Formel 1 mit US-Comeback "Hoffe, ich sehe Cowboys"

Fünf Jahre ist es her, nun fiebert die Formel 1 der Rückkehr in die USA entgegen. Der Grand-Prix-Zirkus will endlich den US-Markt knacken. So mancher Fahrer spürt dagegen nur kindliche Vorfreude.

Das erst zweite Formel-1-Rennen im Wilden Westen weckt in den Fahrern kindliche Vorfreude. "Hoffentlich sehe ich dort ein paar Cowboys", sagt der viele Jahre in Köln lebende Japaner Kamui Kobayashi. "Es ist toll, dass wir wieder in den USA sind", findet Weltmeister Sebastian Vettel vor seinem 100. Rennen, mit dem sich ein Kreis schließt - sein erstes war kurioserweise ausgerechnet der bis dato letzte US-Grand-Prix 2007 in Indianapolis.

Rekordchampion Michael Schumacher freut sich derweil, dass er in seinem 306. und vorletzten Rennen noch seine Premiere in Texas feiern darf. "Meine Frau und ich sind seit vielen Jahren große Fans der USA und auch von Texas", sagt der 43-Jährige: "Daher freue ich mich besonders auf das Rennen in Austin."

"Iceman" Kimi Räikkönen, der seinen ersten Sieg seit dem Comeback vor zwei Wochen in Abu Dhabi bis zum Rennen am Sonntag in Austin feiern wollte, freut sich jedenfalls auf endlich mal seelenverwandte Fans. "Ich mag die entspannte amerikanische Art", sagt er: "Sie wissen, wie man Spaß hat, und sie lieben das Rennfahren."

Die Liebe zur Formel 1 war im Land von NASCAR und Indy 500 nicht immer groß. Nun soll Austin als zehnter Austragungsort eines US-Rennens der Königsklasse endlich eine nachhaltige Heimat im Land der unbegrenzten Möglichkeiten bieten, auch wenn ein "Local Hero" zurzeit fehlt.

"Zu einer WM gehören einfach die USA", sagt Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, der den US-Markt weiter ausbauen will. "Amerika ist in etwa so groß wie Europa. Deshalb sollten wir dort auch genauso viele Rennen haben", sagt der Brite, der sich sicher ist: "Die Fans in den USA haben die Formel 1 immer geliebt. Und Austin ist eine wunderschöne Stadt. Wer zum ersten Mal dort sein wird, wird staunen."

In dem Lone Star State im mittleren Süden wird am Wochenende zum insgesamt zweiten Mal gefahren, 1984 stieg schon einmal ein Rennen im Fair Park von Dallas. Damals siegte Keke Rosberg, sein Sohn Nico wird diesmal als Mercedes-Pilot dabei sein. "Ich kann es kaum noch erwarten, zum ersten Mal auf dem Circuit of the Americas zu fahren", sagt der 27-Jährige.

"Ich kann Gott nur dafür danken, dass es die Texaner gibt", meint derweil Mario Andretti. Der frühere Weltmeister fungiert schon seit Monaten als Botschafter des Rennens: "Ich habe keine Ahnung, warum es so lange gedauert hat, bis die Formel 1 zurückkam. Aber das einzig Wichtige ist, dass es so gekommen ist."

Da die Königsklasse vier Jahre nicht in den USA gastierte, ist es für viele der weitgereisten Piloten die erste Reise dorthin. "Ich war noch nie in den USA. Noch nicht einmal für einen Shopping-Trip in New York", berichtet der Franzose Romain Grosjean, Räikkönens Teamkollege bei Lotus, sichtlich aufgeregt. Und Marussia-Teamchef John Booth, dessen Team 2007 noch nicht am Start war, drückt seine Hoffnung aus, "dass wir diesmal auch ein bisschen Zeit haben werden, um Land und Leute kennenzulernen".

Für Booths Piloten Timo Glock wird es eine Reise in die Vergangenheit. 2005 fuhr der Hesse erfolgreich in der amerikanischen ChampCar-Serie. "Austin wird für alle im Formel-1-Zirkus eine ganz große Nummer", versichert er: "Ich bin sicher, die Amerikaner freuen sich auf uns. Und auch wir haben uns nach einem Rennen dort gesehnt."

Der wie alle neuen Strecken vom Aachener Architekten Hermann Tilke konzipierte Kurs ist trotz interner Streitigkeiten der Betreiber und einiger Verzögerungen offenbar gelungen. "Austin bietet nicht die klassische Retortenstrecke, sondern einen fordernden Kurs mit beträchtlichen Höhenunterschieden", erklärt Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Für viele wirkt die Strecke wie ein "best of" der bekannten Kurse. "Ich sehe Elemente aus Silverstone, aus Istanbul und sogar ein bisschen Hockenheim", sagt McLaren-Pilot Jenson Button.

Dass die Austin-Premiere gelingen wird, da ist sich Vettels Red-Bull-Kollege Mark Webber sicher. "Ich war schon oft in Austin, ich habe einige Freunde dort", sagt der Australier: "Und die Musikfestivals dort waren immer super organisiert."

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