Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Schmähpreis Plagiarius Das sind die dreistesten Fälschungen des Jahres

Nur Nuancen unterscheiden sich einige Originalprodukte von ihren Plagiaten. Die dreistesten Kopien wurden nun mit dem Plagiarius "ausgezeichnet", darunter ein Pfannenwender und eine Brille.

Die beiden Brillen sehen auf den ersten Blick komplett gleich aus, sowohl von der Farbe her als auch von der Formgebung. Erst bei genauerem Hinsehen werden die Feinheiten der beiden Fassungen sichtbar. Nur in Nuancen ist das Violett des Modells "Arles" der Meyer Brillenmanufaktur aus Saarbrücken dunkler und intensiver geraten.

Dafür ist das Bügelende bei der Version von MOM aus Rathenow etwas breiter. Und auch der Spalt im Metall bei der Verbindung von Gläserfassung und Bügel ist unterschiedlich groß – um einige Millimeter jedenfalls.

Der Aktion Plagiarius sind die Brillen dennoch einen Preis wert. Eine Jury wählte das Beispiel auf Platz eins bei der Vergabe des diesjährigen "Plagiarius", einem Schmäh-Preis für besonders dreiste Nachahmungen und Fälschungen.

Die Trophäe: schwarzer Zwerg mit goldener Nase

Insgesamt 40 Einreichungen gab es für die fragwürdige Auszeichnung, die in diesem Jahr bereits zum 40. Mal am Rande der Konsumgütermesse "Ambiente" in Frankfurt verliehen wurde. Prämiert wurden dabei neben der nachgemachten Brille auch ein Pfannkuchen-Wender, ein Kronleuchter, ein Standventilator und eine Winterweste.

Die Preisträger kommen dabei mehrheitlich aus China, aber auch aus Tschechien und aus Deutschland. Etwa bei der Brille und auch im Fall des zweitplatzierten Tortreib-Riegels, einer Verschlusstechnik für Tore. In diesem Fall sitzen die Hersteller von Original und Kopie sogar im selben Ort.

Die beste Kopie des Jahres: die Brillenfassung "ARLES". Links das Original von der Meyer Brillenmanufaktur aus Saarbrücken, rechts das Plagiat von der Mechanisch-Optischen-Metallverarbeitung in Rathenow. (Foto: Aktion Plagiarius e.V.)

Als Trophäe bekommen die Kopisten einen kleinen schwarzen Zwerg mit goldener Nase – als Symbol für die Profite, die Nachahmer sprichwörtlich auf Kosten kreativer Designer und innovativer Hersteller erwirtschaften, wie es von der Aktion Plagiarius heißt. "Das Geschäft mit Plagiaten und Fälschungen ist ebenso lukrativ wie erfolgreich", sagt Geschäftsführerin Christine Lacroix.

Allein in Deutschland beläuft sich der wirtschaftliche Schaden durch gefälschte Produkte auf jährlich rund 56 Milliarden Euro, schätzten die Experten der Beratungsgesellschaft EY in einer aktuellen Studie.

"Die Kopien sind weder ein Kompliment noch ein Kavaliersdelikt", sagt daher Garrelt Duin, der SPD-Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, der sich den Kampf gegen Produktpiraterie auf die Fahne geschrieben hat. Vergangenen Herbst hat sein Haus daher eine Ausstellung organisiert, um das Thema stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

Fälscher würden auf schnelle Gewinnmaximierung setzen

Zwar melden die Kontrolleure des Zoll regelmäßig Erfolge im Kampf gegen Produktfälscher. 2014 etwa haben die EU-Zollbehörden fast 36 Millionen rechtsverletzende Produkte im Wert von mehr als 617 Millionen Euro an den Außengrenzen der Europäischen Union beschlagnahmt. Damit zieht der Zoll alle fünfeinhalb Minuten eine Fälschung aus dem Verkehr. Und trotzdem ist das allenfalls die Spitze des Eisbergs, heißt es beim Aktionskreis gegen Produkt- und Markenpiraterie (APM).

Denn es gibt einen riesigen Markt für nachgemachte Ware. Auch das zeigt die EY-Studie. Fast jeder zweite der rund 1000 befragten Verbraucher räumte ein, schon mal ein Plagiat erworben zu haben oder sich zumindest vorstellen zu können, ein nachgemachtes Produkt zu kaufen.

Der überwiegende Teil der Fälschungen wird demnach von den Verbrauchern ganz bewusst gekauft. Grund dafür ist der Studie zufolge für die allermeisten der niedrigere Preis der Imitate. Die Aktion Plagiarius appelliert daher an die Vernunft und Verantwortung der Verbraucher. "Die Konsumenten dürfen sich nicht blauäugig der Illusion hingeben, dass es das Ziel der Nachahmer ist, ihnen hochwertige Markenfälschungen zum fairen Schnäppchenpreis zu bieten", sagt Christine Lacroix.

Im Gegenteil: Die Fälscher würden auf schnelle Gewinnmaximierung setzen. "Das heißt, sie verwenden minderwertige Materialien, verzichten auf Qualitäts- und Sicherheitskontrollen, produzieren unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und setzen billigend die Gesundheit der Menschen in den Fabriken sowie der Konsumenten aufs Spiel." Wer also bewusst Fälschungen kauft, unterstütze unter anderem auch Kinderarbeit und kriminelle Machenschaften.

Kopierte Ikea-Filiale in China

Juristische Konsequenzen hat der nun verliehene Negativ-Preis dennoch nicht. "Die Aktion Plagiarius kann und will kein Recht sprechen", sagt Geschäftsführerin Lacroix, die schon seit Jahren eine Professionalisierung der Fälscher beobachtet. Stattdessen geht es um Öffentlichkeit und moralische Schuld.

Und das scheint zu funktionieren: Aus Angst vor der öffentlichen Blamage haben einige der angeschriebenen Nachahmer noch vor der Jurysitzung von Plagiarius eine Einigung mit dem Originalhersteller gesucht, meldet der Verein. Teils seien Restbestände vom Markt genommen, Unterlassungserklärungen unterschrieben oder aber Lieferanten preisgegeben worden.

Betroffen ist praktisch jede Industrie. Denn gefälscht wird fast alles: Gebrauchsgüter wie Taschen, Schuhe oder Uhren, aber auch Maschinen, Medikamente, Autoteile oder sogar ganze Geschäfte. In China etwa gab es schon Kopien einer kompletten Ikea-Filiale, eines Drogeriemarkts von dm oder einer Niederlassung der Investmentbank Goldman Sachs.

Laut EY-Studie werden die Fälscher zudem immer schneller. Rund 60 Prozent der 550 befragten Unternehmen sehen sich bereits innerhalb des ersten Jahres nach Einführung eines neuen Produktes mit Nachahmungen konfrontiert, fast jedes zehnte Unternehmen sogar bereits innerhalb des ersten Monats.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

 
Artikel kommentieren

Bitte loggen Sie sich ein, um Kommentare zu schreiben.

Login

Artikel als "Nickname" kommentieren:

Noch 800 Zeichen

Leserkommentare ()
Weitere Kommentare anzeigen ()
 
Großbritannien verlässt die EU.
Der Brexit hat Folgen
Das ändert sich jetzt für die Deutschen
Das Ikea-Gitter soll Kleinkinder vor Gefahren wie zum Beispiel Treppen schützen. Die Aufgabe erfüllt es aber offenbar nicht.
Mehrere Verletzte
Ikea ruft Kinder-Schutzgitter zurück
Umzugsschäden durch freiwillige Helfer müssen Umziehende normalerweise selbst tragen.
Check24-Verbrauchertipp
Umzugshilfe unter Freunden: Wer zahlt bei Schäden?
Ankaufspreise unterscheiden sich zum Teil erheblich
Online-Goldankäufer im Test
Frisch aus dem Ofen schmeckt Pizza am besten. Doch auch wenn der Lieferservice sie noch zum Kunden bringen muss, sollte die Pizza am Ende nicht kalt sein. Foto: Arno Burgi
Geliefertes Essen
Kann man eine kalte Pizza eigentlich ablehnen?
Tablet-Hersteller: Test des After-Sales Supports
Freundlich – aber nicht immer kompetent
DtGV-Studie: Gasanbieter 2016
Große Preisunterschiede, häufig nur schwacher Service
Hähnchenschnitzel werden teurer, beim Schweineschnitzel variieren die Preise.
Bier, Chips und Grillgut
So teuer wird der Sommer in Deutschland
Viele Fans greifen zur Schminke, um ihre Elf zu unterstützen: Ob das der Gesundheit schaden könnte, scheint nicht klar zu sein.
Stiftung Warentest warnt
Deshalb sollten Sie keine EM-Schminke kaufen
Mit Reisedeal-Anbietern wird der Traumurlaub fast immer billiger.
Reisedeal-Anbieter im Vergleichstest
Bis zu 30 Prozent Preisvorteil gegenüber anderen Buchungsformen
Gefälschte Medikamente können zur tödlichen Gefahr für Kunden werden. Der Zoll berichtet, dass das Geschäft mit gefälschten Präparaten boomt.
Billig zum Höhepunkt
Das erstaunliche Testergebnis des No-Name-Viagras
Küchenstudios: Test von Service und Beratung
Planung erfolgt oft an den Preisvorstellungen der Kunden vorbei
Eine Mini-Flasche von Evian. Die große Version wurde jetzt überarbeitet und dabei auch gleich deutlich teurer.
"Mogelpackung des Monats"
Weniger Evian für deutlich mehr Geld
Fleischloser Ersatz im Test: Viele Produkte fielen durch ungesunde und umstrittene Inhaltsstoffe auf (Quelle: ÖKO-TEST).
Zweifelhafter Genuss
Was wirklich in fleischlosen Produkten enthalten ist
Fertighäuser sind im Trend. Bei der Beratung müssen die Anbieter aber noch nachbessern.
Fertighausanbieter: Erstberatung im Test
Beratung zum Thema Energie oft unzureichend
Haftpflichtversicherung im Vergleichstest
Umfassender Schutz muss nicht teuer sein
Neun der 19 getesteten Helme wurden insgesamt mit gut bewertet. Ein Helm fiel komplett durch.
Stiftung Warentest
Finger weg von diesen vier Kinderhelmen
Der Hersteller Homann ruft eine Reihe von Salatprodukten zurück.
Großer Rückruf bei Homann
Diese zehn Salate müssen Sie jetzt zurückbringen
Ein Umzug kann mehrere Tausend Euro kosten. Allerdings beteiligt sich der Staat daran in Form von Steuernachlässen.
Privat oder beruflich?
So bezahlt der Staat den Umzug mit
ZDF-Test: Wie gut sind unsere Süßigkeiten?.
Süßigkeiten im Test
Wenn die teuren Kekse letzter hinter Lidl werden