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Nokias Zukunft ungewiss Lumia-Smartphones entscheiden alles

"Alles oder nichts": Nokia setzte mit seinen Windows-Smartphones alles auf eine Karte. Die Geräte sind beliebt, teilweise sogar ausverkauft. Doch kann sich der finnische Konzern damit retten?

Hoffnungszeichen vor Weihnachten: Das neue Windows-8-Smartphone des strauchelnden Handy-Pioniers Nokia kommt bei den Kunden bislang gut an, auch wenn das Unternehmen konkrete Zahlen noch unter Verschluss hält. Dennoch möchte kein Experte momentan darauf wetten, dass sich die Finnen mit den moderneren Lumia-Geräten dauerhaft eine Zukunft auf dem von Apple und Samsung dominierten Markt sichern. Zwar erfreuen sich die neuen Nokia-Flaggschiffe seit ihrer Markteinführung im vergangenen Monat einer regen Nachfrage und sind in vielen Läden in Europa und den USA rar oder ausverkauft. Doch Zweifel am Erfolg der Zusammenarbeit mit dem ebenfalls in Bedrängnis geratenen Windows-Anbieter Microsoft bleiben. Beobachter sprechen von einer "Alles oder Nichts"-Situation. Die Modelle Lumia 920 und 820 sollen und müssen es richten.

Denn seit Jahren verliert der einstige Weltmarktführer an Bedeutung, hat einen immer kleineren Teil des Kuchens inne. Mit der Konkurrenz können die Finnen immer seltener mithalten - und das nicht mehr nur in der gehobenen Luxusklasse, wo Nokia schon länger den Anschluss verpasst hat, sondern auch in dem vor allem in Schwellenländern gefragten Segment mit einfachen Handys. Lange dominierten Negativ-Schlagzeilen: Stellenstreichungen, der Verkauf von Randbereichen und zahlreiche Quartale mit roten Zahlen.

Jetzt könnte sich das Bild ändern. Investoren stürzen sich wieder auf gute Nachrichten aus dem Hause Nokia, allen voran die zufriedenstellend verlaufende Nachfrage nach dem heftig beworbenen Lumia 920, das von Experten als konkurrenzfähig zu iPhones und Galaxy-Modellen eingeschätzt wird. Aber auch die Kooperation mit Branchenprimus China Mobile auf dem weltgrößten Handy-Markt kommt gut an. Die Nokia-Aktie hat im vergangenen Monat ein Plus von mehr als 40 Prozent verzeichnet. Es sei eine substanzielle Verbesserung festzustellen, sagt Analyst Sami Sarkamies vom Finanzkonzern Nordea.

Hoffnung - aber nicht mehr

Trotz des jüngsten Aufwärtstrends sind Analysten weiterhin skeptisch, dass Nokia den Sturz in die Bedeutungslosigkeit noch abwenden kann. "Ich glaube nicht, dass sie damit die Kurve kriegen", sagt Branchenkenner James Faucette von der kleinen Investmentbank Pacific Crest Securities.

Die Erwartungen sind vielleicht zu hoch. Einige hoffen, dass Nokia zehn Millionen Lumia-Mobiltelefone im Quartal verkaufen kann, andere Experten prognostizieren zwischen fünf und sechs Millionen - davon soll aber mehr als die Hälfte auf ältere Lumia-Versionen entfallen, für die es Rabatte gibt. Im dritten Quartal waren drei Millionen Lumia-Geräte über die Ladentische gewandert. Zum Vergleich: Das iPhone wurde 26,9 Millionen Mal verkauft, Samsungs Galaxy-Handys, die mit dem Google -Betriebssystem Android laufen, sollen von Oktober bis Dezember rund 60 Millionen Mal ausgeliefert worden sein.

Probleme in der Lieferkette

Offenbar genügt jedoch auch die derzeitige Nachfrage nach den Nokia-Smartphones 920 und 820 schon, um die Lieferkette und Produktion ins Wanken zu bringen. In Finnland sind die Modelle im besonders wichtigen Weihnachtsgeschäft ausverkauft, in den USA füllen sich erst langsam wieder die Läden. Viele vermuten, dass der Chip-Hersteller Qualcomm zu wenige Halbleiter bereitstellen kann.

In Deutschland gibt es dagegen bisher keine Engpässe. "Wir sind mit beiden sehr erfolgreich im Weihnachtsgeschäft", sagt ein Vodafone -Sprecher über das Lumia 920 und 820. Die Absatzerwartungen seien bei beiden Modellen übertroffen worden, ergänzt er, ohne jedoch Zahlen zu nennen. Marketing-Chef Michael Hagspihl von der Deutschen Telekom sagt: "Stehen sie an, wie für das iPhone? Nein. Decken die Verkäufe unsere Kosten für das Marketing? Ja." Viele Mobilfunk-Anbieter setzen darauf, dass das neue Lumia zu einem Erfolg für die Finnen wird. Dies würde ihrer Einschätzung nach Apple und Samsung zumindest etwas daran hindern, den Markt komplett unter sich aufzuteilen - und damit die Konditionen zu diktieren.

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