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Neue Kreditblase entsteht In den USA ist der Schuldenwahn zurück

Hat Amerikas Finanzmarkt aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt? Die Antwort lautet ganz klar Nein. Erneut vergeben Finanzinstitute wie wild Kredite - ungeachtet der Kreditwürdigkeit.

Faszinierend nennt die Fernsehmoderatorin die Idee. Man nimmt einen Autokredit auf und nutzt das Geld dann, um damit am Aktienmarkt zu spekulieren. "Ist das aber auch klug?" fragt sie in einem Anflug von Zweifel den zugeschalteten Experten. Doch dieser antwortet, ohne mit der Wimper zu zucken: "Es ist klug." Alle Zweifel beseitigt.

Die Szene war vor einigen Tagen auf dem US-Sender CNBC zu bestaunen. Doch staunen dürften darüber nur noch konservative europäische Gemüter. Denn in den USA ist der Schuldenwahn schon längst wieder zurück. Jenseits des Immobilienmarktes ist die Kreditvergabe erneut auf Rekordniveau, übertrifft sogar längst das Niveau aus der Zeit vor der Finanzkrise.

Schlechte Bonität? Egal!

Vor allem aber werden inzwischen wieder massenhaft Kredite an Bürger vergeben, deren Bonität eigentlich viel zu schlecht ist, um auf Pump zu kaufen. Diese sogenannten Subprime-Kredite waren letztlich der Auslöser der Finanzkrise. Denn als immer mehr Kredite ausfielen, stürzte das Kartenhaus zusammen. Nun sind sie zurück.

Vor allem für den Autokauf werden inzwischen wieder solche Kredite vergeben. "Subprime-Kredite machten in den USA im Januar 21 Prozent der Darlehen für neue Fahrzeuge aus", stellt die Investmentbank Goldman Sachs fest. "Damit lag dieser Anteil nun schon den siebten Monat in Folge über dem Niveau von 16 Prozent, das vor der Finanzkrise erreicht worden war."

Konsumausgaben der Amerikaner steigen

Als Schuldner minderer Qualität werden dabei jene Konsumenten eingestuft, die beim sogenannten FICO-Rating – einer Art amerikanischer Schufa – auf einen Wert von unter 620 Punkten kommen. Der Höchstwert liegt bei 850 Zählern, im Durchschnitt erreichen die US-Bürger einen Wert knapp über 700 Punkten. Der neue Schuldenboom trug zuletzt wesentlich dazu bei, dass die US-Wirtschaft sich erholte. 

Die Konsumausgaben der Amerikaner stiegen im vergangenen Jahr um drei Prozent. Betrachtet man jedoch die Wirtschaft ohne den Markt für Neuwagen, so bleibt nur noch ein Plus von 1,5 Prozent. Der Autokauf auf Pump hat also ganz entscheidend zum Aufschwung beigetragen. Doch auch für andere Zwecke können Verbraucher wieder ohne ausreichende Sicherheiten fast überall Kredit bekommen. 

Studium auf Pump

Insgesamt lag der Anteil der drittklassigen Darlehen bei allen neu ausgegebenen Verbraucherkrediten oder Kreditkartenschulden zuletzt bei fast einem Viertel. 2014 wurden damit in diesen Bereichen 189 Milliarden Dollar an neuen Subprime-Krediten vergeben, wie die Kreditauskunftei Equifax errechnet hat.

Studenten haben meist noch kein entsprechendes Rating. Dennoch erhalten auch sie problemlos Kredit, um ihr Studium zu finanzieren – und auch dieser Markt entwickelt sich seit einigen Jahren explosionsartig. 1,16 Billionen an entsprechenden Darlehen standen Ende 2014 aus, 77 Milliarden mehr als ein Jahr zuvor. Seit der Finanzkrise hat sich die Summe sogar mehr als verdoppelt.

Das Problem der Studentenkredite

Das Subprime-Geschäft boomt vor allem deshalb, weil dabei wesentlich höhere Zinsen verlangt werden können. Denn je niedriger das FICO-Rating, desto teurer wird ein Darlehen für den Schuldner, und umso mehr verdient der Darlehensgeber daran – solange der Schuldner den Kredit zurückzahlen kann.

Vor allem für die Ausbildung verschulden sich viele Amerikaner. (Foto: Infografik Die Welt)

Doch genau hier droht nun Ungemach. Am deutlichsten ist dies bereits bei den Studentenkrediten. Nach Angaben der Federal Reserve Bank of New York konnten hier im vierten Quartal des vergangenen Jahres schon 11,3 Prozent der Kreditnehmer ihre Schulden nicht mehr bedienen.

Und diese Zahl untertreibe die wahre Lage noch, warnen die Notenbanker. Denn rund die Hälfte der entsprechenden Darlehen sei im Ruhestatus – die Rückzahlung beginnt üblicherweise erst einige Zeit nach Abschluss des Studiums. Insofern sei die wirkliche Ausfallrate wohl eher doppelt so hoch.

Ausfallrate legte zuletzt zu

Deutlich seltener sind Kreditausfälle noch bei Autodarlehen. Hier betrug die Rate im vierten Quartal 3,5 Prozent. Allerdings hatte sie noch ein Quartal zuvor nur bei 3,1 Prozent gelegen. Vor allem aber fallen immer mehr frische Kredite aus.

Equifax zufolge konnten im November schon 8,4 Prozent jener Darlehensnehmer nicht mehr zahlen, die ihren Kredit erst wenige Monate zuvor im ersten Quartal 2014 aufgenommen hatten. Dies dürfte eine unmittelbare Folge der Vergabe an Personen sein, die eigentlich gar kein Geld haben, um einen Kredit zu bedienen.

Aktionäre wären die Leidtragenden

Die große Frage ist, wer von einem neuerlichen Zusammenbruch der Subprime-Blase betroffen wäre. Unter den Banken ist dabei die US-Tochter der spanischen Santander am Automarkt besonders stark vertreten. Rund 25 Milliarden Dollar an Auto-Krediten hat sie vergeben, davon allein rund 60 Prozent an Subprime-Kunden.

Doch vielfach sind es gar nicht Banken, die an diesem Markt besonders aktiv sind. Oft sind es Finanzdienstleister wie Springleaf Financial. Einst gehörte er zum Versicherungsgiganten AIG, der während der Finanzkrise vom Staat gerettet werden musste.

Heute notiert Springleaf an der Börse und kaufte erst in der vergangenen Woche den Konkurrenten One Main Financial, bisher eine Tochter der Citigroup. Damit wird Springleaf zu einem der größten Anbieter von Subprime-Krediten in den USA.

Muss wieder der Staat einspringen?

Sollte das Unternehmen irgendwann in Turbulenzen geraten, wären damit vor allem seine Aktionäre die Leidtragenden. Ob am Ende der Staat wieder eingreifen müsste, ist dennoch nicht auszuschließen, denn nach wie vor ist nicht klar, inwieweit diese Kredite verbrieft und weiterverkauft wurden, und vor allem an wen.

Während der Finanzkrise kam es durch den Ausfall der Subprime-Kredite am Immobilienmarkt zu einem Domino-Effekt, weil Banken und Versicherungen aus aller Welt darin investiert hatten. Dies wurde jedoch auch erst klar, nachdem die ersten US-Banken darüber ins Straucheln geraten waren. Im Zweifel dürfte es diesmal ähnlich sein.

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