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Ibrahim El Bakroui Die letzte Botschaft des Selbstmordattentäters

Zwei der Attentäter von Brüssel waren alles andere als fromme Muslime, sie waren der Justiz als Schwerkriminelle bekannt. Einer von ihnen hinterließ ein aufschlussreiches Testament.

Auf dem Video der Überwachungskamera ist er einer der drei Männer, die ihren Gepäckwagen durch die Abflughalle des Brüsseler Flughafens schieben. Mit einem Handschuh an der linken Hand scheint er den Zünder der Bombe zu verbergen, die in seinem Koffer versteckt ist und wenig später explodiert. Elf Menschen sterben und mehr als 90 werden verletzt. Der Attentäter ist Ibrahim El Bakroui, vermutlich Marokkaner, der in Belgien aufgewachsen ist. Fast zur gleichen Zeit sprengt sich sein Bruder Khalid in der Metrostation in der Rue de la Loi in die Luft, tötet dabei 14 Menschen und verletzt mehr als 130.

Für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verkörpern beide eine Kombination, die besser nicht sein könnte. Schwerkriminelle, die zu Dschihadisten mutierten. Da braucht es wenig Schulung, und die richtigen Kontakte zu Waffen, Munition und gefälschten Dokumenten sind bereits vorhanden.

Khalid und Ibrahim waren alte Bekannte der belgischen Polizei und hatten langjährige Beziehungen zur organisierten Kriminalität. Der 30-jährige Ibrahim war zu neun Jahren Gefängnis verurteilt worden, da er nach einem versuchten Überfall auf eine Geldwechselstube 2010 mit einer Kalaschnikow auf Polizisten geschossen und dabei drei Beamte verletzt hatte. Laut Ermittlungskreisen habe man nun einen Computer mit seinem Testament sichergestellt. Der Rechner sei in einem Müllbehälter in der Brüsseler Gemeinde Schaerbeek gefunden worden.

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In dem Testament habe Ibrahim offenbar hastig geschrieben: "Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll, überall gejagt, nicht mehr sicher." Er habe angegeben, er wolle "neben ihm nicht in einer Zelle" landen, offenbar in Bezug auf den am Freitag festgenommenen Salah Abdeslam, der an den Anschlägen von Paris im November mit 130 Toten beteiligt gewesen sein soll.

Ermittler finden 15 Kilogramm Sprengstoff

In Schaerbeek hatte es am Dienstagabend Razzien nach den Anschlägen gegeben. Dort hatten die Ermittler auch eine Art Bombenfabrik gefunden. Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw sagte, es seien unter anderem 15 Kilogramm hochexplosives Azetonperoxid (TATP), ein Koffer mit Nägeln und Schrauben sowie weiteres Material für den Bombenbau sichergestellt worden.

Sein Bruder Khalid, der drei Jahre jüngere Bruder, war auf Autoklau spezialisiert, hatte aber auch Beziehungen zum Waffengeschäft. Bei seiner ersten Verhaftung war er im Besitz von Gewehren. 2011 verurteilte ihn ein Gericht zu fünf Jahren Haft.

Es liegen offenbar zu beiden Brüdern Beweise vor, die sie direkt mit den Attentaten von Paris im November in Verbindung bringen. Bei ihrer Vergangenheit ist es kein Wunder: Khalid und Ibrahim sollen für die Attentäter in Frankreich Waffen und Munition besorgt haben. Über ihre alten Beziehungen ins Milieu dürfte das eine Kleinigkeit gewesen sein. Ebenso leicht könnten sie Sprengstoff oder zum Bombenbau benötigte Utensilien beschafft haben. Das ist alles nur eine Frage der Kontakte und des Geldes.

Warum wurden keine Fernzünder eingesetzt?

Seit dem 15. März waren sie zur Fahndung ausgeschrieben. An diesem Tag hatte es im Brüsseler Stadtteil Forest eine Razzia in einer Wohnung gegeben, bei der Mohammed Belkaid, einer der Paris-Attentäter, getötet worden war. Ibrahim und sein Bruder Khalid, der die Wohnung angemietet haben soll, entwischten damals der Spezialeinheit der Polizei. Seltsam ist, dass die belgischen Behörden nicht sofort eine Großfahndung nach dem Bruderpaar einleiteten und ihre Fotos an die Öffentlichkeiten gaben. Vielleicht wäre der Anschlag vom Montag so verhindert worden.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte am Mittwochabend, dass man Ibrahim El Bakraoui im Juni 2015 in Gaziantep im Süden der Türkei festgenommen habe. Er sei im Juli nach Belgien abgeschoben worden. Die belgischen Behörden hätten jedoch "trotz Warnungen" der türkischen Behörden die Verbindungen des Mannes zu Dschihadisten nicht bestätigt und ihn freigelassen.

Für den IS sind Khalid und Ibrahim als Selbstmordattentäter zu Helden geworden. Denn eigentlich hätten sie sich nicht in die Luft sprengen müssen. Ibrahim hätte den Gepäckwagen stehen lassen und nach dem Verlassen der Abflughalle über Telefon zünden können. Die Frage ist, ob die beiden Brüder mit ihrem Tod unbedingt ein Zeichen setzten wollten oder ob sie überhastet handeln mussten und keine Zeit hatten, Fernzünder einzusetzen. Denn das sollte nach einer IS-Ausbildung eine Kleinigkeit für Terroristen sein.

Der Bombenbauer des französisch-belgischen Netzwerks

Auf dem Überwachungsvideo des Flughafens von Brüssel ist noch ein weiterer Mann zu sehen. Er ist, wie Ibrahim El Bakraoui, schwarz gekleidet und verbirgt ebenfalls mit einem Handschuh an der linken Hand den Zünder seiner Bombe. Polizeikreisen zufolge soll es sich um den zweiten Selbstmordattentäter vom Flughafen handeln, Najim Laachraoui. Im Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris wird er seit Monaten gesucht. Laachraoui soll – zusammen mit Salah Abdeslam, der am Freitag in Brüssel festgenommen wurde – einer der Drahtzieher der Paris-Anschläge gewesen sein.

Seine DNA wurde in einem Haus in Auvelais im Süden Belgiens gefunden sowie in einer Wohnung im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek. DNA-Spuren von ihm sollen auch an mindestens zwei Sprengstoffgürteln der Paris-Attentate gefunden worden sein. Einer davon explodierte vor dem Bataclan-Theater, der andere vor dem Stade de France. Laachraoui hat Elektromechanik studiert und wurde bisher für den Sprengstoffbaumeister des französisch-belgischen Netzwerks gehalten.

Er war im Februar 2013 nach Syrien ausgereist und lernte dort das Terrorhandwerk. Seit 2014 wurde er per Haftbefehl gesucht. Unter dem falschen Namen Soufiane Kayal kam er wieder nach Belgien zurück, um Anschläge für den IS auszuführen. Nach Auswertung der Kommunikation der Paris-Attentate mussten die französischen Behörden feststellen, dass Laachraoui und der inzwischen getötete Mohammed Belkaid alias Samir Bouzid von Brüssel aus ihre Männer in Frankreich gesteuert hatten.

Unklar ist noch, wer der dritte Mann mit dem weißen Hemd und der beigen Jacke auf dem Fahndungsbild vom Flughafen ist. Zudem gibt es laut dem belgischen TV-Sender RTBF Hinweise auf einen weiteren Terrorverdächtigen. Eine Überwachungskamera soll den Mann mit einer großen Tasche in der Metrostation gefilmt haben, in der sich Khalid El Bakroui in die Luft sprengte.

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