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Leere Auftragsbücher, Panikkäufe Rubel-Verfall reißt Ex-Sowjetrepubliken mit in die Krise

Die Schockwellen der russischen Krise sind auch andernorts deutlich spürbar. Besonders in Armenien ist die Enttäuschung enorm. Das Land hatte sich 2013 gegen eine Annäherung an die EU entschieden.

Leere Auftragsbücher in Armenien, Panikkäufe in weißrussischen Wechselstuben, sinkende Heimatüberweisungen von in Russland arbeitenden Gastarbeitern: Die Schockwellen der russischen Währungs- und Wirtschaftskrise sind auch in den ehemaligen Sowjetrepubliken deutlich zu spüren.

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Der armenische Schuhfabrikant Manwel Gasparian hat bislang 90 Prozent seiner Waren nach Russland exportiert. Doch nun: "Die Preise für unsere Produkte steigen in Russland, während die Einkünfte der Bevölkerung sinken (...) die Nachfrage sinkt spektakulär", seufzt er. Armenien senkte seine Wachstumsprognose für 2014 von 4,1 Prozent auf 3,3 Prozent, weil die Landeswährung Dram elf Prozent an Wert verlor und die Dollar-Überweisungen der in Russland arbeitenden Armenier um fast 20 Prozent zurückgingen.

Für den Wirtschaftswissenschaftler Aschot Aramian ist die Entwicklung nicht verwunderlich. Es seien "russische Unternehmen, die die strategischen Bereiche wie Energie, Eisenbahn und Kommunikation kontrollieren". Die Logik sei in Weißrussland, Zentralasien und im Kaukasus dieselbe, sagt der Moskauer Ökonom Igor Nikolajew. "Das Handelsvolumen mit Russland und die Überweisungen der Gastarbeiter gehen in dem Maße zurück, wie der Rubel fällt."

Moskaus treueste Partner am stärksten betroffen

Die Enttäuschung in Armenien ist enorm. Das Land hatte sich 2013 im letzten Moment gegen eine Annäherung an die Europäische Union entschieden, um sich Russland und dessen Zollunion mit Weißrussland und Kasachstan zuzuwenden. Moskaus treueste Partner sind am stärksten von der Krise Russlands betroffen - und das zu einem Zeitpunkt, in dem zum Jahreswechsel aus der Zollunion die größere Eurasische Wirtschaftsunion wurde, der Russland, Weißrussland, Kasachstan, Armenien und Kirgistan angehören.

Bei der stärksten Talfahrt des Rubel Mitte Dezember stürmten die Weißrussen aus Angst vor einer Abwertung der eigenen Währung die Wechselstuben. Die Zentralbank verhängte eine befriste Sondersteuer von 30 Prozent auf Devisenkäufe, um den Trend zu bremsen, und Präsident Alexander Lukaschenko feuerte seinen Regierungschef.

Kasachstan, reich an Öl- und Gasvorkommen, wird seit dem Rubelverfall mit billiger russischer Ware überschwemmt, was auf Kosten des heimischen Marktes geht. Schon im Februar hatte Kasachstan die eigene Währung wegen des schwächelnden Rubel um 19 Prozent abgewertet. Finanzminister Bachit Sultanow zeigte sich kürzlich besorgt über die Risiken eines "Rückgangs der Exporte und einer wirtschaftlichen Abkühlung".

Mit einem Besuch in Kiew gingen Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew und der weißrussische Präsident Lukaschenko im Dezember auf Distanz zu Moskau und forderten, die Unabhängigkeit der Ukraine zu respektieren. Nasarbajew ging sogar so weit, auf "deutliche Risiken" für die dem russischen Präsidenten Wladimir Putin so wichtige Eurasische Union hinzuweisen.

Gastarbeiter leiden besonders unter Inflation

In Zentralasien sind die ehemaligen Sowjetrepubliken besonders abhängig von jenem Geld, das ihre in Russland arbeitenden Landsleute in die Heimat überweisen. Für Tadschikistan machen diese Überweisungen fast die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts aus. Doch die Gastarbeiter werden in Rubel bezahlt und leiden unter der hohen Inflation in Russland, die bei über zehn Prozent liegt. "Wir werden in unsere Länder zurückzukehren müssen", erklärt der Tadschiken-Vertreter Karomat Scharikow auf der Website openrussia.org.

Die Menge der nach Kirgistan überwiesenen Dollar ist nach Angaben des Analysten Alexej Krasin um bis zu 70 Prozent zurückgegangen. Die Landeswährung Som verlor vergangenes Jahr 17 Prozent an Wert. Aserbaidschan und Turkmenistan gerieten dank ihrer Öl- und Gasreserven bislang nicht in den Sog der russischen Krise, aber Moldau und Georgien spüren die Schockwellen, obwohl sie sich eher nach Westen orientieren.

Auch in der Ukraine wird die aktuelle Wirtschaftsflaute durch die Probleme Russlands verstärkt. "Als Bürgerin freue ich mich darüber, was mit dem Rubel passiert", gestand die ukrainische Notenbankchefin Valeria Gontarewa kürzlich ein. "Aber als Zentralbankchefin kann es mich nicht freuen, weil Russland einer unserer wichtigsten Handelspartner bleibt."

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