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Schallschutz beim BER Zweite Großbaustelle des Hartmut Mehdorn

Wenn es um den Start des neuen Hauptstadtflughafens BER geht, reden alle vom fehlenden Brandschutz. Es gibt aber noch ein weitere Baustelle, die den Eröffnungstermin wackeln lässt: Der Lärmschutz.

Seit vier Jahren kämpft Michael Schirmer um den Schallschutz für sein Wohnhaus. Er will seine Ruhe haben, wenn wenige Kilometer entfernt der neue Hauptstadtflughafen eröffnet. Doch bislang war der Kampf des Hausbesitzers aus Blankenfelde-Mahlow vergebens - und das obwohl die Handwerker schon einmal angerückt waren. So wie Schirmer geht es Tausenden.

Der Schallschutz ist ein Beispiel für die vielen Planungspannen bei dem Großprojekt. "Gut zwei Jahre hat es schon mal gedauert, bis die Schallschutzfenster drin waren", berichtet Schirmer. "Und dann kam das OVG-Urteil." Die Richter befanden, dass der von der Flughafengesellschaft eingebaute Schallschutz nicht ausreicht. "Jetzt warte ich drauf, dass mein Haus noch mal ausgemessen wird und der neue Schallschutz kommt."

Blankenfelde-Mahlow leidet schon unter dem Fluglärm vom alten Flughafen Schönefeld. Wenn der neue Großflughafen startet, wird sich der Lärm vervielfachen. In wenigen hundert Metern Höhe donnern die Jets über die Dächer.

Erst winziger Bruchteil der Anträge abgeschlossen

Doch was war bei Schallschutz schief gelaufen? Nach dem bereits zehn Jahre gültigen Planfeststellungsbeschluss darf der Fluglärm in den besonders stark betroffenen 14.000 Haushalten tagsüber nicht über 55 Dezibel steigen - die Lautstärke eines normalen Gesprächs. Doch der Flughafen hatte tausendfach Bewilligungen verschickt, die bis zu sechs Überschreitungen der Lärmgrenze an einem Durchschnittstag vorsahen. Der Flughafen sah sich angesichts einiger Widersprüche in dem Beschluss im Recht. Und das machte den Lärmschutz auch billiger. "Das bedeutete aber auch, dass der Lärmpegel um 8 bis 12 Dezibel gestiegen wäre", erläutert Anwältin Franziska Heß, die die Anwohner bei ihrer Klage vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin-Brandenburg vertrat. "Schon drei Dezibel bedeuten eine Verdoppelung des Lärms."

Vor einem Jahr kippte das OVG die Bescheide. Der Flughafen habe systematisch gegen die Vorgaben verstoßen, entschied das Gericht. Die Betreiber müssen das Programm neu aufrollen, aufwendigeren Schutz einbauen. So reichen in vielen Fällen neue Fenster nicht mehr aus, auch das Dach und die Außenwände müssen gedämmt werden. Zudem werden dann Lüftungen gebraucht. Häufig muss nun auch der Verkehrswert der Häuser bestimmt werden. Denn falls der Umbau teurer wird als 30 Prozent des Grundstückwertes, bekommt der Besitzer diese Summe als Entschädigung.

Ein Jahr nach dem Urteil sind die Betreiber noch nicht weit gekommen: Nach dem jüngsten Sachstandsbericht ist bislang nur der winzige Bruchteil von 199 Anträgen abgeschlossen - als nicht anspruchsberechtigt, weil die Voraussetzungen fehlen. Allerdings sind rund 11.200 Anträge in Bearbeitung.

Über 25.000 Haushalte betroffen

Nach Angaben des Verkehrsministeriums ist dies aber nur eine Momentaufnahme. "Die Flughafengesellschaft hat zugesagt, dass angestrebt wird, bis Ende September 2014 allen Betroffenen die Anspruchsmitteilungen zu übersenden", teilte Pressesprecher Lothar Wiegand mit. Damit könnten die Anwohner dann Baufirmen beauftragen. Vor einer Inbetriebnahme des Flughafens oder auch nur der neuen Südbahn müssen sechs Monate Zeit bleiben, die Arbeiten abzuschließen. Das Nachtschutzgebiet eingerechnet sind insgesamt 25.500 Haushalte vor Lärm zu schützen.

Für den Flughafen ist inzwischen klar, dass er dafür statt der ursprünglich geplanten 139 Millionen Euro nun voraussichtlich 730 Millionen Euro ausgeben muss, wie Geschäftsführer Hartmut Mehdorn vor drei Wochen deutlich machte. Doch ausgestattet sind bislang nur rund 1700 Häuser, die weiter entfernt liegen und nur Anspruch auf Schutz der Nachtruhe haben. Der Schallschutz ist die zweite Großbaustelle, an der Mehdorn sich abarbeitet.

Aus Sicht von Christine Dorn hat der Flughafen das schleppende Verfahren und die hohen Kosten selbst zu verantworten: "Die Flughafen-Gesellschaft hat 1999 selbst den massiven Lärmschutz beantragt, um den ungeeigneten Standort nahe bei Berlin genehmigt zu bekommen", sagt die Sprecherin des Bündnis Südost, einem Zusammenschluss von Bürgerinitiativen. "Und als sie den in der Tasche hatten, wollten sie sich drumherummogeln." Michael Schirmer aus Blankenfelde-Mahlow rechnet auch jetzt nicht mit schnellem Fortschritt. Nun würden zunächst die Anwohner der neuen Südbahn berücksichtigt, seufzt er. "Ich werde wohl noch mal zwei Jahre warten müssen."

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