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Krieg in Syrien Warum die Terrormiliz in Palmyra besonders viel verliert

Der IS gerät weiter unter Druck. Assad-Truppen kontrollieren inzwischen wieder ein Drittel der Stadt Palmyra, täglich gibt es neue Erfolge. Fällt die Oasenstadt, ist der Weg ins IS-Kerngebiet frei.

Das syrische Staatsfernsehen und der Hisbollah-Sender al-Manar im Libanon hatten schon Bilder von Soldaten in der Stadt Tadmur gezeigt, als sie noch Kilometer vor den Stadttoren standen. Der Ort, besser bekannt unter dem antiken Namen Palmyra, war im Mai vergangenen Jahres von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eingenommen worden. Seit zwei Wochen kämpft die syrische Armee mit ihren schiitischen Hilfstruppen um die "Braut der Wüste", wie Tadmur auch genannt wird. 

Die Mogelei hätten die beiden regimetreuen TV-Sender gar nicht nötig gehabt. Denn die Offensive der Regimetruppen gegen Palmyra und die umliegenden Gebiete unter der Kontrolle des IS ist ein voller Erfolg. Die Soldaten von Diktator Baschar al-Assad sind auf dem Vormarsch, sie kontrollieren mittlerweile gut ein Drittel der Stadt.

Die Wüstenstadt Palmyra liegt im Zentrum Syriens.

Erfolgsgarant für den Vormarsch der syrischen Armee und ihrer Hisbollah-Verbündeten ist vor allen Dingen der Einsatz der russischen Luftwaffe. Die Kampfflugzeuge Moskaus flogen nonstop Angriffe auf Stellungen des IS. Unterstützt durch russische Luftschläge habe das Militär mindestens drei Stadtbezirke im Westen und Norden eingenommen, berichteten die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sowie die staatliche Nachrichtenagentur Sana am Samstag. 

Zudem hatte der Kreml eine Spezialeinheit bei Palmyra stationiert, die mit der Planung und Leitung der Offensive betraut wurde. Einer ihrer Offiziere wurde im März bei der "Ausführung einer Spezialaufgabe" getötet, wie ein Sprecher der russischen Luftwaffenbasis bei Latakia erklärte. "Er ist als Held gestorben", hieß es weiter. Der Offizier habe das Feuer auf sich gezogen, nachdem ihn der IS geortet und umstellt hatte. Der Elitesoldat war offenbar ein sogenannter Spotter, der an der Front die Koordinaten von Angriffszielen ermittelt und sie an die Kampfflugzeuge weitergibt. Anscheinend hat sich der Mann zu nah an die feindlichen Linien herangewagt.

Von allen Seiten steht der IS unter Druck

Die Einnahme Palmyras wäre der dritte große Sieg des Regimes über die Terrormiliz. Im Nordosten von Aleppo war im November die IS-Belagerung einer Luftwaffenbasis durchbrochen worden. Die Armee konnte die Terrorgruppe weiter zurückdrängen und bedroht heute die vom IS kontrollierte Stadt al-Bab. Zudem sind die Regierungstruppen weiter südlich von Aleppo aus in das Einzugsgebiet der IS-Hochburg Rakka vorgedrungen. Nun kann die Opposition kaum mehr ernsthaft behaupten, das Regime habe einen Pakt mit dem IS geschlossen und bekämpfe ihn deshalb nicht.

Die Regierungstruppen um Damaskus haben dem IS mithilfe der russischen Luftangriffe einen weiteren Schlag versetzt. Und vom Norden des Landes aus rückt das kurdisch-sunnitisch-christliche Oppositionsbündnis Syrische Demokratische Kräfte (SDF) immer weiter gegen den IS vor. Die Terrormiliz bekommt von allen Seiten Druck und verliert immer mehr Führungsfiguren. In den letzten Wochen wurde der rotbärtige Omar al-Schischani, der Militärchef des IS, durch einen Raketenangriff getötet. Nun erklärte US-Verteidigungsminister Ashton Carter, Hadsch Iman alias Abdel Rahman al-Kaduli sei bei einem amerikanischen Luftschlag ums Leben gekommen. Kaduli galt als der zweite Mann hinter IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi.

Palmyra besitzt strategische Bedeutung, liegt es doch auf der Route nach Deir al-Sur. Mit der vollständigen Rückeroberung durch das Regime würden die IS-Truppen in der Provinz Homs isoliert. Sie wären vom Nachschub aus ihrer Machtbasis Rakka und aus dem Irak abgeschnitten. Palmyra wäre die erste größere Stadt, die die Armee von den Extremisten zurückerobert. Und ab da wäre der Weg frei nach Deir al-Sur und den dort vom IS eingeschlossenen Truppen.

Lawrow lobt Arbeitsteilung mit Washington

Dorthin rücken auch die SDF aus dem Norden vor, die von den USA unterstützt werden. Der russische Außenminister Sergej Lawrow nannte das "Arbeitsteilung" im Kampf gegen den IS in Syrien – Russland deckt den Vormarsch der Regierungstruppen auf die Wüstenfestung des IS, Amerika jenen der SDF-Rebellen.

Ein Sieg in Palmyra hätte natürlich auch große symbolische Bedeutung. Zum einen ist da die weltberühmte Ruinenstadt der Antike, die der IS als Szenerie für Massenexekutionen missbrauchte und anschließend nach und nach zerstörte. Die Fanatiker vernichteten blindwütig zahlreiche der historisch so wertvollen Relikte, darunter antike Tempel, Statuen und Triumphbögen.

Die Befreiung und Sicherung eines Weltkulturerbes würde dem Regime gut zu Gesicht stehen. Propagandistisch wäre das gut auszuschlachten. Vom bösen Folterstaat, der seine Bevölkerung systematisch auszurotten versucht, zum Beschützer vor Extremisten und Retter von Schätzen der Menschheitsgeschichte. Palmyra hin oder her – ob dieser Rollenwechsel vom Saulus zum Paulus die Opfer des Regimes vergessen macht, ist allerdings fraglich.

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