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Romney der Buhmann VW hängt US-Urgesteine ab - Obama sonnt sich

Der Automarkt in den USA boomt. Davon profitiert vor allem VW, ein Rekord jagt den nächsten. Nutznießer ist US-Präsident Obama, sein Herausforderer Romney guckt dagegen voll in die Röhre.

Europas größter Autobauer Volkswagen feiert in den Vereinigten Staaten anhaltende Verkaufserfolge. Die Wolfsburger konnten ihren Absatz im April um 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigern.

Einzig Chrysler konnte unter den US-Herstellern da noch ansatzweise mithalten mit einem Zuwachs von 20 Prozent. Die Opel-Mutter General Motors dagegen büßte um 8 Prozent ein, bei Ford betrug der Rückgang 5 Prozent. GM sieht die Branche gleichwohl auf Jahressicht deutlich im Plus.

Chrysler weiterhin Primus

Die US-Schwergewichte schoben einen Teil des Schwunds darauf, dass dieser April drei Verkaufstage weniger hatte. "Wir erwarten, dass die schrittweise Erholung in der Wirtschaft anhält", erklärte GM-Verkaufschef Don Johnson am Dienstag und hob die Verkaufsprognose an. Der Branchenprimus geht nun davon aus, dass in den USA bis zum Jahresende branchenweit 14,0 bis 14,5 Millionen Wagen verkauft werden. Das ist eine halbe Million mehr als bislang erwartet - und läge deutlich über den 12,8 Millionen Autos des Vorjahres.

Seit Monaten steigen die Verkäufe in den USA, wohingegen sich die Europäer angesichts der Schuldenkrise zurückhalten. Ein Grund für den Aufschwung in Übersee: In den Vereinigten Staaten sinkt die Arbeitslosigkeit und die Menschen haben wieder mehr Geld zur Verfügung. VW profitiert besonders davon, weil der Konzern seinen günstigen US-Passat herausgebracht hatte. Neben dem kleineren Jetta ist dies nun der Verkaufsschlager.

Von den absoluten Stückzahlen her spielen die US-Autobauer allerdings in einer anderen Liga als VW - trotz aller Zuwächse. GM kam auf 213.400 verkaufte Wagen, Ford auf 174.000 und Chrysler auf 141.200. VW wurde 37.500 Autos los. Auch die japanischen und südkoreanischen Hersteller sind stark in den Vereinigten Staaten. Sie wollten ihre Absatzzahlen genauso wie BMW, Mercedes und Porsche im Laufe des Tages vorlegen.

Obama als Heilsretter

Detroit, die gebeutelte Autohauptstadt der USA, erlebt gerade eine Renaissance - und das könnte für Barack Obama ein entscheidender Vorteil im Rennen ums Weiße Haus werden. Denn sein Rivale Mitt Romney hat sich nicht gerade viele Freunde unter Amerikas Autobauern gemacht.

"Die Autoindustrie ist mit vielen Arbeitsplätzen und hohen Umsätzen verknüpft", erläutert die Amerikanische Handelskammer in Deutschland die Bedeutung der Branche. "Es ist ein Wirtschaftsthema, das selbstverständlich im Wahlkampf Platz findet." So besucht Obama auffallend häufig Autofabriken - und wird dort begeistert empfangen.

Die schwere Krise der Autoindustrie war Obamas erste große Bewährungsprobe zu seinem Amtsantritt 2009. Er bewahrte die beiden Schwergewichte General Motors und Chrysler mit Steuermilliarden vor dem Bankrott. Romney dagegen wollte die Autobauer damals in die Pleite schicken. Dabei ist er in Detroit geboren. Sein Vater George war sogar Chef der American Motors Corporation (AMC), die später in Chrysler aufging.

"Let Detroit Go Bankrupt"

Als "Rückgrat der US-Wirtschaft" hatte Obama die Autoindustrie in ihrer schwersten Krise bezeichnet und den Hunderttausenden Mitarbeitern damit Mut zugesprochen. Für ihn stand es außer Frage, die Autokonzerne zu retten - gegen die Attacken der Republikaner, die den freien Markt verteidigten.

"Präsident Obama stellt eine unmittelbare Verbindung zwischen seiner Amtsführung und der Erholung der Autoindustrie her", erklärt die Handelskammer. In einem Wahlwerbespot warf der Präsident den Republikanern vor, die Arbeiter im Stich gelassen zu haben.

Denn Romney hatte in einem Gastbeitrag für die "New York Times" im November 2008 gefordert: "Let Detroit Go Bankrupt", zu deutsch: "Lasst Detroit pleitegehen". Seine Argumentation: Nur ein solch harter Bruch könne die Automanager wachrütteln und überlebenswichtige Reformen anstoßen. Diese Worte haben ihm viele in der Branche bis heute nicht verziehen.

Benzinpreise auf Rekordhoch

Allerdings gibt es auch Gegenwind für Obama: die hohen Benzinpreise. Die Gallone schwankt um die 4 Dollar, was umgerechnet 80 Eurocent pro Liter sind. Vor zwei Jahren waren es keine 3 Dollar, und in der Krise nur 2 Dollar. Da ist es für den Amerikaner auch kein Trost, dass die Europäer deutlich mehr zahlen.

Die Republikaner werfen Obama vor, seine Energiepolitik sei verantwortlich für das Desaster. Er behindere die Ölindustrie und setze sich nicht genug für neue Bohrlizenzen ein. Obama ging vor zwei Wochen in die Offensive. Er legte einen Fünf-Punkte-Plan vor und forderte unter anderem eine stärkere Überwachung des Ölmarktes und härtere Strafen für Manipulationen. Die USA könnten es sich nicht leisten, dass Spekulanten künstlich den Preis hochtrieben. Der autofahrende Wähler wird das gerne gehört haben.

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