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Greenpeace-Ratgeber Diesen Fisch sollten Sie nicht mehr essen

Ausgerechnet Deutschlands beliebteste Fische sollten laut Greenpeace nicht mehr verzehrt werden. Laut den Umweltschützern gibt es für Verbraucher aber gute Alternativen.

Nicht jeder mag seinen Geschmack, aber er ist der einzige Fisch, den wir noch bedenkenlos essen können: Der Karpfen wird im alljährlichen Greenpeace-Ratgeber als vertretbar und ohne jede Einschränkung als "grün" eingestuft. Bei allen anderen untersuchten Fischen macht die Umweltorganisation Einschränkungen: So werden Hering und Wels zwar grundsätzlich zum Kauf empfohlen. Davon ausgenommen ist jedoch Heringsfisch aus einigen Unterfanggebieten im Nordosten und Nordwesten des Atlantiks sowie Wels aus deutscher Aquakultur.

Wer sich beim Fischeinkauf an den Greenpeace-Richtlinien orientieren will, muss einige Mühen auf sich nehmen: zum Beispiel die Angaben auf den Verpackungen lesen, die Aufschluss über die exakte Bezeichnung der Fischart (inklusive lateinischen Namens), die Fangmethode und das Fanggebiet oder Untergebiet geben.

Bitte nur Lachs aus dem Nordostpazifik

Erst nach Abgleich dieser Detailinformationen mit dem Ratgeber lässt sich herausfinden, ob der Fisch auf dem Einkaufszettel aus einer Region stammt, die womöglich überfischt ist, oder ob er mit einer Methode gefangen wurde, die den Meeresboden belastet.

Für die laut Greenpeace bedrohten Arten Lachs und Thunfisch – immerhin Nummer eins und vier auf der Liste der beliebtesten Fische der Deutschen – nennt der Ratgeber immerhin Alternativen: So ist Lachs aus dem Nordostpazifik, der im Golf von Alaska mit sogenannten Ringwaden, Schleppangeln oder Stellnetzen gefangen wird, ökologisch vertretbar. Gelbflossenthunfisch aus fünf Fanggebieten im Pazifik ist ebenso akzeptabel wie Dorade aus dem Mittelmeer oder Bachforelle aus Deutschland. Es kommt eben immer auf die Details beim Fang an.

Alaska-Seelachs auf "Rot"

Keine Ausnahmen macht Greenpeace dagegen bei Aal, Rotbarsch, Makrele oder Seehecht. Auch Alaska-Seelachs, der vielfach für Fischstäbchen oder Fischfilets aus der Tiefkühltruhe verwendet wird, gilt für die Umweltschützer als inakzeptabel. Schuld daran ist aber nicht die Überfischung, sondern die Fangmethode mit Schleppnetzen, die laut Greenpeace den Meeresgrund zerstören.

Eines der vielen Gütesiegel von MSC bis hin zu Global G.A.P. hilft dem ökologisch bewussten Verbraucher nach Einschätzung von Greenpeace hier nicht wirklich weiter. "Es gibt kein Gütesiegel, das wir für absolut vertrauenswürdig und umfassend halten", sagt Sandra Schöttner, Meeresbiologin der Organisation.

Für den Ratgeber hat Greenpeace 115 Arten aus 550 Wildfischbeständen bewertet sowie 120 Herkunftsländer von Aquakulturen untersucht. In der Gesamtschau überwiegen die Bedenken und Warnungen eindeutig die Empfehlungen: Die meisten Fischarten sind auf "Rot" gestellt.

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Dennoch will die Umweltorganisation Fisch nicht generell vom Einkaufszettel verbannt wissen. "Greenpeace wird nie sagen: Esst keinen Fisch. Das muss jeder für sich entscheiden", sagt Schöttner. Vielmehr gehe es darum, auf die ökologischen und sozialen Konsequenzen von Fischfang oder Fischzucht aufmerksam zu machen und dem Verbraucher eine nachhaltige Wahl zu ermöglichen.

Der Blick müsse über den Tellerrand hinausgehen, erklärt Greenpeace. "Die Lobbyverbände der Fischindustrie schauen nur auf den Fischbestand und den Erhalt der Menge an verfügbarem Fisch", kritisiert Schöttner. Greenpeace bewerte dagegen auch die Auswirkungen des Fischfangs auf die Ökosysteme der Meere. So sei die Frage, ob eine bestimmte Wildfischerei den Meeresboden zerstöre oder andere Arten dezimiere, für eine nachhaltige Fischerei von entscheidender Bedeutung.

Knapp ein Drittel der Meere überfischt

Die Organisation beruft sich für ihren Ratgeber auf Daten der Welternährungsorganisation FAO, der zufolge 61 Prozent der Fischbestände als bis an die Grenze genutzt und 29 Prozent sogar als überfischt oder erschöpft gelten. Zum Teil liegt das auch am sogenannten Beifang, bei dem auch unerwünschte Meerestiere im Netz landen und dann meist tot wieder über Bord gekippt werden.

"Es gibt beunruhigende Anhaltspunkte aus der Forschung, dass die Zahlen der Welternährungsorganisation zu optimistisch sind. Illegale Fischerei und der Beifang sind wohl viel größer als bislang gedacht", sagt Meeresbiologin Schöttner. Die neue Fischereirichtlinie der Europäischen Union soll Beifang zwar verbieten. Allerdings greift diese erst im nächsten Jahr und auch dann nur schrittweise.

Greenpeace bezweifelt daher, dass sich rasch etwas an dieser weitverbreiteten Praxis ändern wird. "Die Kontrollen in der Fischerei sind viel zu selten, und wenn es bei Verstößen doch einmal zu Strafen für Fischereiboote oder deren Betreiber kommt, sind die Summen meist nur ein Taschengeld", kritisiert Schöttner.

Doch auch Zuchtfisch aus Anlagen im Meer oder an Land stellt Greenpeace kein gutes Zeugnis aus. "Fisch aus Aquakultur ist keine vollständige Lösung, auch wenn es schon nachhaltige Fischzucht gibt", sagt Schöttner. Immerhin stammt der in Deutschland angebotene Lachs zu rund 90 Prozent aus Fischfarmen in Norwegen, Schottland oder anderen nordeuropäischen Ländern. "In der Fischzucht wird oft Futter eingesetzt, das zu hohe Anteile an Fischmehl oder Fischöl enthält. So etwas betrachten wir nicht als nachhaltige Aquakultur", begründet Schöttner.

Fischindustrie spricht von "subjektiver Sicht"

Die Fischindustrie sieht das naturgemäß anders – und fühlt sich von den kauffreudigen Deutschen bestätigt. "Wenn die Verbraucher dem Ratgeber folgen würden, müsste der Fischkonsum doch zurückgehen. Das Gegenteil ist aber der Fall", sagt Matthias Keller vom Fisch-Informationszentrum in Hamburg.

Im europäischen Vergleich sind die Deutschen zwar keine großen Fischesser – sie liegen statistisch gesehen nur im Mittelfeld. Dennoch kauften sie im vergangenen Jahr gut 1,13 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte. Das entspricht im Schnitt rund 14 Kilogramm pro Person und einem Plus von rund einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Im Ranking der beliebtesten Sorten hat es im vergangenen Jahr einen Wechsel an der Spitze gegeben: Lachs ist nun der beliebteste Fisch und verdrängte Alaska-Seelachs auf Rang zwei. "Die Bevormundungsfunktion von Greenpeace wirkt anscheinend nicht", sagt Keller.

Der Fischlobbyist spricht daher auch von einer "subjektiven Beurteilung" der Daten durch Greenpeace. "Die Fischbestände entwickeln sich heute besser als noch vor Jahren, die Fischereipolitik der Europäischen Union hat etwa zum Problem des Beifangs neue Regeln beschlossen", sagt Keller. Er verweist auf die eigene Datenbank der Industrie, die Informationen zu Fanggründen und Fischmengen anbietet.

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