Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Chaos nach Anschlägen von Brüssel Belgien macht keine gute Figur

Eine Woche nach der Terrorserie in Brüssel werden erst jetzt weitere Todesopfer bekannt. Ein Hauptverdächtiger kommt überraschend wieder frei. Und entscheidende Fragen sind noch immer offen.

Terroristen säen nicht nur Angst, sie sorgen auch für Chaos. Das ist beabsichtigt. Kafkaeske Züge trägt hingegen, wie die offizielle Kommunikation in Belgien nach den Anschlägen verläuft. Zwar gab es schon am Dienstag vergangener Woche eine erste traurige Opferbilanz. Doch erst fünf Tage später wird klar, dass diese Zahlen keine Menschen erfassen, die erst im Krankenhaus gestorben sind.

Das nationale Krisenzentrum, also die Behörde, die seit den Anschlägen regelmäßig Bilanz zur Zahl der Toten und Verletzten zog, stellt am Sonntagabend eine Mitteilung auf ihre Website.

Diese erwähnt beiläufig, dass die bisher mitgeteilte Zahl von 31 Toten keine Opfer umfasst, die später im Krankenhaus starben. Ein Sprecher kann am Telefon nur hilflos erklären: "Der Informationsfluss braucht Zeit." Für die Daten sei das Gesundheitsministerium zuständig. Bis zum Montagmorgen ist der Hinweis aus der online veröffentlichten Mitteilung entfernt worden.

Es bleibt der Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Ine Van Wymersch, überlassen, die Zahlen des Gesundheitsministeriums vor Journalisten zu präsentieren.

Nun ist die Rede von 31 getöteten Opfern, vier zusätzlichen Personen, die später in Krankenhäusern verstorben sind und den drei toten Selbstmordattentätern. Dass die drei Attentäter mal Teil der bisherigen Opferbilanz von 31 Toten waren, mal nicht, nimmt sie auf ihre Kappe.

Dazu, warum das Gesundheitsministerium bis dahin keine Zahlen der später Verstorbenen nannte oder über das Krisenzentrum mitteilen ließ, ist zunächst keine Auskunft zu erhalten. Van Wymersch, die sich der Presse stellt, will keine öffentliche Schulddebatte führen.

Die Sprecher von Krisenzentrum und Gesundheitsministerium schweigen. Doch es lässt sich vermuten, dass die verwickelten belgischen Strukturen – drei Sprachen, drei Regionen, zehn Provinzen, 589 Gemeinden – ein Übriges getan haben.

Debatte über das Krisenmanagement

Auch das Krisenmanagement am Tag der Attentate gibt mit einigen Tagen Abstand Anlass zu öffentlichen Diskussionen. Bald nach den Anschlägen am Morgen des 22. März bricht das Brüsseler Mobilfunknetz zusammen.

Der Bevölkerung wird geraten, auf noch mögliche SMS auszuweichen oder soziale Medien wie Facebook und Twitter zu nutzen – was auch die Behörden selbst tun.

Später wird bekannt, dass auch der Telekommunikationsdienst "Astrid" für Sicherheitsbehörden und Rettungsdienste ausgefallen ist.

Die beiden Zeitungen "Nieuwsblad" und "Gazet van Antwerpen" wollen erfahren haben, dass die Dienste zum Teil auf den internetbasierten Anbieter Whatsapp ausgewichen sind.

Die Debatte, die sich Ende der Woche um die Schließung der U-Bahn am Tag der Anschläge entspinnt, wirft ebenfalls kein gutes Licht auf die Krisenabläufe. Zwar beteuert Innenminister Jan Jambon, nach den Explosionen am Flughafen gegen 8 Uhr und noch vor dem Anschlag in der Metro kurz nach 9 Uhr sei die Entscheidung gefallen, das Netz zu evakuieren.

Auch ein alter Hinweis wurde offenbar verschlafen

Die Brüsseler Verkehrsbetriebe Stib erklären hingegen, keine entsprechende Anordnung der Regierung erhalten zu haben. Jambon will die Sache aufklären lassen.

Kommunikationspannen sind das Eine, Ermittlungsfehler und Nachlässigkeit das Andere. Innenminister Jambon und Justizminister Koen Geens boten ihren Rücktritt an, nachdem deutlich geworden war, dass belgische Behörden einen wichtigen Hinweis der Türkei im Sommer 2015 zunächst verschliefen.

Jambon kündigte ein Disziplinarverfahren gegen einen Verbindungsoffizier an, der in Istanbul tätig war.

Der Polizist habe nicht schnell genug reagiert, als die Türkei einen der späteren Brüsseler Selbstmordattentäter, Ibrahim El Bakraoui, wegen Terrorverdachts festgenommen und in die Niederlande ausgewiesen hatte.

Verdächtiger wieder frei

Eine andere Spur verlief dagegen im Sand: Die Ermittler ließen den am Freitag unter Terrorverdacht verhafteten Fayçal C. wieder frei. Die Hinweise, die zu seiner Festnahme führten, bestätigten sich nicht. Damit dürfte der Mann nicht der gesuchte dritte Terrorverdächtige vom Brüsseler Flughafen sein. Auf Fahndungsbildern ist der Mann mit heller Jacke und einer Mütze mit den beiden späteren Selbstmordattentätern zu sehen, Ibrahim El Bakraoui und Najim Laachraoui.

Belgiens ausufernde Bürokratie lässt sich normalerweise als Skurrilität verbuchen. Nach den Anschlägen stiftet sie heillose Verwirrung.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

 
 
Bomben auf Aleppo: Ein internationales Syrien-Treffen sucht in Paris Lösungen für das geschundene Land. Foto: Michael Alaeddin
Internationales Treffen
Steinmeier zu Syrien-Gesprächen in Paris
Die Vorderseite der Nobelpreis-Medaille für Literatur, Physik, Chemie und Medizin: Die Auszeichnungen werden in Stockholm und Oslo verliehen. Foto: Kay Nietfeld
Bob Dylan nicht dabei
Nobelpreise 2016 werden in Stockholm und Oslo überreicht
Daniel Günther, CDU-Fraktions- und Landeschef gilt als designierter Albig-Herausforderer in Schleswig-Holstein.
Schleswig-Holstein-Umfrage
CDU baut Vorsprung auf SPD aus, AfD nur bei sechs Prozent
Andrej Holm ist ein gefragter Experte für Stadtentwicklung – hier in der ARD-Talkshow "Günther Jauch" im März 2014.
Berliner Senat
Stasi-Offiziersschüler soll Staatssekretär werden
Barack Obama will noch vor dem Ende seiner Amtszeit Aufschluss über die Hackerangriffe im US-Wahlkampf haben. Foto: Aude Guerrucci
Russland unter Verdacht
Obama ordnet Untersuchung von Hackerattacken im Wahlkampf an
Nach einer inoffiziellen Auswertung regionaler Medien lag Akufo-Addo bei einem Zwischenergebnis von knapp 54 Prozent der Stimmen. Foto: Christian Thompson
Friedlicher Machtwechsel
Oppositionschef Akufo-Addo gewinnt Präsidentenwahl in Ghana
New Yorks Ex-Bürgermeister Rudolph «Rudy» Giuliani galt lange als Favorit für das Amt des US-Außenministers. Foto: Sophia Kembowski
Loyaler Trump-Fan
Rudy Giuliani als künftiger US-Außenminister aus dem Rennen
Barack Obama und Wladimir Putin im September 2015.
Russland im Visier
Obama ordnet Untersuchung von Hackerangriffen an
Zunehmende Empörung: Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (l., SPD) im Landtags-Untersuchungsausschuss zu islamistischen Gefahren.
Niedersachsen
Opposition hält Innenminister für ein Sicherheitsrisiko
Der Journalist Aydin Engin hat zwölf Jahre in Deutschland im Exil gelebt.
Inhaftierter Kolumnist
"Schickt eure Minister nach Ankara"
Fahnen der Türkei werden geschwenkt während der türkische Ministerpräsident Recep Tayip Erdogan am 24.05.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen) in der Lanxess-Arena spricht.
Integration & Doppelpass
Worüber in einer Demokratie geredet werden muss
In Syrien gehen die Gefechte weiter.
Große Mehrheit
UN-Vollversammlung fordert sofortige Waffenruhe in Syrien
Stopschild vor dem abgeschalteten Atomkraftwerk in Biblis. Foto: Fredrik von Erichsen
Verzicht auf Schadenersatz
Atomkonzerne ziehen Teil ihrer Klagen gegen den Bund zurück
Dschaber al-Bakr kam als syrischer Flüchtling 2013 nach Deutschland.
Syrer in Leipzig
Warum die al-Bakr-Überwältiger kein Verdienstkreuz erhalten
Islamunterricht an einer Bonner Realschule.
Integration
Migrantenkinder holen in deutschen Schulen kräftig auf
"Burger-Baron" Andrew Puzder bei einer Diskussion in Beverly Hills, Kalifornien.
Trumps Arbeitsminister
Er mag "Frauen in Bikinis", aber keinen Mindestlohn
Ein Spezialkommando nahm den Mann in Rotterdam fest.
Rotterdam
Terrorverdächtiger mit geladener Kalaschnikow gefasst
Hildegard Hamm-Brücher galt als Grande Dame der Liberalen.
Hildegard Hamm-Brücher ✝
Diese Liberale verstand Politik als moralische Übung
Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek.
Aiman Mazyek
Zentralrat fordert mehr muslimische Vertreter in Rundfunkräten
Wird wohl im kommenden Jahr nicht wieder für die Hamburger CDU in den Bundestag einziehen: Herlind Gundelach.
Keine Frau aufgestellt
"In Hamburgs CDU zählt Kompetenz, nicht Geschlecht"