Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Zuwanderungsrekord in Deutschland Zwei Millionen sind "nur die Untergrenze"

Im vergangenen Jahr wanderten zwei Millionen Ausländer nach Deutschland ein. Laut Statistischem Bundesamt liegt die tatsächliche Zahl aber noch höher. Und sogar über der Zahl der Geburten.

Nicht nur für Flüchtlinge und Armutsmigranten ist Deutschland das attraktivste Land Europas, auch auf regulärem Wege zieht es viele Ausländer in die Bundesrepublik. Wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Ergebnisse einer Schnellschätzung der Wanderungsstatistik mitteilt, wurde bis zum Jahresende 2015 ein Zuzug von knapp zwei Millionen ausländischen Personen registriert.

Gleichzeitig zogen rund 860.000 Ausländer aus Deutschland fort. Daraus ergibt sich ein Wanderungssaldo von 1,14 Millionen ausländischen Menschen. Das ist der höchste jemals gemessene Wanderungsüberschuss von Ausländern in der Geschichte der Bundesrepublik. Insgesamt hat sich die Zahl der registrierten Ausländer 2015 von 8,15 auf 9,11 Millionen erhöht. Mehr waren es nie seit der Einführung des Ausländerzentralregisters im Jahr 1967.

Allerdings muss nach Erkenntnissen des Statistischen Bundesamte davon ausgegangen werden, dass sowohl die Ergebnisse der Wanderungsstatistik als auch die der Ausländerstatistik für 2015 niedriger liegen als die tatsächlichen Zahlen, da nicht alle Flüchtlinge und Migranten zeitnah registriert wurden. Gunter Brückner, der im Bundesamt für die Ausländerstatistik zuständig ist, sagt der "Welt": "Die zwei Millionen beschreiben die Untergrenze. Wir wissen, dass die tatsächliche Zahl der Ausländer und Zugewanderten höher liegt, wir wissen aber nicht wie hoch genau."

Mehr Asylanträge als von 1953 bis 1989

Neben dem Anstieg der Zuzüge im Jahr 2015 um etwa 49 Prozent brachte das Jahr auch eine strukturelle Änderung der Zuwanderung mit sich: Während in den vergangenen Jahren bis 2014 die Migration zum großen Teil durch die Zunahme der Wanderungsbewegungen mit anderen EU-Ländern bestimmt und mit einem hohen Anteil an vorübergehenden Aufenthalten verbunden war, wird dies nach Zahlen der Statistiker nun überlagert durch die Zuwanderung durch Schutzsuchende.

Zwar stieg die Zahl der Asylanträge bereits seit 2007 Jahr für Jahr an, doch fast niemand sah die Entwicklung des vergangenen Jahres voraus, als mit etwa einer Million Menschen mehr Asylsuchende nach Deutschland kamen als in den Jahren von 1953 bis 1989 zusammen. Von der Einführung des gesetzlich geregelten Asylverfahrens im Jahr 1953 bis zum Fall der Berliner Mauer kamen insgesamt 0,9 Millionen Schutzsuchende. In den 24 Jahren von 1990 bis 2014 waren es rund 3,2 Millionen.

. (Foto: Infografik Die Welt)

Der starke Zuzug führte dazu, dass Deutschland 2015 mehr neue Bewohner durch Einwanderung als durch Geburten bei den Einheimischen hinzugewann. Die etwa eine Million Schutzsuchenden sowie die insgesamt etwa zwei Millionen Zugewanderten übertreffen die Zahl der Geburten bei Weitem. In den vergangenen zehn Jahren gab es jeweils grob gerundet etwa 700.000 Geburten, 2014 kamen in Deutschland etwa 715.000 Jungen und Mädchen zur Welt, unter ihnen laut Statistischem Bundesamt etwa ein Drittel mit Migrationshintergrund.

Eine zeitnahe Erfassung aller Schutzsuchenden war nicht möglich

Der für 2015 im Rahmen der Wanderungsstatistik ermittelte Wanderungssaldo von 1,14 Millionen – im Jahr 2014 waren noch 577.000 Ausländer mehr aus- als abgewandert – beruht auf einer erstmals vorgenommenen Schnellschätzung. Sowohl die Wanderungsstatistik als auch die Ausländerstatistik beruhen auf Verwaltungsdaten. Grundlage der Wanderungsstatistik und der Schnellschätzung bilden die Mitteilungen der Meldebehörden über die von ihnen erfassten An- und Abmeldungen sowie Berichtigungen an die Statistischen Ämter. Grundlage der Ausländerstatistik ist ein Auszug des Ausländerzentralregisters, in dem die Ausländerbehörden und Erstaufnahmeeinrichtungen die sich nicht nur vorübergehend in Deutschland aufhaltenden Ausländer erfassen.

Abgänge aus der Statistik ergeben sich nicht nur durch Fortzüge und die etwa 29.500 Todesfälle von Ausländern. Darüber hinaus wurden die Daten von 111.000 Personen wegen ihrer Einbürgerung aus dem Register gelöscht. Die genaue Zahl der Einbürgerungen wird zwar erst Mitte dieses Jahres veröffentlicht, doch nach Einschätzung von Bundesamtstatistiker Gunter Brückner "sollte sie der Zahl der Registerlöschungen durch Einbürgerung entsprechen. Im vergangenen Jahr wichen die beiden Datenquellen um 400 Fälle voneinander ab."

Der im Zentralregister erfasste Netto-Zuzug liegt mit 1,036 Millionen Personen unter dem Saldo der Wanderungsstatistik. Grund dafür ist unter anderem, dass Ausländerinnen und Ausländer bei kurzer beabsichtigter Aufenthaltsdauer nicht ins Zentralregister aufgenommen werden, in der Wanderungsstatistik aber erfasst sind. Auch Fehlbuchungen und Doppelerfassungen im Zentralregister sind denkbar.

Allerdings ist laut Bundesamt davon auszugehen, dass in beiden Statistiken die Zahl der Migranten vermutlich untererfasst ist, weil eine zeitnahe Erfassung aller Schutzsuchenden durch die Meldebehörden nicht möglich war. So seien möglicherweise Flüchtlinge auf die Kommunen verteilt worden, bevor sie in Erstaufnahmeeinrichtungen, Außenstellen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge oder durch die Bundespolizei registriert werden konnten.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

 
Für diese Seite sind keine Kommentare vorgesehen.
 
Einen schlechteren Präsidentschaftskandidaten als Donald Trump hat es nach Ansicht der "New York Times" nie gegeben.
"New York Times" über Donald Trump
"Der schlechteste Kandidat der modernen Geschichte"
Die syrische Luftwaffe setzt in Aleppo jetzt besonders tödliche Bomben ein.
Blutige Schlacht in Syrien
Aleppo soll in einer Woche fallen
Das Museum der Smithonian Institution enthält 36 000 Ausstellungsstücke. Foto: Jim Lo Scalzo
"Wir alle sind Amerikaner"
Museum für Schwarzen-Geschichte eröffnet
Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Flüchtlingsgipfel.
Flüchtlingsgipfel in Wien
Merkel will monatlich "mehrere Hundert" Migranten aufnehmen
Viktor Orban auf dem Flüchtlingsgipfel in Wien.
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán
EU soll in Libyen "gigantische Flüchtlingsstadt" errichten
Er ist für den türkischen Präsidenten der Staatsfeind Nummer eins: Fethullah Gülen.
Gülen bezichtigt Erdogan der Verschwörung
"Sie haben das Jahre geplant"
Deutschlands bekanntester Geheimagent steht bald vor Gericht.
Das Phantom Werner Mauss
Deutschlands geheimster Agent im Zwielicht
Am Flughafen in Düsseldorf griff die Polizei zu: Ein mutmaßlicher IS-Kämpfer war aus einem Trainingscamp zurückgekehrt.
Festnahme in Düsseldorf
Mutmaßliches IS-Mitglied am Flughafen gefasst
Beate Zschäpe ist die Hauptangeklagte im NSU-Prozess.
Beweismittel vernichtet?
NSU-Opferanwälte stellen Strafantrag gegen Bundesanwälte
Das Video zeigt die letzten Sekunden im Leben von Keith Lamont Scott auf einem Parkplatz in Charlotte.
Erschossener Afroamerikaner in Charlotte
"Schießt nicht auf ihn! Er hat keine Waffe!"
Eine Momentaufnahme aus dem September 2015: Vom Bahnhof Nickelsdorf aus reisen Flüchtlinge weiter nach Deutschland.
Österreichs Ex-Bundespräsident
Unwissenheit ist ein Hauptproblem in der Flüchtlingskrise
Österreichs Kanzler Christian Kern lädt am Samstag in Wien zum Flüchtlingsgipfel. Seit seinem Amtsantritt im Mai versucht er sich medienwirksam als Staatsmann zu profilieren.
Kern vor Flüchtlingsgipfel
"Mit dem bisherigen Tempo kann man nicht zufrieden sein"
Die CDU-Abgeordnete Bettina Kudla sorgte bereits zum zweiten Mal mit einem Tweet für Unmut in ihrer Partei.
Bettina Kudla sorgt für Eklat
Der verstörende Nazi-Tweet der CDU-Abgeordneten
Für seine Wähler ist Labour-Parteichef Jeremy Corbyn jene Lichtgestalt, die ein Ende des etablierten politischen Systems bringen soll.
Großbritannien
Warum Labours Irrelevanz für Europa gefährlich ist
Demonstration von Rechten: Im rechtsextremen Spektrum habe laut Ministerium vor dem Hintergrund der Flüchtlingsdebatte "die Widerstandsrhetorik zugenommen".
Innenministerium
Zahl fremdenfeindlicher Gewalttaten verdoppelt sich
Bundesinnenminister Thomas de Maizière will sich für die Themen Wohlfahrtspflege und Seelsorge einsetzen.
Thomas de Maizière
Mit Nichtintegration "bestätigen Muslime Vorurteile"
Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier spricht beim Unions-Kongress in Würzburg. Foto: Nicolas Armer
"Deutschlandkongress"
CDU und CSU bemühen sich um Einigkeit
Kein Durchkommen für Flüchtlinge: Soldaten der mazedonischen Armee patrouillieren am Grenzzaun zwischen Griechenland und Mazedonien.
Balkan-Route
Klarer Kurswechsel in der Flüchtlingskrise
Bundeskanzlerin Angela Merkel wird in Wien von ihrem österreichischen Amtskollegen Christian Kern begrüßt. Foto: Christian Bruna
Fokus auf EU-Außengrenzen
Flüchtlingsgipfel: Deutschland sichert weitere Hilfe zu
Max Mannheimer setzte sich seit den 1980er Jahren unermüdlich als Zeitzeuge für die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus ein. Foto: Andreas Gebert
Kämpfer gegen das Vergessen
Holocaust-Überlebender Max Mannheimer stirbt mit 96 Jahren