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Terrormiliz im Irak und in Syrien Wie der IS gegen den Untergang kämpft

Im Irak und in Syrien musste der Islamische Staat zuletzt schwere Niederlagen einstecken. Die Folge: Immer mehr Kämpfer verlassen die Terrormiliz. Doch der IS ist deswegen nicht weniger bedrohlich.

Nach monatelangen Geländeverlusten im Irak und in Syrien zeigt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zunehmend Verschleißerscheinungen. Ihre Gegner berichten von immer mehr Desertionen aufseiten der Extremisten. Doch scheinen diese nun verstärkt auf Terroranschläge zu setzen.

Im Zuge von Luftangriffen einer Koalition unter Führung der USA sowie Russlands und dem Einsatz von Bodentruppen in beiden Ländern hat der IS schätzungsweise 40 Prozent des von ihm kontrollierten Gebiets im Irak und mehr als 20 Prozent in Syrien wieder verloren. Zu ihrer stärksten Zeit im Sommer 2014 hatte die Terrormiliz jeweils fast ein Drittel der beiden Länder überrannt und ein sogenanntes Kalifat ausgerufen, das vom Nordwesten Syriens bis in die Vororte Bagdads reichte.

Doch inzwischen lasse sie nach, sei nicht mehr so entschlossen wie früher, sagt Oberstleutnant Fares al-Bajusch, Kommandeur einer syrischen Rebelleneinheit. Seine 1300 Mann starke Fursan-al-Hak-Brigade kämpft seit mehr als einem Jahr gegen den IS und syrische Regierungstruppen. "Es gibt jetzt Mitglieder, die sich ergeben, einige laufen über. Früher kamen sie und sprengten sich in die Luft", erklärt Al-Bajusch.

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Genaue Zahlen gibt es nicht. Clint Watts vom Forschungsinstitut für Außenpolitik (FPRI) mit Sitz in Philadelphia sagt, was der IS derzeit erlebe, habe er schon bei anderen extremistischen Gruppierungen beobachtet, die von der Erfolgsspur abkamen. Es gebe immer mehr Berichte über Überläufer und die Tötung sogenannter Spione in den eigenen Reihen. "Während sie an Boden verlieren und zurückweichen, sieht man diese Brüche in der Organisation aufkommen", sagt Watts.

Die Rückschläge des IS begannen vor mehr als einem Jahr, als die Extremisten von kurdischen Kämpfern, unterstützt von US-geführten Luftangriffen, aus der nordsyrischen Kurdenstadt Kobane vertrieben wurden. Im Dezember nahmen die überwiegend kurdischen Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) im Schutz von Luftangriffen den Tischrin-Staudamm ein, der weite Teile Nordsyriens mit Strom versorgt.

In den Folgewochen übernahmen die SDF die Kontrolle über weitere Gebiete. Laut dem Analyseunternehmen IHS Conflict Monitor verloren die Extremisten 2015 insgesamt 14 Prozent ihres Gebiets in Syrien, in den vergangenen drei Monaten weitere acht Prozent – ein Zeichen, dass sich der Prozess beschleunigt.

Im Irak ebneten Luftangriffe den Weg für Bodentruppen zur Rückeroberung von Orten wie Sindschar im Norden bis Ramadi im Westen. Die Koalition schätzt, dass der IS zwischen dem Beginn der Luftangriffe im August 2014 und Januar 2016 zwischen 21 000 und 24 000 Quadratkilometer verlor, rund 40 Prozent seines einstigen Machtbereichs.

Nach den Terroranschlägen von Paris im November mit 130 Toten und dem Anschlag auf ein in Ägypten gestartetes russisches Passagierflugzeug, bei dem 224 Menschen ums Leben kamen, mehrten sich die Rufe nach einem härteren Vorgehen gegen den IS.

Westen nimmt IS-Finanzierung ins Visier

Er hatte sich zu beiden Anschlägen bekannt. Auf tödliche Attentate des IS in der Türkei reagierte Ankara mit einer schärferen Überwachung der Grenze. Für Extremisten wurde es damit schwerer, nach Syrien zu gelangen. Seit November nahmen Kampfflugzeuge der Koalition und Russlands verstärkt die Ölvorräte und damit die Finanzierung des IS ins Visier. Dieser musste seinen Kämpfern daraufhin den Sold kürzen.

In der vergangenen Woche bestätigten irakische, syrische und US-Vertreter, dass der IS-Militärführer Omar al-Schischani bei einem Luftangriff getötet worden sei. US-Spezialkräfte nahmen ferner den Leiter der für Chemiewaffenforschung zuständigen IS-Einheit im Irak gefangen, und Luftangriffe zielten auf die Chemiewaffeninfrastruktur der Terrormiliz.

"Wenn Dinge schlecht laufen, hauen die weniger motivierten, weniger disziplinierten, weniger radikalen Elemente ab", sagt US-Oberst Steve Warren. Nach US-Schätzungen verfügte der IS im Februar in Irak und Syrien noch über 19.000 bis 25.000 Kämpfer. Im Sommer 2014 waren es Schätzungen zufolge 20.000 bis 31.500.

Doch ist der IS deswegen nicht unbedingt weniger bedrohlich. In Syrien und im Irak verübte die Terrormiliz in den vergangenen Wochen einige ihrer bislang folgenschwersten Selbstmordanschläge und eine Reihe von Anschlägen mit Chemiewaffen. Experte Watts vom FPRI sagt, wenn der IS seine Anhänger nicht mit Siegen auf dem Schlachtfeld motivieren könne, werde er zu Terroranschlägen greifen.

Seine konventionelle Kampfkraft habe zwar nachgelassen, in dieser Hinsicht sei er inzwischen weniger gefährlich. "Wenn man aber den regionalen und internationalen Terrorismus im Blick hat, sind sie gefährlicher geworden."

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