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Skandale um Deutsche Bank Bank-Bosse wollen den Wandel weiter wagen

Seit sechs Monaten, seit dem 1. Juni 2012 sind Jürgen Fitschen und Anshu Jain Nachfolger von Josef Ackermann. Der Ruf der Deutschen Bank ist arg ramponiert. Die Krise wollen sie gemeinsam meistern.

In ihrem Weihnachtsschreiben an die Mitarbeiter hat die Doppelspitze der Deutschen Bank Besserung gelobt. "Wir werden alles daran setzen, die Vergangenheit aufzuarbeiten", zitierte die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) aus dem Brief der beiden Co-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain. In dem Schreiben äußerten sich die beiden Banker zum ersten Mal gemeinsam, seit gegen Fitschen ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Steuerbetrugs eingeleitet wurde. Sie wollen sich gemeinsam aus der Krise ziehen.

Fitschen hatte nach der Razzia vor zehn Tagen klar gestellt, dass die fraglichen Vorgänge in dem von Jain verantworteten Investmentbanking vorgefallen sind. Der Inder selbst habe seither geschwiegen, berichtete die FAS. In dem Schreiben an die Mitarbeiter betonten die Co-Chefs Einigkeit und die Absicht, den geplanten Kulturwandel im nächsten Jahr "mehr denn je" voranzutreiben, um das Vertrauen der Öffentlichkeit wieder aufzubauen. "Dieser Wandel ist nicht leicht, und wird Zeit benötigen - aber er muss und wird erfolgen", zitierte die Zeitung.

Anruf beim Ministerpräsidenten

Fitschen und Jain haben dieses Jahr die Nachfolge des langjährigen Vorstandschefs Josef Ackermann angetreten und der Bank einen Kulturwandel verordnet. Sie müssen sich aber derzeit mit einer Reihe von Problemen aus der Vergangenheit des Instituts befassen: Ende vergangener Woche hatte das Oberlandesgericht München die Bank im Kirch-Verfahren grundsätzlich zu Schadenersatz verurteilt. Die Höhe soll in einem Gutachten ermittelt werden. Die Erben des Unternehmers Leo Kirch werfen dem Institut vor, für den Zusammenbruch dessen Medienimperiums vor zehn Jahren verantwortlich zu sein. Ex-Bankchef Rolf Breuer hatte damals in einem Interview Zweifel an der Kreditwürdigkeit Kirchs geäußert. Seither überzieht die Familie die Bank mit Klagen in Milliardenhöhe.

Im Zusammenhang mit dem Kirch-Verfahren wird ehemaligen Vorständen der Bank Prozessbetrug vorgeworfen, deshalb durchsuchte die Staatsanwaltschaft München am Mittwoch die Frankfurter Zentrale des Konzerns. Bereits eine Woche zuvor waren Büros der Bank wegen des Vorwurfs des Steuerbetrugs im Zusammenhang mit dem Handel von CO2-Verschmutzungsrechten durchsucht worden. Dabei wurden fünf Mitarbeiter vorübergehend in Untersuchungshaft genommen. Zudem wird in diesem Zusammenhang gegen Fitschen und Finanzchef Stefan Krause wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Fitschen hatte sich beim hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier telefonisch über die Razzia beklagt - und war dafür harsch kritisiert worden.

"Viel Solidarität verspürt"

Fitschen trat die Ackermann-Nachfolge als "ehrbarer Kaufmann" an, er wollte es anders machen. Viel ist seither von Moral und Kundennähe die Rede, von berechtigten Vorurteilen gegenüber einer Branche und von Einsicht in eigene Fehler. Es gelte, die Vergangenheit "abzuarbeiten", sagt der Niedersachse. Die Ziele sind hoch gesteckt: Die deutsche Nummer eins will zum Vorreiter in der Branche werden. Eigentlich will Fitschen den Wandel vorleben - doch stattdessen sieht er sich seit Tagen in der Defensive. Mit einem einzigen Anruf bei Ministerpräsident Bouffier machte sich der 64-Jährige, dessen politisches Netzwerk und diplomatisches Geschick stets gelobt wurden und der als Gegengewicht zum Investmentbanker Jain empfunden wurde, parteiübergreifend zum Buhmann.

Hinter den Glasfassaden der Deutschen-Bank-Zentrale in Frankfurt sind viele verunsichert, denn die jüngste Polizeiaktion betraf nicht exponierte Investmentbanker, sondern auch "normale" Mitarbeiter des Geldhauses. "Was den Menschen in der Bank alles passieren kann, absolut redlichen Menschen", sagt ein hochrangiger Mitarbeiter. Das könnte die Belegschaft letztlich sogar zusammenschweißen: "Ich habe zu über 1000 Mitarbeitern gesprochen und viel Solidarität verspürt", sagte Fitschen.

Sonderlasten in Milliardenhöhe

Daneben muss sich das Institut weltweit mit weiteren Rechtsstreitigkeiten auseinandersetzen, unter anderem wegen Falschberatung bei Hypothekengeschäften in den USA. Experten erwarten angesichts der vielen Klagen in den kommenden Jahren Sonderlasten in Milliardenhöhe. Vorläufig entschieden wurde am Mittwoch der Prozess wegen riskanter Zinswetten gegen Kommunen in Italien: Hier sprach ein Gericht in Mailand die Bank zusammen mit der Schweizer UBS, der deutsch-irischen Depfa und das US-Geldhaus JP Morgan des schweren Betrugs für schuldig. Es geht um komplexe Zinsgeschäfte mit der Stadt Mailand.

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