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Anschläge in Brüssel Die schmutzige Handschrift des Islamischen Staats

Nach den tödlichen Anschlägen von Brüssel bekennt sich der IS zu den Attacken. Eine Frage, die die Ermittler beschäftigt: Gibt es eine Verbindung zur Gruppe des verhafteten Salah Abdeslam?

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat sich zu den Brüsseler Anschlägen vom Dienstag bekannt. Die Selbstbezichtigung wurde am Nachmittag bekannt. Stunden vorher hatten zwei Explosionen am Brüsseler Flughafen und eine weitere in einer Metrostation in der Innenstadt mindestens 31 Menschen in den Tod gerissen und mindestens 187 weitere verletzt.

Die Extremisten erklärten, ihre Kämpfer hätten am Flughafen das Feuer eröffnet, "mehrere" von ihnen hätten Sprengstoffgürtel gezündet. In der Metro habe ein weiterer Selbstmordattentäter zugeschlagen. Grund der Attacke sei Belgiens Unterstützung für die internationale Koalition gegen den IS.

Alle neue Entwicklungen: hier im Liveticker zu den Anschlägen in Brüssel

Der IS hatte sich im November auch der Terrorwelle in Paris bezichtigt. Damals waren 130 Menschen ums Leben gekosalaghmmen. Erst am Freitag vergangener Woche war der mutmaßliche Mittäter Salah Abdeslam in Brüssel gefasst worden. Belgien gilt als Hochburg islamistischer Extremisten. Die Pariser Attentate sollen dort geplant worden sein.

Tatsächlich deuten einige Merkmale der Brüsseler Anschläge auf eine Urheberschaft des IS hin: Bomben, die an verschiedenen Orten fast zeitgleich detonieren und sich wahllos gegen Zivilisten richten, sorgfältig darauf kalkuliert, eine möglichst hohe Zahl von Opfern zu fordern.

In den sozialen Netzwerken feiern schon seit dem frühen Morgen die "IS-Fanboys", wie die Anhänger der Extremistengruppe genannt werden. Einige geben sich enttäuscht, dass "nicht hunderte oder tausende" von Menschen getötet wurden. Andere scheinen besser informiert zu sein: "Habe eine Nachricht von jemand beim Islamischen Staat an die Unterstützer in Belgien erhalten. Er sagte: Wir sind gekommen, um euch abzuschlachten."

Video - Augenzeuge: "Nah genug, um das Beben im ganzen Körper zu spüren"

 

Das sind keine offiziellen Bekenntnisse der Terrorgruppe. Aber die Tweets entsprechen einem bekannten Muster. Schon in der Vergangenheit wurden die Unterstützer über die Urheberschaft im Netz informiert und feierten entsprechend im Netz, bevor der IS einige Zeit später selbst die Verantwortung für die jeweilige Tat übernahm.

Wenn man als Journalist mit einem IS-Mitglied Kontakt aufnimmt, das sich nach eigenen Angaben in Syrien oder im Irak befindet, bekommt man weder ein Bekenntnis noch ein Dementi. Die knappe Antwort auf die Frage der Welt: "Hoch lebe der Islamische Staat."

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Am Freitag herrschte in Brüssel noch Hochstimmung. "Wir haben ihn!" Mit diesen Worten hatte der belgische Minister für Migration Theo Francke stolz die Verhaftung von Salah Abdeslam bekannt gegeben. Es sollte ein Wendepunkt im Kampf gegen den IS sein. Nach Monaten einer erfolglosen Fahndung, war der letzte Drahtzieher der Paris-Attentate vom November endlich gefasst worden. Aber diese Freude war verfrüht, wie die Anschläge von Brüssel nun zeigen. Die Paris-Zelle des IS scheint personell wesentlich umfangreicher zu sein, als bisher angenommen.

Abdeslam "kollaboriert und kommuniziert" mit den Behörden, erzählte sein Anwalt Sven Mary dem belgischen Fernsender RTBF. "Er ist von höchster Wichtigkeit für diese Untersuchung. Er ist Goldes wert." Aber letztendlich erwies er sich doch nicht als der Goldjunge, wenn bei neuen Bombenattentaten 34 Menschen sterben und mehr als 100 verletzt werden.

Video - Gibt es eine Verbindung zwischen den Anschlägen in Brüssel und Abdeslam und seinen Komplizen?

 

"Ich bin froh, dass es vorbei ist. Ich konnte es nicht mehr aushalten." So wurde Abdeslam nach seiner Verhaftung zitiert und das lässt nicht auf Professionalität eines abgebrühten Terroristen schließen. Eher scheint er eine kleine Leuchte zu sein. Wenn er schon bereitwillig aussagt und sich selbst zum Verräter innerhalb der Dschihadisten-Szene stempelt, dann hätte er die Sicherheitsbehörden über die geplanten Attentate aufklären können. Aber wahrscheinlich war er in die Details gar nicht nicht eingeweiht und als meist gesuchtester Mann Europas ein heißes Eisen für seine Terrorkollegen.

Auf der Flucht befinden sich mindestens noch zwei Männer, von denen wohl einer eine übergeordnete Rolle spielen dürfte. Das ist Nadschim Laachraoui, ein gebürtiger Marokkaner, der in Brüssel aufgewachsen ist. Seine DNA wurde im Haus in Auvelais im Süden Belgiens gefunden sowie in einer Wohnung im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek.

Seine DNA soll auch an mindestens zwei Sprengstoffgürteln der Paris-Attentate gefunden worden sein. Einer davon explodierte vor dem Bataclan Theater, der andere vor dem Stade de France.

Laachraoui hat Elektromechanik studiert und wird für den Sprengstoffbaumeister des französisch-belgischen Netzwerks gehalten. Er war im Februar 2013 nach Syrien ausgereist und lernte dort seine Terrorhandwerk. Seit 2014 wurde er mit Haftbefehl gesucht.

Unter dem falschen Namen Soufiane Kayal kam er wieder nach Belgien zurück, um Anschläge für den IS auszuführen. Nach Auswertung der Kommunikation der Paris-Attentate mussten die französischen Behörden feststellen, dass Laachraoui und der inzwischen getötete Mohammed Belkaid alias Samir Bouzid von Brüssel aus ihre Männer in Frankreich gesteuert hatten.

Der zweite Mann, der ebenfalls ganz oben auf der Fahndungsliste steht ist Mohammed Abrini. Der 31-Jährige war zwei Tage vor den Anschlägen in Paris von einer Überwachungskamera einer Tankstelle in Ressons-sur-Matz aufgenommen worden. Er war damals mit dem jetzt verhafteten Abdeslam auf der Autobahn nach Paris unterwegs gewesen. Von Abrini scheint kaum etwas bekannt zu sein.

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Wie viele andere Terroristen der Fahndung in Frankreich und Belgien entgangen sind, weiß niemand. Nur eins ist sicher: Für die Vorbereitung und Durchführung der Anschläge am Flughafen und in der Metro von Brüssel bedarf es mehr als die zwei Männer, die aktuell gesucht werden. Man kann auch davon ausgehen, dass der Sprengmeister Laachraoui nicht unter den Selbstmordattentätern ist.

Er wird für spätere Zwecke noch gebraucht und dürfte unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen unterwegs sein. Er wird mehrere Pässe haben, spezielle Kontaktpersonen und eigene sichere Unterkünfte. Als Experte ist er eigentlich zu wertvoll, um ihn in die Luft zu jagen. Wird Laachraoui nicht geschnappt, kann man sich in Belgien und im Rest von Zentraleuropa auf weitere perfide Bomben gegen Zivilisten an öffentlichen Orten einstellen.

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