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Millionen betroffen Fracking wird Alptraum für US-Hausbesitzer

Neuer Ärger für amerikanische Eigenheimbesitzer. Mit der weiteren Verbreitung des Frackings rücken die Bohranlagen immer näher an Wohnhäuser heran. Die Immobilenpreise purzeln.

Als Gary Gless 2002 sein Haus in Los Angeles kaufte, war das für ihn wie ein Sechser im Lotto. Auf dem Gelände gegenüber sollte der größte innerstädtische Park der Welt entstehen mit eigenem Golfplatz - so wenigstens sahen es die Stadtplaner vor. Doch es kam ganz anders. Statt auf sattes Grün fällt der Blick von Gless heute auf eine staubige Ödnis mit zahlreichen Bohranlagen. Sie pumpen Öl aus dem Boden, das die USA unabhängig machen soll von Exporten aus Nahost. Fracking heißt das Verfahren, bei dem Öl und Gas mittels Druck und Chemikalien aus dem Gestein gepresst werden. Es hat den USA zwar tausende Jobs und sinkende Energie-Rechnungen gebracht und manchen Regionen gar einen außerordentlichen wirtschaftlichen Aufschwung. Aber für Millionen von Hausbesitzern ist Fracking zum Alptraum geworden.

"Wer will denn hier leben?", sagt Gless verzweifelt. In seinem Fall ist es nicht nur der geplatzte Traum vom Blick in die Natur, es geht auch um Schäden am Haus. Er klagt über meterlange Risse. In der Umgebung sei bereits mancher Swimming Pool aufgrund der Bohr-Erschütterungen geborsten und habe sich talabwärts in die Straßen ergossen.

Viele Häuser nahezu unverkäuflich

Höchstens ein Fünftel des einstigen Kaufpreises sei sein Haus mittlerweile noch Wert, schätzt Gless. Das liege auch daran, dass potenzielle Käufer befürchten, dass die bei der Gasgewinnung in den Boden gepressten Chemikalien die Trinkwasser-Qualität beeinträchtigen. Auch Makler mit Kunden in betroffenen Gegegenden schlagen Alarm: "Viele dieser Häuser sind nahezu unverkäuflich", sagt etwa Phyllis Wolper aus Denton in Texas.

Früher haben die US-Behörden die Industrie eher ferngehalten von Gegenden, in denen die Mittelschicht lebt. Mit dem Fortschritt der Fördertechnik hat sich das aber grundlegend geändert. War Fracking lange Zeit schlicht zu teuer, so sind die Preise inzwischen auch auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig. Und weil sich öl- und gashaltiges Gestein etwa auch in Los Angeles, Denver und Cleveland findet, rückt schweres Bohrgerät näher und näher an die Menschen heran. Mittlerweile sind es schon mehrere Millionen Amerikaner, deren Haus nicht weiter als eine Meile (rund 1,6 Kilometer) von der nächsten Bohranlage entfernt liegt.

Viele fühlen sich damit nicht wohl, doch wegziehen ist nicht einfach. Einer Studie zufolge sinkt der Wert betroffener Häuser im Schnitt um knapp 17 Prozent, wenn diese in einem Umkreis von einem Kilometer zur nächsten Bohranlage liegen und einen eigenen Brunnen haben. Eine kommunale Wasser-Versorgung ist nicht Standard in den USA. Gary Gless zum Beispiel bekommt in der trockenen Sommerzeit Wasser von der Kommune, muss im Winter aber seinen eigenen Brunnen anzapfen. Auf Hilfe ihrer Versicherungen können die - mitunter bereits durch die US-Hypothekenkrise von 2007/08 gebeutelten - Hausbesitzer häufig nicht offen. Denn die Policen schließen Schäden aufgrund von "Arbeiten der Industrie" aus.

Wie im Industriegebiet

Die Ölkonzerne verweisen auf die finanziellen Vorteile des Frackings, in deren Genuss auch die Immobilieneigner kommen. So sei die durchschnittliche Energie-Rechnung der Haushalte um rund 1000 Dollar pro Jahr gesunken, sagt Brian Straessle vom Industrieverband API. Hinzu kämen die Lizenzgebühren und Gewinnbeteiligungen, die viele Hauseigentümer von den Bohrfirmen erhalten. Allein 2012 haben die Öl- und Gasfirmen Verbandsangaben zufolge rund 20 Milliarden Dollar an solchen Gebühren gezahlt.

Doch wer es sich leisten kann, verkauft sein Haus und geht. So wie Susan Fowler, die nur noch die Hälfte des geschätzten Werts erhielt. Einst hatten die Ingenieurin mit ihrer Familie ihr Glück in einem geräumigen Backsteinhaus mit Garten in einem angesagten Bezirk in Cleveland gefunden - bis ein Nachbar seine Schürfrechte abtrat. "Im Handumdrehen sah es aus wie im Industriegebiet", erinnert sie sich. "Wir wollten nur noch weg - so weit weg vom Fracking wie möglich." Auch Gary Gless würde gerne umziehen. Das gehe aber nicht, sagt er, weil er keinen Käufer finde. Und die Lage wird sich wohl nicht bessern: Ölfirmen wie Freeport-McMoRan, die in der Region bohren, wollen dort 400 weiterer Anlagen bauen. 

Wer weitere Informationen zum Thema Schiefergas sucht, kann die Expertenseite des GeoForschungsZentrums in Potsdam besuchen.

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