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Altlasten statt Neubeginn Deutsche Bank kämpft um ihr Image

Die Deutsche Bank wollte mit gutem Beispiel vorangehen. Nun kämpft die neue Führung an allen Fronten um das Image des größten deutschen Geldinstituts. Die glänzende Fassade bekommt Risse.

Die glänzende Fassade bekommt zunehmend Risse: Die Deutsche Bank kämpft um ihr Image. Steuerfahnder statt Strategie, Kirch-Urteil statt Konzernumbau, Gewinnwarnung statt große Visionen - Negativmeldungen überlagern die Aufbruchstimmung. Vom «Kulturwandel», den das Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen ankündigte, scheint der deutschen Branchenprimus meilenweit entfernt.

Nach der Steuerrazzia in dieser Woche sah sich Co-Chef Fitschen gar genötigt, öffentlichkeitswirksam in "Bild"-Zeitung und "Handelsblatt" seine Unschuld zu betonen und den Ermittlern überzogenes Vorgehen vorzuwerfen. Blaulicht im Bankenviertel und hunderte Fahnder in Banker-Büros werfen kein gutes Licht auf den Weltkonzern, der in Deutschland das Symbol einer ganzen Branche ist.

"Der Kulturwandel in der Bank ist für uns ein wichtiges Ziel - und die Vorwürfe gegen mich beschädigen in der Tat die Glaubwürdigkeit unserer Arbeit", sagte Fitschen. Der 64-Jährige betonte: "Ich bleibe dabei: Nicht jedes Geschäft, das erlaubt ist, ist auch moralisch in Ordnung."

Schon Vorgänger Josef Ackermann predigte vor seinem Abschied Ende Mai dieses Jahres immer wieder: "Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen." Mit etlichen Altlasten müssen sich nun seine Nachfolger herumschlagen.

Im Investmentbanking, das Jain seit Jahren verantwortet, häufen sich die Probleme. Dort war nicht nur der in die Schlagzeilen geratene Handel mit Luftverschmutzungsrechten angesiedelt, sondern auch das Thema Libor. An den Manipulationen dieses Referenzzinses waren nach bisherigen Erkenntnissen zumindest zwei Mitarbeiter der Bank beteiligt. Ehemalige Angestellte beschuldigen das Institut zudem, durch Buchungstricks bei Kreditderivaten Milliardenverluste verschleiert zu haben - was die Deutsche Bank vehement bestreitet.

Als sich Finanzvorstand Stefan Krause am Donnerstag den Analysten stellte, wollte er eigentlich über das operative Geschäft reden. Die meiste Zeit musste er jedoch damit zubringen, die Hintergründe der Razzia vom Vortag zu erklären und den erneut hochgekochten Vorwurf der Bilanztrickserei zu entkräften.

Die juristischen Auseinandersetzungen binden die Deutsche Bank in Zeiten, in denen der gesamten Branche eisiger Wind entgegenweht. Regulatoren verschärfen die Kapitalvorgaben, Politiker fordern die Zerschlagung von Großbanken, viele Kunden vertrauen nach Jahren der Krise und immer neuen Skandalen "den Banken" kaum noch.

In Europa bremst die Schuldenkrise die Branche, in Deutschland ist der Wettbewerb der Finanzinstitute unvermindert hart. "Insgesamt stellt sich für die deutsche Kreditwirtschaft bei gestiegenen Kosten und härterem Wettbewerb die Frage, ob es in Deutschland ausreichend auskömmliches Geschäft für alle Banken gibt", stellte Bundesbank- Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger im November nüchtern fest.

Dass die Deutsche Bank in der vergangenen Woche auch noch für das Schlussquartal 2012 eine Gewinnwarnung herausgab - die so nach offizieller Lesart des Instituts nicht heißen darf - passt ins Bild. Sondereffekte würden sich "signifikant negativ auf den Gewinn" auswirken, teilte der Dax-Konzern mit.

Unrühmlicher Schlusspunkt einer verpfuschten Woche für Fitschen, Jain und Co.: Am Freitag verurteilte das Oberlandesgericht München die Bank zu Schadenersatz für die Pleite des Medienimperiums des inzwischen verstorbenen Leo Kirch im Jahr 2002. Der damalige Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer hatte kurz vor der Kirch-Insolvenz in einem Fernsehinterview Kirchs Kreditwürdigkeit angezweifelt. Geld wird in diesem Fall allerdings weiter keines fließen: Der Fall dürfte wieder beim Bundesgerichtshof landen.

Fitschen macht seit seinem Amtsantritt keinen Hehl daraus, dass in Deutschlands größter Bank nicht immer alles glatt lief und er das nicht nur kosmetisch ändern will. "Wir sind angetreten mit dem festen Willen, Fehlentwicklungen der Vergangenheit zu korrigieren", bekräftigte Fitschen im "Bild"-Interview. Im "Handelsblatt" versprach der Manager, das Führungsteam werde "jetzt die Ärmel noch ein wenig höher krempeln". Das dürfte auch nötig sein.

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