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Khalid Zerkani Wie der "Emir" Molenbeek radikalisierte

Auch die Drahtzieher der Anschläge in Paris und Brüssel galten als seine Jünger: Khalid Zerkani soll in Molenbeek jahrelang junge Männer für den dschihadistischen Kampf angeworben haben.

Er gilt den Ermittlern als Schwergewicht des belgisch-französischen Netzwerks, das für die Attentate in Paris am 13. November und in Brüssel am 22. März verantwortlich ist: Khalid Zerkani, 42 Jahre alt, geboren in Marokko, seit Jahren in der Brüsseler Stadtgemeinde Molenbeek zu Hause – derzeit allerdings in einem belgischen Gefängnis inhaftiert. Dort wartet Zerkani auf die Entscheidung eines Berufungsrichters.

Denn der 42-Jährige will nicht akzeptieren, dass er am 29. Juli 2015 zu zwölf Jahren Haft verurteilt wurde. Doch für die Richter gilt es als erwiesen, dass Zerkani Kopf einer Terrorzelle war und in Molenbeek jahrelang junge Männer für den dschihadistischen Kampf angeworben hat.

Auch interessant: FBI informierte Belgien frühzeitig über Attentäter

Die Attentate von Paris und Brüssel scheinen das zu bestätigen. Einer der Drahtzieher der Pariser Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, sowie der Brüsseler Selbstmordattentäter Najim Laachraoui galten der belgischen Justiz als Jünger Zerkanis.

Die Staatsanwaltschaft hatte zeitgleich zum Prozess gegen Zerkani auch in Abwesenheit Anklage gegen Abaaoud und Laachraoui erhoben – sowie gegen 29 weitere Verdächtige einer "syrischen Seilschaft" mit Verbindungen zur Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS).

Alle Angeklagten sollen unter dem Einfluss von Zerkani gestanden haben. Unter ihnen befinden sich auch Gelel Attar und Reda Kriket. Attar stammt aus Molenbeek, soll ein enger Freund von Abaaoud gewesen sein und war den Behörden im Januar in Marokko in die Hände gefallen.

Kriket nahm die französische Polizei am Donnerstag im Großraum Paris fest. Die Behörden sprachen davon, dass Kriket kurz davor stand, einen Anschlag zu verüben. Bei seiner Festnahme wurde auch Sprengstoff gefunden.

Zerkani soll in verborgenen Dachkammern mehrmals pro Woche diese und andere junge Männer, oft auch Kinder, um sich versammelt haben, um sie für den Dschihad zu gewinnen. "Er ist der Emir, der Anführer", beschrieb ein Mitangeklagter die Rolle von Zerkani gegenüber den belgischen Behörden.

Eine ganze Generation verdorben

Die belgische Zeitung "La Dernière Heure" war über eine undichte Stelle an diese Aussage gelangt. "Nach Ansicht von Zerkani verlangt der Islam den Dschihad, und der bewaffnete Dschihad ist die höchste Stufe, die es gibt", sagte der Mitangeklagte.

"Er hat aktiv junge Männer angeworben, sorgte sich um die Logistik und die nötigen Finanzen, und selbst noch im Gefängnis hat er Mitgefangene dazu aufgerufen, sich dem Dschihad anzuschließen", sagte Staatsanwalt Bernard Michel über Zerkani zu Beginn des Berufungsprozesses Mitte Februar. Der 42-Jährige habe eine ganze Generation junger Menschen verdorben, vor allem in dem Molenbeeker Viertel Maritime, fügte Michel damals hinzu.

Der dickliche Mann mit dem langen Bart und der nachlässigen Kleidung, der auch den Spitznamen "Weihnachtsmann" trägt, soll über das entsprechende Charisma verfügen. Der Polizei konnte sich Zerkani, der sich mit Kampfnamen "Abu Riad" nennt, lange Zeit entziehen.

Schon früh galt er den Ermittlern aber als einer der Hauptanwerber belgischer Männer für den Dschihad, vor allem in Syrien. Aus Belgien sind – bezogen auf die Gesamtbevölkerung – so viele Dschihadisten wie aus keinem anderen westlichen Land nach Syrien aufgebrochen, um sich dort meist dem IS anzuschließen.

 

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