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Verheerende Seuche Ebola – eine Waffe aus dem Labor

Neue Ebola-Fälle zeigen: Das Virus ist in der Natur kaum auszurotten. Aber die Gefahr ist noch größer. Ebola kann als Kampfstoff künstlich hergestellt werden, schreibt Waffenexperte Hans Rühle.

Am 14. Januar verkündete die Weltgesundheitsorganisation (WHO), Westafrika sei "ebolafrei". Erstmals gebe es in Sierra Leone, Guinea-Bissau und Liberia seit 42 Tagen keinen neuen Fall mehr. Damit seien alle Übertragungswege unterbrochen. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon warnte noch: "Wir müssen mit einem erneuten Aufbäumen von Ebola in den kommenden Jahren rechnen."

Hans Rühle ist einer der führenden deutschen Experten für Massenvernichtungswaffen. (Foto: DPA)

Nur Stunden darauf starb in Sierra Leone erneut ein Mensch an der Krankheit. Und nachdem die WHO am 17. März auch dieses Aufbäumen für beendet erklärt hatte, dauerte es wiederum nicht einmal einen Tag, bis neue Fälle gemeldet wurden – diesmal aus dem Nachbarland Guinea. Am Samstag wurde zuletzt die Neuerkrankung einer Frau und ihres Sohnes im Süden des Landes verzeichnet. Vier Menschen sind in Guinea seither an Ebola gestorben.

Der Verlauf der Epidemie und die Defizite der Staaten und der WHO bei deren Bekämpfung werden jetzt aufgearbeitet. Bemerkenswert ist allerdings, dass sich über die Ursache der Seuche kaum jemand Gedanken macht. Offenbar unterstellt man schlicht einen Infektionsweg, der im afrikanischen Regenwald beginnt. Dabei muss eine Ebola-Epidemie keineswegs Zufall sein. Die Seuche kann gezielt von Menschen ausgelöst werden. Fast unbemerkt haben Hunderte Wissenschaftler daran gearbeitet, erhebliche Summen wurden investiert in die Waffe Ebola.

Am Übergang von der zufälligen zur absichtlichen Auslösung von Ebola steht ein bizarres Ereignis aus den 90er-Jahren. Als 1992 in Zaire eine Ebola-Seuche ausbrach, schickte die japanische Aum-Sekte, die im Westen erst 1995 durch ihren Sarin-Anschlag auf die Tokioter U-Bahn bekannt werden sollte, eine 40 Mann starke Hilfstruppe in die heutige Demokratische Republik Kongo. Unter der Leitung des Sektenführers Shoko Asahara sollte das Team in verschiedenen Krankenhäusern bei der Bekämpfung der Seuche Hilfe leisten – so die offizielle Version. Die sogenannte African Salvation Tour der Sekte diente jedoch nach Erkenntnissen einer offiziellen Untersuchungskommission ausschließlich dazu, Ebola-Viren zu sammeln, um biologische Waffen herzustellen.

60.000 Russen arbeiteten an Bio-Waffen

Seiichi Endo, der "Gesundheits- und Wohlfahrtsminister" der Sekte, diskutierte in einer Radiosendung im Jahr 1994 ganz offen die Verwendung von Ebola als Kampfmittel. Kurze Zeit später prognostizierte er in einem Buch, dass "neue Erreger und biologische Waffen, die durch gentechnische Verfahren entwickelt werden, im nächsten Weltkrieg zum Einsatz kommen". Ob die African Salvation Tour der Aum-Sekte erfolgreich war und Ebola-Viren in ihren Besitz kamen, ist unbekannt. Biologische Waffen auf der Basis von Ebola sind jedenfalls von Endo und seinen Helfern nicht eingesetzt worden. Andere waren jedoch erfolgreicher.

Die Sowjetunion begann 1973 mit dem Aufbau eines riesigen Programms der Herstellung biologischer Waffen – übrigens nur wenige Monate nachdem sie das internationale Abkommen zum Verbot biologischer Waffen unterzeichnet hatte. In den 80er-Jahren arbeiteten 60.000 Personen in diesem offiziell nicht existenten Bereich strategischer Rüstung in der Sowjetunion. Ohne Übertreibung konnte Ken Alibek, ein führender Vertreter der sowjetischen Biowaffenforschung, nach seiner Flucht in den Westen rückwirkend feststellen, die Sowjetunion sei vor ihrem Untergang "zur größten und einzigen biologischen Supermacht der Welt" aufgestiegen.

Von alldem bekam der Westen nichts mit. Einen ersten Hinweis fand man erst im November 1987, als die strategische Aufklärung der USA bei der Überwachung der Tests sowjetischer Interkontinentalraketen ungewöhnliches Flugverhalten feststellte, für das es zunächst keine Erklärung gab. Es dauerte ein Jahr, bis das Rätsel gelöst war: Die Gefechtsköpfe wurden massiv herabgekühlt – die georteten neuen Geräte im Umfeld der Startrampen waren Kühlaggregate. Doch es dauerte noch einmal ein halbes Jahr, um diese seltsame Variante tiefgekühlter Raketen plausibel zu erklären.

Wenn die Nutzlast von Raketen gekühlt wurde, konnte es sich nicht um traditionelle Gefechtsköpfe handeln, denen die beim interkontinentalen Flug entstehende Hitze nichts hätte anhaben können. Die extreme Kühlung sollte offenbar einen anderen Inhalt schützen – Leben. Diese Schlussfolgerung wurde eines der bestgehüteten Geheimnisse der amerikanischen Geheimdienste: Die Sowjetunion testete offensichtlich den Einsatz von lebenden Organismen. Offenbar betrieb Moskau ein hoch entwickeltes Programm zur offensiven biologischen Kriegsführung und bereitete einen möglichen Einsatz dieser verbotenen Waffenkategorie vor.

Verschiedene Viren zu neuen Seuchen kombiniert

Von da an ging alles ganz schnell. 1989 setzte sich Wladimir Passetschnik, einer der führenden sowjetischen Wissenschaftler im Bereich biologischer Waffen, in den Westen ab. Drei Jahre später folgte ihm Ken Alibek, der den westlichen Experten in Befragungen eine neue, furchterregende Welt eröffnete. Von Alibek stammten auch die ersten Informationen über den Umgang sowjetischer Wissenschaftler mit dem hochgefährlichen Ebola-Virus. Beschafft hatten sich Moskaus "Bioweaponeers" die Grundausstattung mit Ebola-Viren durch den ganz legalen wissenschaftlichen Austausch zwischen einer weißrussischen Forschungseinrichtung und einem belgischen Institut für Tropenmedizin.

Mitte der 80er-Jahre gelang es den sowjetischen Wissenschaftlern, waffenfähige Varianten des Ebola-Virus herzustellen. Das bedeutet, dass sie die Erreger stabil, transportfähig und unempfindlich gegen Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen machen konnten und Verfahren entwickelten, um sie in ausreichender Qualität über größeren Gebieten freizusetzen. Alibek bestätigte 2003 ausdrücklich, dass seine damaligen Kollegen den Ebola-Erreger militärisch verwendbar gemacht hatten.

Supermacht der geächteten Kampfmittel: Ein russischer Soldat bei einer ABC-Waffen-Übung im Gebiet von Wolgograd im Frühjahr 2013. Die Sowjetunion experimentierte intensiv mit dem militärischen Einsatz verschiedener Seuchen. Russland erbte das Know-how. (Foto: picture alliance / dpa)

In jenem Jahrzehnt vor dem Ende des Ostblocks begann auch das Zeitalter der Genmanipulation und eröffnete auch den sowjetischen Wissenschaftlern ungeahnte Möglichkeiten. Wie Emigranten später berichteten, wurde noch zu Sowjetzeiten eine Verbindung von Ebola und Pest untersucht und wohl auch verwirklicht. Doch das war noch nicht das Ende der Geschichte. Die Genmanipulation ermöglichte nicht nur die Einbringung fremder Gene in ein Bakterium oder Virus, sondern die Verschmelzung der Genome von verschiedenen Viren zu einer völlig neuen Art, einem hybriden Virus.

Die Sowjetunion und später Russland haben diesbezüglich längst anwendungsfähige Projekte entwickelt. Dem Horror – etwa durch eine Chimäre aus Pocken und Ebola – sind dabei kaum noch Grenzen gesetzt. Sergei Popow, ein ehemaliger sowjetischer Wissenschaftler, wies nicht ohne Grund darauf hin, in der Sowjetunion beziehungsweise in Russland seien Kombinationen von Viren erforscht worden, die ihre Opfer in wandelnde "Ebola-Bomben" verwandeln würden.

Man braucht keine Viren aus der Natur, um Ebola herzustellen

Sicher ist, dass die Arbeit am Kampfstoff Ebola auch nach dem Untergang der UdSSR weiterging. Dies ergibt sich aus der bis heute andauernden Veröffentlichungspraxis einschlägiger russischer Wissenschaftler. Aber auch anderswo machte man Fortschritte. Im August 2002 meldete ein Forscherteam der State University of New York in Stony Brook den erfolgreichen Versuch, das Polio-Virus künstlich zu erzeugen. Verwendet wurden ausschließlich allgemein zugängliche Chemikalien und das veröffentlichte Genom des Virus. Wie die Wissenschaftler schreiben, hatte "das synthetische Virus die biochemischen und pathogenen Charakteristika des Polio-Virus".

Prinzipiell war damit auch der Weg für die künstliche Produktion weiterer Viren frei. Ausdrücklich genannt wurde in diesem Kontext das Ebola-Virus. Begründung: Ebola-Erreger seien schwer zu beschaffen, was "potenzielle Waffenhersteller" in einschlägig interessierten Staaten veranlassen könnte, das Virus im Labor zu konstruieren.

Inzwischen steht fest, dass neben einer Reihe anderer Viren auch das Ebola-Virus im Labor tatsächlich hergestellt wurde. Das meldeten Forscher aus Europa und den USA zu Anfang des Jahrtausends in der Fachpresse. Für Biowaffenexperten war damit klar, dass es nunmehr "keine Notwendigkeit mehr gibt, das Ebola-Virus von einem erkrankten Patienten zu isolieren, von einer Virenbank zu erwerben oder aus der Natur zu kultivieren". Die einzige Einschränkung bezog sich auf den Hinweis, dass im Augenblick die Konstruktion eines Ebola-Virus nur in wenigen hoch spezialisierten Instituten durchgeführt werden könne. Doch die Forscher machten sich keine Illusionen: Die neue Erfindung von heute ist Standard von morgen oder übermorgen.

Darum muss sich der Blick auf Ebola weiten: Die Seuche könnte in Zukunft mehr sein als nur ein Problem des guten Gesundheitsmanagements. Sie kann nicht nur einfach so aus dem Urwald kommen. Sie stellt eine Bedrohung dar, der man nicht erst in der Reaktion begegnen kann. Denn Gefahren verschwinden nun einmal nicht dadurch, dass man vor ihnen die Augen verschließt.

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