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Klimakiller R134a Frankreichs Mercedes-Blockade sorgt für Ärger

Wegen der Verwendung eines umstrittenen Kühlmittels will Frankreich rund 30.000 Autos von Mercedes nicht zulassen. Die Blockadehaltung könnte zu diplomatischen Verstimmungen führen.

Der Zulassungsstopp in Frankreich für einige Baureihen von Mercedes-Benz könnte bis zu 30.000 Fahrzeuge betreffen. Sollte Frankreich die Zulassung der Modelle A-, B- und SL-Klasse wegen der Verwendung eines umstrittenen Klimaanlagen-Kältemittels ein Jahr lang blockieren, würde das hochgerechnet etwa zwei Prozent der weltweiten Fahrzeugregistrierungen von Mercedes betreffen, sagte eine Daimler-Sprecherin in Stuttgart.

"Wir stehen mit den französischen Behörden in Kontakt, haben aber derzeit keine Erklärung für das Verhalten", ergänzte ein Sprecher. Alle von dem Zulassungsstopp betroffenen Autokäufer in Frankreich erhielten einen Leihwagen.

Unzulässige Kühlmittel

Die Behörden in Frankreich weigern sich derzeit, einigen Neuwagen von Mercedes-Benz die Zulassungspapiere auszustellen: Denn die Klimaanlagen der Fahrzeuge sind mit dem nach EU-Vorschriften unzulässigen Kühlmittel R134a ausgerüstet.

Eine vom deutschen Kraftfahrtbundesamt (KBA) erteilte Genehmigung, die den Einsatz des Kühlmittels dennoch erlaubt, wollen die Franzosen nicht anerkennen. Dies betrifft die Kompaktmodelle der Mercedes A- und B-Klasse, die auch das neue Modell CLA umfasst, sowie die Sportwagen SL, die nach dem 12. Juni vom Band gerollt sind.

In diese Neuwagen müsste gemäß der ursprünglichen Zulassungsgenehmigung seit Jahresbeginn das klimaschonendere Kältemittel R1234yf eingefüllt werden. Diese Vorgabe boykottiert Daimler, da der Autobauer das Kältemittel für zu gefährlich hält. Bei einem Unfall und einem Leck im Klimasystem könnte sich das Kältemittel entzünden, argumentiert Daimler.

Mit der Zulassungsblockade steht Frankreich in der EU allein auf weiter Flur. "Soweit wir wissen, erkennen alle anderen Länder die Zulassung des KBA an", sagte der Daimler-Sprecher. Von den französischen Behörden war keine Stellungnahme zu erhalten. "Ich bin nicht informiert darüber", sagte Industrieminister Arnaud Montebourg. 

Rückendeckung aus Brüssel 

Rückendeckung bekommen die französischen Behörden von der EU-Kommission. Diese will das klimaschädliche Kältemittel R134a aus Neuwagen verbannen, hat dazu aber lange Übergangsfristen gesetzt. Mercedes wollte für seine Neuwagen der A-, B-und SL-Klasse diese Übergangsfristen nicht nutzen, entschied sich dann aber um: Vom Kraftfahrtbundesamt holte sich der Autobauer Mitte Juni grünes Licht für die weitere Verwendung des Kältemittels R134a - wie zuvor bereits der VW -Konzern oder BMW.

Die EU-Kommission prüfe Daimlers Boykott, sagte Sprecher Carlo Corazza. Wenn sich der Verdacht eines Richtlinien-Verstoßes bestätige, würden gegen Deutschland als Mitgliedsland "die notwendigen Maßnahmen" ergriffen. Industriekommissar Antonio Tajani droht Deutschland wegen des Kältemittel-Streit bereits seit Monaten mit einem Vertragsverletzungsverfahren.

Retourkutsche von Frankreich?

Im Bundestag wird die französische Haltung auch als Retourkutsche für die jüngste Blockade Deutschlands bei der Verschärfung der CO2-Emissionen von Neuwagen ab 2020 eingeschätzt. "Die kontroverse CO2-Debatte zeigt, dass die führenden Spieler in Europa mit divergierenden Interessen ringen", sagte CDU-Abgeordnete Steffen Bilger, der auch dem Verkehrsausschuss angehört. Der Grünen-Verkehrsexperte Anton Hofreiter sagte, Paris nutze die Gelegenheit "um zurückzuschießen".

Die deutsche Delegation hatte Ende Juni auf dem EU-Gipfel in Brüssel die seit längerem geplante Verschärfung der Klimaschutzregeln für die Autoindustrie platzen lassen. Die deutschen Oberklassehersteller wären davon härter betroffen als die französischen Kompaktwagenhersteller. Die Autoindustrie dürfe nicht durch zu harte EU-Auflagen geschwächt werden, hatte Kanzlerin Angela Merkel ihre Blockade begründet.  

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