Englands Medien haben Per Mertesacker abgeschrieben. Der Nationalspieler spricht mittlerweile von einer Kampagne gegen seine Person. Die Negativkritik steht im Gegensatz zu seiner Eigenwahrnehmung.
Per Mertesacker muss weg. Und zwar am besten schon im Sommer. Da sind sich viele englische Medien einig. Schließlich sei der deutsche Nationalverteidiger für den FC Arsenal zu hölzern, zu langsam und habe einfach nicht genug Qualität. Wenn Per Mertesacker diese inzwischen fast täglichen Schlagzeilen liest, wittert er eine Kampagne gegen sich. Richtig ernst nehmen kann er sie nicht. Ärgern tut sie ihn trotzdem. "Das ist ein wunderschönes Thema, das ich inzwischen als mein Lieblingsthema bezeichnen würde", sagt er deshalb spöttisch.
Denn es kommt ausgerechnet in einer Phase auf, da der 28-Jährige bei den Gunners nicht nur nach eigener Ansicht "richtig Fuß gefasst hat". Nach einem schweren ersten Jahr auf der Insel mit Anlaufschwierigkeiten und einem monatelangen Ausfall wegen einer Knöchelverletzung und einer mäßigen Hinrunde 2012/13 hat er sich zur festen Größe aufgeschwungen. "Für mich ist das seltsam, meint er: "Ich spiele immer und bekomme vom Trainer positives Feedback, aber seit einiger Zeit wird mir eingeredet, dass ich so schnell wie möglich weg soll."
Warum dies so ist, kann sich der 86-malige Nationalspieler nicht so recht erklären. "Vielleicht mögen mich die Fans zu sehr", sagt er ironisch und ergänzt: "Gewisse Dinge laufen in England eben anders. Dort wird nicht nur links gefahren. Die Öffentlichkeit ist dort vom Training ausgeschlossen. Das führt eben dazu, dass nicht nur an der Börse viel spekuliert wird, sondern auch bei den Journalisten." Auch die deutschen Medien kritisierte Mertesacker dafür, "dass diese Sachen geglaubt und Schlagzeilen rausgehauen werden. Das ist ein ganz schwaches Bild".
Eine Rückkehr in die Bundesliga ist für den früheren Hannoveraner und Bremer derzeit kein Thema. "Es gibt nicht die Absicht, zurückzukehren", stellt er klar: "Ich habe noch zwei Jahre Vertrag, fühle mich superwohl und möchte den Stellenwert und Respekt, die ich mir erarbeitet habe, weiter ausbauen."
Klaus Allofs, Weggefährte aus Bremer Zeiten und inzwischen Geschäftsführer beim VfL Wolfsburg, hatte bereits erklärt, im Falle einer Wechselbereitschaft Interesse an Mertesacker zu haben. "Man bekommt das zwangsweise mit. Aber ich habe es mit einem Lächeln mitverfolgt", sagt dieser.
Dass es im Fußball Schlimmeres gibt als negative Schlagzeilen hat Mertesacker im vergangenen Jahr erfahren müssen. Seine monatelange Verletzungspause kostete ihn auch den Stammplatz bei der EM. Nicht eine Sekunde kam er bei der Endrunde in Polen und der Ukraine zum Einsatz. "Das war eine ganz neue Rolle für mich", sagt er heute über die "schwierige Zeit". Seinen Stammplatz hat er inzwischen aber wieder zurückerobert, in Kasachstan am Freitag (19.00 Uhr) wird er nicht nur wegen des Ausfalls seiner ärgsten Konkurrenten Mats Hummels und Holger Badstuber der unumstrittene Abwehrchef sein.
Deshalb hat er mit der EM inzwischen seinen Frieden geschlossen. "Im Nachhinein war es auch gut so", betonte er: "Ich konnte bei der EM auf hohem Niveau trainieren und mich auf die Saison vorbereiten. Auch deshalb konnte ich mich Arsenal etablieren." Auch wenn es in England viele anders sehen (wollen).
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