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Nadeschda Sawtschenko Ukrainischer Pilotin droht lange Haftstrafe

Nadeschda Sawtschenko kämpfte als Freiwillige gegen die Separatisten in der Ukraine. Jetzt soll sie in Russland wegen Mordes verurteilt werden. International wird das Verfahren scharf kritisiert.

Im Prozess gegen die ukrainische Kampfpilotin Nadja Sawtschenko wegen des Tods zweier russischer Journalisten in der Ostukraine hat das zuständige russische Gericht mit der Urteilsverlesung begonnen. Entgegen entsprechenden Berichten russischer Nachrichtenagenturen fiel das Urteil in der Kleinstadt Donezk am Montag zunächst aber noch nicht. Es seien vorerst nur "die Einleitung und erklärende Teile" der Urteilsschrift verlesen worden, sagte Sawtschenkos Anwalt.

Einer Korrespondentin der Nachrichtenagentur AFP wurde der Zugang zum Gerichtssaal in Donezk verwehrt. Russische Nachrichtenagenturen berichteten bereits am Vormittag, Sawtschenko sei wegen Mordes schuldig gesprochen worden. Ihr Anwalt Mark Feigin sagte dazu aber später, einige Medien seien in diesem Punkt etwas eilig gewesen.

"Natürlich wird sie schuldig gesprochen, daran gibt es keinen Zweifel", sagte Feigin in einer Verhandlungspause. Noch sei das Urteil aber nicht gefallen. "Es wird ein langer Urteilsspruch", sagte der Anwalt. Für die Verkündung der Gerichtsentscheidung waren von vornherein zwei Tage angesetzt worden.

Ein weiterer Anwalt Sawtschenkos, Nikolai Polosow, sagte in Donezk, die Pilotin werde gegen ihr Urteil nicht angehen. Nach ihrer Ansicht habe der gesamte Prozess "mit Gerechtigkeit nichts zu tun". Sawtschenko wolle nach der Urteilsverkündung für zehn Tage auch die Flüssigkeitsaufnahme verweigern.

Anklage fordert 23 Jahre Haft

Sawtschenko soll laut Anklage im Sommer 2014 der ukrainischen Armee den Aufenthaltsort der Reporter in der Ostukraine mitgeteilt haben, woraufhin diese durch Granatbeschuss getötet wurden. Die 34-Jährige, die für ein regierungstreues Bataillon gegen die prorussischen Rebellen kämpfte, weist die Vorwürfe zurück.

Aus Protest gegen ihre Inhaftierung in Russland trat Sawtschenko während ihrer Zeit im Gefängnis bereits mehrfach in den Hungerstreik. Die Regierung in Kiew und ihre westlichen Verbündeten kritisieren den Prozess als politisch motiviert und fordern die Freilassung der Pilotin. Die Anklage fordert 23 Jahre Haft.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) will den Fall bei seinem bevorstehenden Besuch in Moskau ansprechen. Deutschland werde sich weiterhin für Sawtschenkos Freilassung einsetzen, sagte eine Ministeriumssprecherin am Montag in Berlin. Das Verfahren gegen die Ukrainerin verletze rechtsstaatliche Grundsätze.

Steinmeier reist nach Angaben seines Ministeriums am Dienstagabend nach Moskau, wo er am Mittwoch seinen Ministerkollegen Sergej Lawrow und Ministerpräsident Dmitri Medwedew treffen wird. Themen sollen dabei unter anderem die Lage in der Ukraine und in Syrien sein.

Ukraine beklagt Behinderungen

Eine ukrainische Abgeordnete beklagte am Montag, ihr sei die Einreise nach Russland und damit die Teilnahme am Prozess untersagt worden. Der russische Geheimdienst FSB habe ihr die Einreise verboten, erklärte Irina Geraschtschenko, die auf ukrainischer Seite regelmäßig an den Friedensgesprächen für die Ostukraine beteiligt ist.

Die Ukraine hatte entschieden, mehrere Vertreter zur Urteilsverkündung zu entsenden. Nach Geraschtschenkos eigenen Angaben wurde ihr die Einreise verweigert, weil sie "eine Gefahr die territoriale Integrität, die russische Verteidigungsfähigkeit und die öffentliche Gesundheit" sei.

Poroschenkos Ehefrau Marina rief indes die Frau von US-Präsident Barack Obama dazu auf, einen Aufruf für Sawtschenkos Freilassung zu unterstützen. "Liebe Michelle, ich hoffe, dass sich Deine Stimme der internationalen Kampagne anschließt", hieß es nach offiziellen Angaben aus Kiew in einem Brief.

Hinweis: Diverse Nachrichtenagenturen hatten am Montag zunächst berichtet, Nadeschda Sawtschenko sei bereits wegen Mordes verurteilt worden, dies ist jedoch falsch. Wir haben unseren Artikel entsprechend korrigiert.

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