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Botschafter Erdmann Dieser Mann muss Erdogan deutschen Humor erklären

Martin Erdmann ist erst seit Kurzem Botschafter in der Türkei. Nun musste er Präsident Erdogan erklären, weshalb man in Deutschland Politiker verspotten darf – und das völlig ungestraft.

Martin Erdmann wollte ein deutliches Zeichen setzen – und das ist ihm wohl auch gelungen. Vergangene Woche reiste der deutsche Botschafter in der Türkei nach Istanbul, um an der Eröffnung des Strafprozesses gegen die beiden Journalisten Can Dündar und Erdem Gül teilzunehmen.

Zwar besuchten auch andere westliche Diplomaten die Gerichtsverhandlung am Karfreitag – doch Erdmann, der einzige Botschafter, war der ranghöchste unter ihnen. Vielleicht hat er deshalb den Zorn des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf sich gezogen.

Gleich zwei Mal binnen weniger Tage musste Erdmann im türkischen Außenministerium antreten, um sich den Protest der Regierung anzuhören. Bei einem Termin ging es um das Satirelied "Erdowie, Erdowo, Erdogan" des NDR, beim zweiten um seinen Besuch bei dem Prozess in Istanbul.

Bei beiden Gelegenheiten konterte Erdmann die türkische Kritik mit Hinweisen auf Grundrechte und -werte, wie es im Auswärtigen Amt in Berlin hieß. Politische Satire sei in Deutschland nun einmal von der Meinungsfreiheit gedeckt – es sei für die Bundesregierung weder nötig noch möglich, in Sachen "Erdowie" einzugeifen.

Mit Blick auf den Prozess gegen die Journalisten, die von Erdogan als Spione beschimpft werden, betonte der Botschafter demnach das hohe Gut der Pressefreiheit.

Wie Erdmanns türkische Gesprächspartner darauf reagierten, ist nicht überliefert. Über Langeweile auf dem Posten in Ankara, den er im vergangenen August antrat, kann sich der 61-jährige Münsteraner jedenfalls nicht beklagen.

In seinen ersten Monaten auf dem Posten nahm er unter anderem an den deutsch-türkischen Gesprächen über die Flüchtlingskrise teil und setzte sich für deutsche Journalisten ein, denen in der Türkei die Akkreditierung verweigert wurde.

Klare Worte, scharfer Verstand

Krisenbewältigung gehört zum Geschäft. In den 90er-Jahren arbeitete Erdmann im Pressereferat des Auswärtigen Amtes, zuletzt als Ministeriumssprecher. Später ging er zur deutschen Nato-Vertretung nach Brüssel.

Fast 15 Jahre blieb Erdmann im Brüsseler Hauptquartier der Nato, wo er unter anderem die Debatten über die Beendigung des internationalen Kampfeinsatzes in Afghanistan, den Konflikt mit Russland über die Ostukraine und den Beistand der Allianz zur Türkei angesichts des Syrien-Krieges erlebte.

Erdmann, der sich als wichtigster Mann der Bundesregierung im Nato-Hauptquartier in der Öffentlichkeit stets zugunsten der jeweiligen Minister aus Berlin zurückhielt, wählt in kleinen Runden oft klare Worte und genießt den Ruf eines scharfen Analytikers. Entwicklungen, Pläne und Probleme des Bündnisses stellte er häufig in den größeren historischen Zusammenhang.

Trittsicher im Minenfeld der Diplomatie

Auch in seinem neuen Arbeitsbereich sieht der Westfale historische Kräfte am Werk. Den Syrien-Konflikt betrachtet er als Ende einer Ordnung, die nach dem Ersten Weltkrieg mit der Aufteilung des Nahen Ostens unter dem Sykes-Picot-Abkommen begann.

Eine politische Lösung für Syrien erfordere schmerzhafte Kompromisse, ist er überzeugt: Der türkischen Zeitung "Habertürk" sagte Erdmann im vergangenen Jahr, der syrische Präsident Baschar al-Assad müsse in Gespräche über die Zukunft des Landes einbezogen werden.

Erdmanns Gerichtsbesuch in Istanbul vergangene Woche war nicht der erste Ausflug des Botschafters ins Minenfeld der türkischen Innenpolitik.

Im Januar sagte er, natürlich habe der türkische Staat das Recht, sich gegen Anschläge der PKK-Rebellen zu wehren. Allerdings könne auch der Kurdenkonflikt am Ende nur politisch gelöst werden.

Nach der "Erdowie"-Episode dürfte Erdmann von türkischen Politikern und Medien nun noch aufmerksamer beobachtet werden. Angenehm ist das nicht, wie Erdmanns US-Kollege John Bass erleben muss: Erdogan-Anhänger fordern den Rauswurf des US-Botschafters, weil dieser die türkische Regierung öffentlich an die Regeln der Meinungsfreiheit erinnert hatte.

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