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Asiem El Difraoui "Die wissen nicht mal, was Dschihad heißt"

Terror im Namen Gottes, aber den Koran nicht kennen: Der Politologe Asiem El Difraoui beschuldigt IS-Terroristen, den Islam wie Lego-Steinchen zu nutzen. Nur das, was passe, werde geachtet.

Islamistische Terroristen sind nach Einschätzung des deutsch-ägyptischen Politologen Asiem El Difraoui heute weniger religiös motiviert als zu Beginn des Jahrtausends. Die Attentäter vom 11. September seien "tatsächlich noch auf einer religiösen Sinnsuche" gewesen, sagte er "Süddeutsche.de". "Die haben ihren Glauben reflektiert, Texte gelesen, und ließen sich irgendwann irreleiten von der schlimmen Heilslehre, die al-Qaida propagierte."

Wer sich vor rund zehn Jahren radikalisiert habe, dem sei das Ganze "als eine Art religiöse Revolution" verkauft worden. Bei der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sei dagegen "kaum noch ein religiöser Deckmantel zu erkennen".

Islamisten ohne Ahnung vom Islam

"Die heutigen europäischen Dschihadisten, die Terroristen von Brüssel, haben keine Ahnung mehr vom Islam", sagte der Wissenschaftler, der mehrfach für seine Film- und Fernsehbeiträge ausgezeichnet wurde. "Diese jungen Männer wissen nicht mal, was Dschihad heißt! (...) Die bekommen von ihren Anführern wie bei einem Lego-Spiel nur ganz bestimmte Bausteine des Islams vorgesetzt: die schlimmsten, hasserfülltesten Suren, die auch noch verkürzt werden."

So würde man sich den Islam gerne passend zurechtdrehen. Basierend auf dem Konzept des "Taqiyya" - wonach ein Muslim seinen Glauben leugnen darf, wenn er bedroht ist - würden die selbsternannten Gotteskrieger "lügen, betrügen, saufen und huren". "Das kommt jungen Männer mit einer bestimmten Persönlichkeitsstruktur natürlich zupass. Jungen Männern, die ein unheimliches Frustrations- und Gewaltpotenzial haben. Der ganze Mist, den sie bauen, steht plötzlich unter der riesigen Lüge des Dschihadismus."

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Die Religion werde auf diese Weise zu einem "reinen Instrument". Die radikalisierten jungen Männer folgten diesem "Trugschluss", weil sie nicht über die Vielschichtigkeit der Religion nachdächten, so El Difraoui im Interview mit "Süddeutsche.de". Auch in der Praxis spiele eine islamische Solidarität keine besondere Rolle, "eher schon Familien- und Gang-Solidarität".

Der Politikwissenschaftler Asiem El Difraoui. (Foto: pa/dpa)

Verführbar seien junge Leute auch, weil muslimische Geistliche sie oftmals nicht erreichten, erklärte der Experte weiter. "Die Imame sind zu schwach und zu altmodisch, sie werden im besten Fall als langweilig betrachtet." Hinzu kämen Sprachbarrieren der nach Europa "importierten" Geistlichen.

"Da wirkt es natürlich verführerisch, wenn jemand kommt, der den eigenen Slang spricht und dazu noch eine einfache Interpretation des Islam anbietet." Es gelte also, mehr europäische, muslimische Rechtsgelehrte auszubilden, "die diese Generation erreichen".

 

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