges deutet darauf hin, dass Salah Abdeslam nicht nur ein Logistiker war, sondern in der Schreckensnacht selbst zur Waffe greifen sollte. Zunächst wurde gemutmaßt, er habe mit seinem 31-jährigen Bruder Brahim Abdeslam mehrere Bars und Restaurants im Herzen von Paris attackiert. Dabei war ein schwarzer Seat genutzt worden. Brahim hatte sich in einem Restaurant in die Luft gesprengt.

Oder sollte Salah einen Anschlag im 18. Arrondissement verüben, der in der Bekennererklärung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) erwähnt wurde - aber nicht stattfand? Dort wurde der Clio gefunden. Und Salah soll einen Sprengstoffgürtel getragen, aber im letzten Moment einen Rückzieher gemacht haben. So berichtet es die Anwältin eines der beiden Fluchthelfer, die Abdeslam in der Nacht aus Paris anrief, die ihn dann mit einem Auto abholten und mit ihm unbehelligt mindestens eine Passkontrolle passierten. Die Fluchthelfer sitzen in Brüssel in Polizeigewahrsam. Sie geben aber unterschiedliche Orte an, an denen sie den Extremisten angeblich absetzten.

Belgischen Fahnder immer wieder entwischt

Anscheinend hat sich Abdeslam noch in Molenbeek, dem Brüsseler Problemviertel, in dem er mit seinem Bruder ein Café betrieb und aus dem viele Islamisten stammen, versteckt. Er wurde wohl von vielen Helfen unterstützt, denn sein Gesicht ist jedem inzwischen aus den Nachrichten bekannt. Braune Augen, blasse Gesichtsfarbe, glatt rasiert, Gel in den Haaren, 1,75 Meter groß. Der Zusatz: "Gefährliche Person." Sein zweiter Bruder Mohamed gibt Interviews am laufenden Band, in denen er Abdeslam aufruft, sich zu stellen. "Wir möchten ihn lieber im Gefängnis sehen als auf dem Friedhof", sagt er in die Kameras.

Wer Salah aus früheren Zeiten kennt, gibt sich überrascht von seiner Radikalisierung. Er sei eitel gewesen, heißt es in seiner Nachbarschaft Molenbeek.  In dem wegen seiner Islamistenszene berüchtigten Stadtteil war der Franzose marokkanischer Abstammung aufgewachsen. Bekannte beschreiben ihn als eher gewöhnlichen Jugendlichen, der wie sein Bruder Brahim gerne Fußball spielte, abends ausging und mit Frauen anbändelte. Von einer islamistischen Radikalisierung bemerkte lange niemand etwas.

Doch dann lernte er Abdelhamid Abaaoud kennen, der später einer der bekanntesten belgischen Dschihadisten werden sollte und als Drahtzieher der Anschläge von Paris gilt. 

Spätestens vor fünf Jahren geriet Salah auf die schiefe Bahn, kommt nach einem Überfall ins Gefängnis. In den Überfall soll auch Abdelhamid Abaaoud verwickelt gewesen sein, der mutmaßliche Organisator der Paris-Anschläge, der später bei einem Polizeieingriff nördlich der französischen Hauptstadt getötet wurde.

Nachdem er später einige Zeit als Techniker bei den Brüsseler Verkehrsbetrieben gearbeitet hatte, übernahm Abdeslam zusammen mit seinem Bruder Brahim eine Bar in Molenbeek, das "Les Béguines". Dort soll viel Haschisch konsumiert worden sein - im November 2015 wurde die Bar nach dem Fund halbgerauchter Joints dichtgemacht. Da hatten sich die Brüder aber bereits aus dem Geschäft zurückgezogen - vermutlich bereiteten sie die Anschläge von Paris vor.

Lebemänner mit feinem Gespür zur Verschwörung

Hinter Gittern habe Abaaoud Salah "die Theologie der Verheimlichung gelehrt, um Sicherheitskräften und Geheimdiensten zu entgehen", meint der französische Terrorismusforscher Mathieu Guidère.

Dessen ungeachtet waren Salah und Brahim seit Anfang des Jahres 2015 als radikalisierte Muslime bekannt. Sie wurden sogar von der belgischen Polizei wegen des Verdachts vernommen, sie wollten sich dem IS in Syrien anschließen. Doch wurden sie auf freien Fuß gesetzt. Die Polizei hatte "keinen Hinweis auf eine mögliche Bedrohung" gefunden.

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