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17-jähriger Dschihadist aus Hamburg Bilials Botschaft

Bilial ist 17 Jahre alt. Er kommt aus Hamburg. Er zieht in den Dschihad - und stirbt in Syrien. Kurz vor seinem Tod hat er noch eine Botschaft aufgenommen - es ist eine eindringliche Warnung.

Die Unterstützung des bewaffneten Dschihad, des heiligen Krieges, ist das Ziel vieler Salafisten, auch aus Deutschland. In seiner Propaganda, verbreitet etwa in Youtube-Clips, zeichnet die Terrormiliz Islamische Staat (IS) das Bild eines vermeintlich heroischen Kampfes im Namen Gottes, der brüderlich von jungen Männern Seite an Seite geführt wird. Mit dieser Medienstrategie zielt der IS vor allem auf neue westliche Rekruten ab. Doch die Realität sieht anders aus: Europäische Dschihadreisende erleben mitunter genau das Gegenteil und lassen für dieses Trugbild oft ihr Leben.

Wie das Leben an der Front in Syrien und im Irak wirklich aussieht, ist Inhalt einer Audiodatei, die der Hamburger Verfassungsschutz veröffentlicht hat. Die Aufnahme ist das letzte Lebenszeichen eines im Dschihad-Gebiet ums Leben gekommenen jungen Hamburgers, der kurz vor seinem Tod im Juli vergangenen Jahres mit dem IS abrechnet. Als er stirbt, ist er erst 17 Jahre alt.

Die Veröffentlichung sei als Warnung an junge Menschen gedacht, die mit dem IS sympathisieren oder womöglich über einen Anschluss an die Organisation nachdenken, sagte Marco Haase, der Sprecher des Landesamts. Aber auch als Information für das Umfeld von möglicherweise sich radikalisierenden jungen Erwachsenen.

Bereits mit 14 erste Kontakte zur salafistischen Szene

Wie der Verfassungsschutz mitteilt, kam der in der salafistisch-dschihadistischen Szene als "Bilal" bekannte Hamburger schon als Kleinkind aus einem zentralafrikanischen Land nach Deutschland. Bereits mit 14 Jahren soll er erste Kontakte zur salafistischen Szene gepflegt und sich in den Folgejahren radikalisiert haben. Er beteiligt sich an salafistischen Koranverteilungsständen der sogenannten "LIES"-Kampagne des in Köln lebenden Salafistenpredigers Abou Nagi, findet so weiteren Anschluss an die salafistische Szene. Im Mai 2015 reist er in die Kriegsgebiete aus.

Versprochen worden seien ihm "eine Frau, ein Haus und ein geregeltes Einkommen in Syrien", erklärt Haase. "Bilal findet allerdings gar nichts von dem vor, was er und andere sich erhofft hatten." Im Gegenteil: Sie werden weder ausgebildet noch können sie sich frei bewegen. Statt dessen werden sie "ohne Plan" in den Kampf geschickt.

"Der Amir, Bruder, […] sagt einfach zu denen: ,Ja, kämpft einfach. Geht einfach nach vorne, stürmt einfach nach vorne.' Die fragen 'Ja – haben wir keinen Plan, haben wir keine Taktik?' und so. Er sagt 'Nein. Kämpft einfach.' und so. Er schickt die einfach in den Tod. Das ist so, du kannst gleich ne Pistole nehmen und dir in [den] Kopf schießen. […] Die schicken die Brüder einfach in den Tod."

Hunderte Dschihadisten allein in Hamburg

Seine Eindrücke und Erlebnisse fasst der 17-Jährige kurz vor seinem Tod in der Audiobotschaft zusammen. Er schickt sie über des Internet nach Hamburg an seine Glaubensbrüder – um sie zu warnen, glaubt der Verfassungsschutz. Haase: "Sie räumt auf mit der romantisierenden Vorstellung des Dschihad und entlarvt die Propaganda des IS als Lügengebilde."

Laut dem Landesamt werden in Hamburg derzeit 460 Personen der salafistische Szene zugerechnet. "Davon sind gut 270 Personen Dschihadisten, also solche Salafisten, die den bewaffneten Dschihad im Sinne der Ideologie al-Qaidas oder des IS befürworten", sagt Sprecher Haase. "Gut 65 Personen haben bisher versucht, in die Bürgerkriegsgebiete in Syrien und Nord-Irak auszureisen. Etwa ein Drittel davon ist zurückgekehrt.

Von etwa 15 Personen gibt es Hinweise, dass sie ums Leben gekommen sind. Gegen bislang gut 20 Personen verhängten die Hamburger Sicherheitsbehörden bislang ausreiseverhindernde Maßnahmen."

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