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Anschläge in Brüssel Belgien jagt flüchtigen Terrorverdächtigen

Der IS hat das Herz Europas attackiert. In Brüssel töteten Terroristen mindestens 34 Menschen. Belgiens Polizei fahndet nach einem Verdächtigen. Ein Taxifahrer spielt dabei eine wichtige Rolle.

Nach den Anschlägen in der belgischen Hauptstadt Brüssel fahndet die Polizei fieberhaft nach einem flüchtigen Terrorverdächtigen und möglichen Hintermännern. Spezialeinheiten durchsuchten bis zum frühen Morgen Gebäude in der Brüsseler Gemeinde Schaerbeek. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden in einer Wohnung eine Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sowie ein Sprengsatz mit Nägeln und chemische Substanzen gefunden.

Der IS hatte sich zuvor zu den Anschlägen auf den Flughafen und eine U-Bahn-Station bekannt. Dabei waren am Dienstag mindestens 34 Menschen getötet und etwa 230 weitere verletzt worden.

Auf die Spur nach Schaerbeek führte die Ermittler einem Medienbericht zufolge ein Taxifahrer. Der Mann habe dort drei Männer von einer Wohnung abgeholt und zum Flughafen gefahren, berichtete der Sender VRT. Dabei sei ihm aufgefallen, dass die Fahrgäste sich nicht mit dem Gepäck helfen lassen wollten.

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Die Polizei veröffentlichte ein Bild einer Flughafen-Überwachungskamera, das drei Männer zeigt. Zwei von ihnen sprengten sich nach Angaben von Innenminister Jan Jambon als Selbstmordattentäter in die Luft. Die Bombe des dritten Mannes explodierte jedoch nicht. Nach ihm werde gefahndet, sagte Jambon dem US-Sender CNN. Er wurde einem Regierungsvertreter zufolge dabei beobachtet, wie er aus dem Flughafengebäude rannte. Er trug keine Handschuhe. Später machte die Polizei im Flughafengebäude einen dritten Sprengsatz unschädlich, der zuvor nicht detoniert war und offenbar von dem Verdächtigen deponiert worden war.

Örtlichen Behörden zufolge zeigen Bilder der Videoüberwachung auch, wie er einen Gepäckwagen in der Ankunftshalle plötzlich stehen lässt und wegläuft. Das Trio hatte sich demnach kurz nach seiner Ankunft am Flughafen getrennt und in der Abflughalle verteilt. Unklar blieb, ob der Anschlag in der U-Bahn-Station Maelbeek ebenfalls ein Selbstmordattentat war oder ob eine dort deponierte Bombe explodierte.

IS droht mit weiteren Anschlägen

Der IS erklärte, die "Kreuzritter-Allianz" werde wegen "ihrer Aggressionen" gegen den IS "schwarze Tage" erleben. Belgien beteiligt sich mit Kampfjets an Einsätzen gegen den IS, der in Syrien und im Irak großen Landesteile kontrolliert. Brüssel ist Sitz der EU und des Nato-Hauptquartiers. US-Präsident Barack Obama sagte dem Sender ESPN, die von den USA angeführte Anti-IS-Koalition werde ihren Einsatz gegen die Miliz fortsetzen

Gleichzeitig drohte der sogenannte Islamische Staat weiteren am Anti-IS-Kampf beteiligten Ländern mit Angriffen. Die Terrormiliz schrieb in einer aktualisierten Verlautbarung, den gegen sie kämpfenden Nationen drohten "dunkle Tage". "Was kommt, ist schlimmer und bitterer", hieß es.

Sicherheitskräfte wappnen sich für weitere Bluttaten

Der belgische Ministerpräsident Charles Michel sagte, die Sicherheitskräfte wappneten sich gegen weitere Bluttaten. Am Abend fuhren laut Nachrichtenagentur Belga Militärfahrzeuge mit schwerbewaffneten Soldaten am Flughafen vor, um das Areal zu sichern. Der Flugverkehr soll frühestens am Donnerstag wieder aufgenommen werden können.

In Schaerbeek hob die Polizei am frühen Mittwochmorgen eine Sicherheitszone auf, die für die Durchsuchungen eingerichtet worden war. Anwohner konnten in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren.

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In ganz Europa herrscht seit den Anschlägen Terrorangst, vielerorts wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Die US-Regierung warnt ihre Bürger angesichts der jüngsten Anschläge vor Gefahren bei Reisen nach Europa. Mögliche Ziele von Attentätern seien etwa Touristenattraktionen oder Sportveranstaltungen.

Belgien rief die höchste Alarmstufe aus, mobilisierte Soldaten sowie zusätzliche Polizisten. Die belgischen Atomkraftwerke Tihange und Doel wurden aus Sicherheitsgründen größtenteils evakuiert. Auch Deutschland und viele andere Staaten verschärften Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen und Bahnhöfen.

De Maizière fordert besseren Informationsaustausch in Europa

Eine eindeutige Verbindung zu den Terroranschlägen vom 13. November in der französischen Hauptstadt konnten die Ermittler zunächst nicht herstellen, wie Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw erklärte. Erst am Freitag war in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek Salah Abdeslam festgenommen worden. Dieser soll an der Pariser Anschlagsserie mit 130 Toten maßgeblich beteiligt gewesen sein. Ob die Brüsseler Anschläge ein Racheakt für seine Festnahme waren, ist unklar. Sicherheitsexperten erklärten allerdings, derartige Anschläge bedürften einer längeren Vorbereitung.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière geht davon aus, dass das Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen England am Samstag in Berlin gleichwohl stattfinden kann. "Wir haben keine Hinweise auf eine Sicherheitsgefährdung, und wir wollen – wenn es irgendwie geht – unser freiheitliches Leben nicht durch den Terror beeinflussen lassen", sagte er dem "RTL Nachtjournal".

De Maizière forderte erneut einen besseren Austausch sicherheitsrelevanter Daten in Europa. Es gebe immer noch "getrennte Datentöpfe der Ausländerbehörden, der Visa-Behörden, der Polizeibehörden, der Nachrichtendienste", sagte der CDU-Politiker in einem ZDF-"Spezial". Diese müssten besser miteinander verknüpft werden. "Es kann nicht sein, dass Datensilos Vorbeugung verhindern."

EU kommt zusammen und erwägt zusätzliche Maßnahmen

Zu den Terroranschlägen von Brüssel soll es in Kürze ein Sondertreffen der für Innere Sicherheit zuständigen EU-Minister geben. Wie die niederländische EU-Ratspräsidentschaft mitteilte, könnte es bereits an diesem Donnerstag organisiert werden. Belgien habe um ein Treffen gebeten, erklärte der für Sicherheit und Justiz zuständige niederländische Minister Ard van der Steur. Ein ähnliches Sondertreffen hatte es nach den Anschlägen von Paris im vergangenen November gegeben.

Als Reaktion auf die Anschläge erwägt die EU-Kommission nach Informationen der "Welt" die Einführung von Sicherheitskontrollen, die bereits vor Eintritt in das Flughafengebäude stattfinden sollen. "Das macht Sinn, weil dann alle Besucher von Flughäfen schon vor Betreten der Terminals überprüft würden", hieß es in hohen Kommissionskreisen. Anders als Flughäfen seien allerdings U-Bahnen deutlich schwerer zu schützen. "IEin Nullrisiko in U-Bahnen ist unmöglich", hieß es.

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In Gedenken an die Opfer rief die Regierung eine dreitägige Staatstrauer aus. In der Brüsseler Innenstadt legten Menschen am Abend Blumen nieder und stellten Kerzen auf. Die Brüsseler Regionalregierung rief zu einer Schweigeminute am Mittwochmittag auf.

Aus Solidarität mit den Opfern wurden zudem am Abend Wahrzeichen europäischer Hauptstädte in den Nationalfarben Belgiens angeleuchtet, darunter das Brandenburger Tor in Berlin und der Pariser Eiffelturm.

Der Zugverkehr soll sich am Mittwoch wieder normalisieren. Die Thalys-Hochgeschwindigkeitszüge sollen dann ihre Fahrten wieder aufnehmen. Sie fahren unter anderem von Nordrhein-Westfalen über Brüssel nach Paris. Auch die Deutsche Bahn will ihre ICE von Frankfurt nach Brüssel und zurück ab Mittwoch wieder regulär einsetzen. Die Eurostar-Züge zwischen London und Brüssel sollen am Mittwoch ebenfalls zum normalen Verkehr zurückkehren.

 

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