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Presseschau zu Brüsseler Anschlägen Auch Obama trägt eine Mitschuld am Terror

Die Kommentatoren beschäftigen sich mit den Folgen der Terroranschläge von Brüssel. Es gibt viele Versäumnisse der Europäer, doch die Schuld tragen sie nicht allein.

Die Kommentare der Presse beleuchten die Folgen des Terroranschlags in Brüssel. Die Frage nach verschärften Sicherheitsmaßnahmen beschäftigt viele Kommentatoren. Einige fordern strengere Sicherheitsvorkehrungen und werfen den belgischen Behörden schwere Fehler vor. Andere wiederum mahnen, die Freiheit nicht der Sicherheit zu opfern. Vollständiger Schutz sei nicht möglich, schreibt die "taz". Viele warnen vor zunehmenden Ressentiments gegen Muslime. Die "Times" nimmt auch Präsident Obama in die Pflicht.

Aktuelle Informationen zu den Anschlägen in Brüssel finden Sie im N24-Liveticker

"The Times" (Großbritannien)

Nach den Terroranschlägen von Brüssel meint die britische Zeitung "The Times", auch Obama trage Mitschuld. Das konservative Blatt schreibt am Mittwoch: "Die Rückkehr der im Bombenbauen ausgebildeten Dschihadisten nach Europa wird in der US-Regierung weitgehend als Folge der europäischen Inkompetenz gesehen, den Zustrom junger, frustrierter junger Männer aus Nordafrika oder dem Nahen Osten zu kontrollieren, die radikalisiert und auf der Suche nach einem Engagement sind. Doch die USA sind nicht immun gegen diese Form des Terrorismus, noch sind sie frei von Verantwortung.

Der Dschihad - und es ist keine Panikmache, von einem Gotteskrieg zu sprechen - ist durch den Rückzug der USA aus dieser turbulenten Region ermutigt worden. Und die Wurzel dieser Gleichgültigkeit ist Obamas Selbstbezogenheit, sein Glaube, dass die USA sich um das großartigere Problem des Weltfriedens kümmern sollte."

"El País" (Spanien)

Zu den Terroranschlägen in Brüssel schreibt die linksliberale spanische Zeitung "El País" (Madrid) am Mittwoch: "Die dschihadistischen Attentate in Brüssel bedeuten eine echte Herausforderung für die Europäische Union. Sie zeigen, dass alle EU-Bürger in jedem Augenblick Opfer terroristischer Gewalt werden können. Es ist daher eine gemeinsame Reaktion aller EU-Staaten notwendig, und zwar auf politischer, militärischer, polizeilicher und geheimdienstlicher Ebene.

Wenn der alte Kontinent den Krieg gegen den Dschihadismus gewinnen will, muss er einen europäischen Plan aufstellen. Der Terrorismus ist neben der Migration die größte Herausforderung. Die Flüchtlinge, die nach Europa kommen, fliehen vor denselben Terroristen, die unsere europäischen Städte angreifen. Frankreich zog es nach den Anschlägen von Paris vor, im Alleingang zu agieren. Dies erwies sich als ein Fehler."

"The Telegraph" (Großbritannien)

Nach den Terroranschlägen von Brüssel schreibt die britische Zeitung "The Telegraph" am Mittwoch: "Es ist verlockend, die jüngsten Anschläge im Zusammenhang mit der großen Migrationskrise zu sehen, die Europa im vergangenen Jahr in den Abgrund gezogen hat. Ein Gebiet, das keine interne Grenzen hat, muss sich in Fragen seiner Sicherheit auf die Stärke seiner äußeren Grenzen verlassen können - diejenigen der Europäischen Union waren angesichts dieser Aufgabe auf beklagenswerte Weise ungenügend. Aber die Bedrohung des islamistischen Terrors lässt sich vor der Migrationskrise, dem Krieg in Syrien und dem Aufstieg der Terrormiliz Islamischer Staat zurückdatieren."

"Frankfurter Allgemeine Zeitung"

"Es ist ein schwarzer Tag für Europa, es ist ein furchtbarer Morgen für Belgien ... Mutmaßlich islamistische Terroristen schlugen zu, wieder gegen ,weiche' Ziele, nur wenige Tage nach der Festnahme eines der mutmaßlichen Terroristen von Paris. Die Sicherheitsbehörden hatten zwar mit Anschlägen gerechnet, aber dass die ,Vergeltung' quasi auf dem Fuß folgen würde, damit war nicht zu rechnen.

Allein das zeigt den Organisationsgrad der Terroristen, ihre Vernetzung, ihre Reaktionsschnelligkeit und die Fähigkeit, an fast jedem Ort anzugreifen. Wer noch immer nicht wahrhaben will, mit welchem Gegner man es zu tun hat – einem Gegner, der seine blutige Spur durch Europa zieht –, dem ist nicht mehr zu helfen. Gegen die islamistischen Feinde der freiheitlichen Welt stehen die Sicherheitsbehörden zwar nicht auf völlig verlorenem Posten, aber zu beneiden sind sie nicht."

"Süddeutsche Zeitung"

"Auch wenn ihre Art, Schrecken zu verbreiten, ähnlich ist, sind die Attentäter viel unterschiedlicher, als dies der oft benutzte Begriff ,Islamisten' vermuten lässt. Die große Mehrzahl der Terroropfer weltweit sind selbst Muslime; Millionen Muslime fliehen vor diesem Terror. Wenn allerdings, wie jetzt in Brüssel, mitten in Europa Dutzende getötet werden, ist die globale Aufmerksamkeit deutlich größer als beim alltäglichen Terror im Irak oder in Afghanistan. Öffentlichkeit, die digitale Verbreitung einer Mordtat, vergrößert ihre angestrebte Wirkung. Nie hatten die Fanatiker eine besser ausgeleuchtete Bühne als im Jahrhundert des Internet."

"taz"

"Die Anschläge von Paris im November richteten sich gegen Orte, an denen Menschen gerne ihre Freizeit verbringen. Die Bomben in Brüssel zielten auf die Fähigkeit zur Mobilität – die Lebensader moderner Staaten. Der Terror soll Entsetzen in der gesamten Gesellschaft hervorrufen. In seinem Fadenkreuz stehen nicht Repräsentanten von Staat oder Wirtschaft. Sondern alle. Den Terroristen ist es egal, wen ihre Taten treffen. Es könnten sogar Sympathisanten der Attentäter unter den Opfern sein. Die hätten dann eben Pech gehabt, so wie die anderen auch. Vollständiger Schutz vor Anschlägen ist nicht möglich. Nicht einmal dann, wenn Staaten und deren Regierungen im uralten Spannungsbogen zwischen Sicherheit und Freiheit künftig ausschließlich auf das größtmögliche Maß an Sicherheit setzen und dafür Bürgerrechte einschränken. Wie sich in diesen Tagen auch in der Türkei zeigt. Deren Regierung wahrlich keine Hüterin der Freiheitsrechte ist."

"Der Tagesspiegel"

"Brüssel, das Herz von Europa. Brüssel, das Herz des Terrors. Riesige Sicherheitslücken treten zutage, und die lassen das Blut in den Adern gefrieren. Ja, Anschläge gibt es wieder und wieder, aber diese ... Die zeigen eine andere Qualität. ... Dabei wollten die belgischen Sicherheitsbehörden klug sein. Sie wollten auf keinen Fall wie in zurückliegender Zeit in der großen muslimischen Gemeinde Brüssels eskalieren oder den Muslimen hier wie dort auch nur irgendeinen Grund zur Eskalation bieten. Deshalb haben sie sich zurückgehalten. Hinterher ist man immer schlauer – heute werden sie selbst wissen: Es war ein Fehler. Ein Fehler, den Drahtzieher der Anschläge von Paris so lange nicht festgesetzt zu haben. Der Versuch, die Kontrolle zu behalten, hat zu einem entsetzlichen Kontrollverlust geführt. Wie man heute weiß, wurde in Belgien vom IS ein Wissenschaftler ausgespäht, mit dessen Wissen eine schmutzige Bombe, oder eine Atombombe, hätte gebaut werden können. Und da hat sich außerdem einer ihrer Anhänger als Mitarbeiter bis in den innersten Sicherheitsbereich eines Atomkraftwerks einschleichen können. Eine erschreckende Nachricht nach der anderen wird bekannt. Und es werden noch mehr werden."

"Börsen-Zeitung"

"New York und Washington am 11. September 2001, dann Madrid, London, Moskau, Paris, Tunis, Bangkok, Ankara und Istanbul, jetzt Brüssel – die Aufzählung ist unvollständig und die Serie des Terrors damit sicher nicht zu Ende. Immer spürbarer verdichtet sich das Weltgeschehen zu einem einzigen Kriegsschauplatz. Diesmal zielten die menschenverachtenden und feigen Mörder des ,Islamischen Staats' auf die Hauptstadt der EU und damit ins Herz Europas ... Wo und auf welche perfide Art werden die kranken Hirne, an denen es nicht mangelt, beim nächsten Mal zuschlagen? Was das ,Wo' angeht, wird der deutsche Verfassungsschutz wissen, warum er eindringlich vor Attentaten auch hierzulande warnt. Hinsichtlich des ,Wie' mag die teilweise Evakuierung zweier belgischer Atomkraftwerke am Dienstag eine Vorahnung vermitteln. Diesmal ging es ja nicht um Einlagerungen von Wasserstoffflocken in Druckbehältern ... Was tun? Auch wenn es geradezu banal klingt: Der Westen muss sich auf eine gemeinsame Sicherheitspolitik verständigen und Härte und Entschlossenheit praktizieren, nicht nur darüber reden. Für das Mehr an Sicherheit, das wir brauchen, um erstens den Terror rein physisch zu überleben und dann zweitens unsere Werte und unser Lebensgefühl auf Dauer gegen die Feinde der Zivilisation – den Gegenentwurf zur Barbarei – zu verteidigen, ist ein hoher Preis zu zahlen: Einschränkung von Freiheit. Das ist so im Krieg. Eine Willkommenskultur, die so weit geht, dass eine Regierung die Kontrolle über das eigene Staatsgebiet verliert, weil Hunderttausende unidentifiziert und unregistriert ins Land kommen, trägt derweil nicht dazu bei, dass sich die Bürger sicher fühlen."

"Frankfurter Rundschau"

"Nach den Anschlägen wird ... wieder viel über Sicherheitsvorkehrungen diskutiert werden. Schließlich hat sich bei der Terrorfahndung seit den Attentaten von Paris immer wieder gezeigt, wie mangelhaft die nationalen Sicherheitskräfte miteinander vernetzt sind. Hier müssen die Strukturen verbessert werden. Diese Debatte darf aber nicht hysterisch geführt werden und zu überzogenen Reaktionen führen. Bisher haben die meisten EU-Staaten nach den Anschlägen von Paris dieser Versuchung widerstanden. Europa hat nicht – wie die USA nach den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon im Jahr 2001 – die Freiheit zugunsten der Sicherheit eingeschränkt. Das sollte so bleiben."

"Rheinische Post"

"Was nun? Zunächst: Mitgefühl mit den Angehörigen der Opfer. Solidaritätsbekundungen ... Die Islam-Verbände sagen, was sie nach islamistisch motiviertem Terror immer sagen: Hier wird ihre Religion missbraucht. Alles richtig. Aber irgendwie auch alles seltsam routiniert. Ratlos. Ohnmächtig. Die Gefahr besteht, dass die Trauerrhetorik und die Solidaritätsadressen zum Ritual des Terrors verkümmern und wir die Analyse vergessen, wie freiheitlich organisierte Staaten sich wirksam gegen Menschen zur Wehr setzen, die den Tod nicht scheuen. Es kann nur eine logische Antwort geben. Sie klingt banal: Die Terroristen müssen daran gehindert werden zu töten. Wie kann es sein, dass sich der als Logistiker der Paris-Attentate bekannt gewordene Saleh Abdeslam monatelang in Brüssel verstecken konnte? Wieso wissen EU- und US-Sicherheitsbehörden so wenig über die Informations- und Kommunikationsstruktur der Terrorzellen? Dass eine Vergeltung für die Verhaftung Abdeslams bevorstehen würde, ahnten sie. Aber niemand in der hochgerüsteten IT-Sicherheitsbürokratie der westlichen Regierungen hatte Zugang zu Gesprächen und Vorbereitungen, kannte Namen oder Adressen von potenziellen Attentätern. Nichts? Wirklich gar nichts?"

"De Tijd" (Belgien)

"Die Anschläge waren gegen das Herz Europas gerichtet. Die Antwort muss auch eine europäische sein. Das verstärkt den Ruf nach einem gemeinsamen Geheimdienst und einer gemeinsamen Verteidigungspolitik. Und vor allem den Ruf nach einer europäischen Anstrengung, trotz aller Wut und Trauer, wieder aufzustehen, unsere Freiheit, unsere Normen und unsere Werte zu verteidigen und unser Leben zu leben."

"La libre Belgique" (Belgien)

"Wir fühlten in Belgien seit Monaten, dass die Bedrohung näher kam. Wir hatten uns an dieses Klima gewöhnt und wir hofften, dass die Terroristen schlussendlich aufhören würden mit ihren kriminellen, blinden, barbarischen, blutigen Taten. Dass sie neutralisiert werden würden. Die Festnahme Salah Abdeslams gab der Bevölkerung etwas Hoffnung und verstärkte wieder etwas den Glauben an jene, die jeden Tag gegen das absolute Böse des Terrorismus kämpfen. Doch vergebens, Brüssel wurde ins Herz getroffen."

"Der Standard" (Österreich)

"Den Terroristen geht es darum, Europa zu verändern. Sie attackieren das westliche Lebensmodell. Mit den Anschlägen erreichen islamistische Attentäter und ihre Drahtzieher, dass Muslime unter Generalverdacht stehen und ihnen Mitbürger mit Misstrauen begegnen. Solche Anschläge schüren Ressentiments, der Islam wird zum Feindbild, und all das liefert Stoff für Rechtspopulisten. Je mehr Angst vor Muslimen herrscht, desto stärker werden diese ausgegrenzt – was wiederum der Terrormiliz Sympathisanten und Kämpfer zutreibt. Nicht nur in den Regionen im Nahen Osten, auch im Westen soll ein Gefühl permanenter Bedrohung entstehen: durch nicht kalkulierbare Anschläge in häufigerer Frequenz ... Damit umzugehen und eine Ausbreitung des Misstrauens zu verhindern ist eine Herausforderung, die uns begleiten wird."

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