«Top Dogs» auch nach 14 Jahren topaktuell

«Herr Zapatka, es ist gut, Herr Zapatka!» Der Topmanager ist nervlich fertig. Bislang hat er entlassen, nun ist er selbst entlassen. In einer Gruppe mit anderen arbeitslosen Managern sucht dieser Zapatka, gespielt von Manfred Zapatka, «Unterstützung zur Karrierefortsetzung».

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Um das Schicksal der Männer geht es in Urs Widmers Stück «Top Dogs», das auch 14 Jahre nach seiner Uraufführung in Zürich nicht an Kraft verloren hat. Der Regisseur Peter Ries hat das Erfolgsstück in einer Neufassung für die Movimentos-Festwochen in der Wolfsburger VW-Autostadt auf die Bühne gebracht - oder besser auf fünf Bühnen.

Im 360-Grad-Kino der Autostadt werden meist Filme über Sicherheitstechnik gezeigt. Am Freitagabend verwandelte sich das Kino in ein Schauspiel-Theater: «Der Raum ist eine echte Herausforderung», sagt der aus Hannover stammende Regisseur Ries. Die Akustik sei dumpf, Beamer und Klimaanlage verbreiten einen Geräuschteppich, der den Schauspielern einiges abverlangt. «Wir mussten den Raum mit neuem Leben füllen - und es funktioniert», sagt Ries.

Auf fünf Bühnen lässt er die Schauspieler agieren. Die Szenen werden auf neun Leinwände im Rund-um-Kino übertragen. In besonders dramatischen Momenten - etwa wenn Manfred Zapatka verzweifelt seine Hände vors Gesicht schlägt - friert das Bild für Minuten ein. Die Zuschauer sitzen auf Hockern, damit sie sich schnell drehen und alles verfolgen können.   

«Top Dogs» - analog zu «Underdogs» - sind die Topmanager, die das Wirtschaftsleben mit zu dem gemacht haben, was es ist. Sie wissen alle, für den Erfolg muss man auch knallhart sein. Dass es sie selbst knallhart erwischen könnte, haben sie nicht wahrhaben wollen. Urs Widmers Kapitalismuskritik aus den 90er Jahren ist seit Lehmann Brothers und Wirtschaftskrise aktueller denn je.

Von einem Tag zum anderen werden die Topmanager von der Leiter des Erfolges gestoßen: Arbeitslosigkeit wird zur Bedeutungslosigkeit. Schlüssel, Kreditkarte und Auto der Firma sind sofort weg. Das Haus, die Frau, die Kinder bleiben ihnen auch nicht mehr lange, Freunde hatten sie ohnehin nicht. Einsam, verzweifelt und auf einmal hilflos stehen die Männer ihrem Coach gegenüber.

Wie bei der Uraufführung tragen alle Figuren ihre eigenen Namen. «Das ist schon sehr speziell, da muss man sich erst dran gewöhnen», sagt Alexandra-Maria Timmel. Selbst ihr persönlicher Spitzname Sunny wird verwendet. Etwa wenn sie als Ehefrau ihres nun arbeitslosen Mannes mit ihm die Situation aufarbeitet: «Er steht zwar wie immer um sechs Uhr auf, aber dann geht er nicht weg», klagt sie. Ihr Mann, der nun nicht mehr 16 Stunden in der Firma ist, scheint erstmals zu merken, dass ihm seine Frau auf die Nerven geht.

Der Autor Urs Widmer ist aus Termingründen nicht nach Wolfsburg gekommen. «Am Anfang des Stückes habe ich einiges umgeschrieben und dann vor allem Fakten aktualisiert», berichtete der Schriftsteller zuvor. Von den Firmen, die er in den 90er Jahren im Schauspiel genannt habe, gebe es mittlerweile viele nicht mehr. Der Grundtenor jedoch ist geblieben, viele Dialoge sind unverändert.

Für Autostadt-Kreativdirektorin Maria Schneider ist das Stück ein Glücksgriff, lautet das Festival-Motto in diesem Jahr doch «Mut und Demut». Die Wirtschaftskrise habe gezeigt, was Mut ohne Demut anrichten kann, sagt Schneider. «Da haben Menschen mit viel Mut das Geld anderer Menschen verspielt.»

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