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Dank Porsche-Übernahme Volkswagen fährt Rekordgewinn ein

Dickes Plus für Europas größten Autobauer: Volkswagen hat 2012 einen Rekordgewinn von knapp 22 Milliarden Euro erzielt, Grund dafür war die Porsche-Übernahme. Die Aktie ging dennoch auf Talfahrt.

Europas Autoprimus Volkswagen verdient so viel wie nie zuvor - doch die anhaltend schwierige Marktlage in Europa lässt die Wolfsburger nicht kalt. Zudem müssen Vorstandschef Martin Winterkorn und seine sieben Kollegen bei ihren Millionengehältern deutliche Abstriche machen, nachdem teils heftige Kritik an der Höhe ihrer Bezüge laut geworden war. Insgesamt richtet sich der größte deutsche Industriekonzern auf ein schwieriges Jahr 2013 ein.

Wie das Unternehmen nach einer Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg mitteilte, konnte die VW-Gruppe mit ihren zwölf Marken im vergangenen Jahr zwar ein bisher unter den Dax-Firmen nie erreichtes Nettoergebnis von knapp 21,9 Milliarden Euro einfahren. Sie übertraf den Vorjahreswert (15,8 Milliarden) Euro deutlich. Ein Haupttreiber für das Allzeit-Hoch waren allerdings höher bewertete Anteile und Optionen beim inzwischen integrierten Sportwagenbauer Porsche.

Das Betriebsergebnis kletterte 2012 leicht von 11,3 auf 11,5 Milliarden Euro - hier hatte VW-Chef Martin Winterkorn mit einer Stagnation gerechnet. VW schlug sich damit dank seiner breiten internationalen Aufstellung deutlich besser als andere europäische Massenhersteller wie PSA Peugeot Citroën, Fiat oder Opel, die in einer schweren Krise stecken.

Umsatz wuchs auf 192 Milliarden Euro

Auch im laufenden Jahr will VW aus derzeitiger Sicht zunächst einmal das erreichte Niveau halten. Bei Auslieferungen und Umsatz will Winterkorn dagegen weiter zulegen. An der Börse wurde der Ausblick dennoch mit Ernüchterung aufgenommen: Das im deutschen Leitindex Dax notierte Vorzugspapier sackte nach Bekanntgabe der Zahlen und der Prognose um sieben Prozent ab.

Wie vielen seiner Wettbewerber machte VW im vergangenen Jahr vor allem die Verunsicherung der Kunden in Süd- und Westeuropa infolge der Staatsschuldenkrise zu schaffen. "Das wirtschaftliche Umfeld für unser Geschäft ist im Jahresverlauf deutlich schwieriger geworden", sagte Winterkorn. Daneben mussten die Niedersachsen hohe Anlaufkosten für das neue Produktions-Baukastensystem MQB schultern. Weil ein hoher Buchgewinn - wie durch die besser bewerteten Porsche-Optionen - 2013 nicht mehr ansteht, rechnen Beobachter mit einem Rückgang des Gesamtergebnisses.

Der Umsatz des Konzerns wuchs von 159,3 Milliarden Euro auf 192,7 Milliarden Euro. Dazu trugen auch weitere Aufstockungen der Anteile an MAN und die Übernahme des restlichen Porsche-Geschäfts bei. Die vollständigen Zahlen will VW am 14. März nennen. Für 2012 schlug der Konzern eine Dividende von 3,50 Euro je Stammaktie vor, für die Vorzüge 3,56 Euro. Das sind jeweils 50 Cent mehr als vor einem Jahr.

Wettrennen mit General Motors

Volkswagen liefert sich vor allem mit den Erzrivalen Toyota und General Motors ein Wettrennen um die Weltspitze in der Autoindustrie. Die Niedersachsen wollen bis spätestens 2018 mindestens 10 Millionen Autos pro Jahr verkaufen. Beobachter halten es für möglich, dass das Ziel viel früher erreicht wird - 2012 lag die VW-Gruppe mit fast 9,3 Millionen Auslieferungen nicht mehr weit unter dieser Marke.

Vor allem in Asien und speziell in China lief es weiter rund. Auch in den USA blieb VW auf Rekordjagd. Der Kompletteinbau von Porsche und die Ausweitung der MAN-Anteile ließen die Liquidität schrumpfen, VW hat jedoch immer noch rund 10,6 Milliarden Euro in der Kasse.

Bei der Bezahlung der Top-Manager zog der Aufsichtsrat nach monatelangen Beratungen die Reißleine. Die umstrittenen Bonuszahlungen wurden neu geregelt, was auch die Vergütung Winterkorns nach unten drückt. Der VW-Chef bekommt nach rund 17,5 Millionen Euro für das Jahr 2011 nun 14,5 Millionen Euro. Bei der bisherigen Berechnung wäre Winterkorn laut Medienberichten auf 20 Millionen Euro gekommen.

Neue Regeln für Boni

Boni sollen nun grundsätzlich nur noch für Geschäftsjahre fließen, in denen Volkswagen einen Betriebsgewinn von mindestens fünf Milliarden Euro ausweisen kann. Die Berechnung der ebenfalls variablen "langfristigen Anreize" - sie liegt in der Regel ebenfalls über dem festen Grundgehalt der Top-Manager - bleibt dagegen unverändert. Insgesamt bekommt der achtköpfige Vorstand für 2012 etwa 56 Millionen Euro, nach rund 70 Millionen Euro im Vorjahr.

Zudem beschlossen die Aufseher eine Bonusbegrenzung für Winterkorn auf höchstens 6,75 Millionen Euro für die Jahre 2012 und 2013. Für 2011 hatte er einen Bonus von mehr als 11 Millionen Euro erhalten. Die übrigen sieben Mitglieder des VW-Vorstands können so maximal 2,5 Millionen Euro zusätzlich verdienen. Für "besondere Leistungen" können Zuschläge von 50 Prozent des normalen Bonus gewährt werden.

Winterkorn selbst hatte Verständnis gezeigt, dass eine Gehaltshöhe von 20 Millionen Euro nicht mehr zu vermitteln sei. Rückendeckung bekam er erneut von Betriebsratschef Bernd Osterloh: "Obwohl wir in bestehende Verträge eingreifen, haben wir eine gemeinsame Lösung gefunden." Der VW-Chef habe für weltweit 100 000 neue Jobs mit gesorgt.

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